Schongaus neuer evangelischer Pfarrer

Heimatverbundener Weltenbummler

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Viele Erinnerungsstücke hatte Jost Herrmann dabei, anhand derer er sich näher vorstellte.

Schongau – Nicht in die Trickkiste, sondern in den Umzugskarton, hat Schongaus neuer evangelischer Pfarrer Jost Herrmann am Dienstag beim Gemeindenachmittag gegriffen. Dabei kamen vielerlei Memorabilia seines bisherigen Lebens hervor, anhand derer er sich näher vorstellte.

Ceylon-Tee und Schafkopf-Karten, Mandela-Biografie und Räuchermännle aus dem Erzgebirge: In Herrmanns Karton hatte sich so einiges angesammelt. Ein Erinnerungsstück nach dem anderen breitete er vor den Augen der rund 25 Anwesenden aus, die die Tafel im evangelischen Pfarrsaal gut ausfüllten, und ging danach wortreich auf die jeweilige persönliche Bedeutung ein.

Klar wurde: Aufgewachsen in Freising, beschränkte sich Herrmanns Wirkungskreis als Pfarrer nicht nur auf Oberbayern, wo er unter anderem Station in Rosenheim und Weilheim machte. Im südafrikanischen Pretoria wirkte der heute 54-Jährige ebenfalls. Und auch privat hat er einige Lieblingsplätze, die gleichermaßen direkt vor der eigenen Haustür – das Allgäu bezeichnet er als „zweite Heimat –, als auch im jordanischen Petra oder Neu-Guinea liegen können.

Dass er, der schon mit 15 seinen Berufswunsch fasste und die Werte der Taizé-Gemeinschaft als für sich prägend bezeichnet, nun, nachdem er sich beruflich zwei Jahre auf den Posten des hauptamtlichen Asylkoordinators im Oberland konzentrierte, als Pfarrer in Schongau gelandet ist, sieht Herrmann als Mischung aus eigenen Entscheidungen und einem „Das-hat-sich-so-ergeben“.

Überhaupt neigten die Menschen zu oft dazu, ihren Status-Quo interpretieren zu wollen, findet er. Beispielsweise als Pech oder Glück. Doch gelte es viel mehr, offen zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass Gottes Wege zwar unergründlich, aber gut seien. „Das ist, was ich mir für meine Jahre in Schongau erhoffe.“

Hier will er eine enge Verbundenheit auch mit seinen katholischen Kollegen pflegen; Ökumene ist Herrmann wichtig. „Das hat an meinen bisherigen Stationen überwiegend sehr gut geklappt.“ Für die Arbeit in und mit der eigenen Gemeinde – die neben der Lechstadt ja noch viele Ortschaften im Umkreis umfasst – gelte im Zusammenspiel mit Pfarrerin Julia Streller: „Jeder macht alles, einer muss auf den jeweiligen Bereich aber den Blick haben.“ Schwerpunkte seien also keine ausgemacht und auch nicht angedacht, beide wollen sich ergänzen.

Wobei es nicht Aufgabe der Pfarrer allein sei, die Kirche und die Pfarrei gedeihen zu lassen: Jedes Mitglied sei aufgefordert, zu einer Identität beizutragen, die sich durch Offenheit auszeichnet. Denn nur so ließen sich Gelegenheiten schaffen, Engagement zuzulassen und sich gegenseitig zu vermitteln: „Du bist ein Segen für die Gemeinde“. Das wiederum sei unverzichtbar, um Kirchenaustritte einzudämmen. Herrmann will Bindungen schaffen und aufrecht erhalten. „Eine Kirchengemeinde ist immer auch Heimat“, findet der Neue.

Rasso Schorer

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