Jubiläums-Schockerberg der Schongauer CSU

Von "Verbalkolibri" bis "Quantum Prost"

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Alle Akteure des Singspiels waren nur im Schlussbild gemeinsam auf der Bühne: 14 Darsteller sind es heuer Jubiläum gewesen. Regie und Choreografie: Luitpold Braun (5. v. re.).

Schongau – Es war ein Schockerberg der Superlative: Die drei Vorstellungen im Pfeiffer-Haus waren ausverkauft, 850 Zuschauer kamen zum Derblecken. Ein Superlativ war auch die Länge des Programmes mit mehr als vier Stunden, wozu die Fastenpredigt mit Robert Kassebaum als Bruder Okulus, Marianne Porsche-Rohrer (sie gab den Mosaikmaler Cobi Reiser), Markus Wühr als Luigi aus Südtirol, das furiose Singspiel und der Auftritt der Schönachdorfer Feuerwehrkapelle gehörten.

„Ich bin total begeistert“, sagte etwa Bürgermeister Erwin Karg aus dem Fuchstal, der zusammen mit seiner Frau die letzte der drei Aufführungen am Sonntag besuchte. Er war das erste Mal beim Schockerberg der Schongauer CSU. An seinem Tisch ist freilich ein Platz freigeblieben; Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der für Sonntag angekündigt war, sagte kurzfristig ab.

Dafür waren zahlreiche Bürgermeister von Böbing bis Apfeldorf der Einladung gefolgt. Die größte Promi-Dichte war in der zweiten Vorstellung am Samstagabend zu beobachten – mit einer gut gelaunten Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman an der Spitze.

Weniger fröhlich schaute an diesem Abend hingegen Stadtpfarrer Norbert Marxer drein. Ob’s daran lag, was Moderator Nick Lisson aus Penzberg (von Antenne Bayern und zugleich Vorsitzender der JU Weilheim-Schongau) dem Hausherrn des Pfarrheims in der Begrüßung zugerufen hatte? Dass der katholische Geistliche im Gegensatz zum Bürgermeister und zur Landrätin „hoffentlich ohne Begleitung“ zum Schockerberg gekommen sei.

Witze über Cordula

„Über Cordula machen wir so viele Witze heute Abend, dass wir einmal das Gesicht sehen müssen“, führte CSU-Ortsvorsitzender Oliver Kellermann beim Jubiläum 20 Jahre Schockerberg in den Abend ein. Sie und ihr Mann, der Schongauer Bürgermeister, bekamen an diesem Abend ihr Fett weg, nachdem der neue JU-Vorsitzende von Schongau, Florian Stögbauer, mit nur einem Schlag das Fass angezapft hatte.

Deftig aus teilte Bruder Okulus in der Fastenpredigt. Über der Schongauer Innenstadt würden die Geiger kreisen. Die Neue im Rathaus, Standortförderin Yvonne Voigt, bezeichnete er als „Verbalkolibri“. Bei Bürgermeister Sluyterman sei „trotz seiner optischen Nähe zu Oskar Lafontaine“ die „politische Nähe zu uns nicht zu übersehen“, bekundete der Fastenprediger, nachdem der Rathauschef sich beim Faschingsumzug schon auf dem Wagen der Jungen Union gezeigt hatte.

Gab den Künstler Cobi Reiser: Marianne Porsche-Rohrer, die als Mosaikmalerin auftrat.

Noch vor dem Auftritt des Luigi aus dem Südtiroler Alto Adige, mit seinem schaudernden Gebiss und deftigen Sprüchen über das Krankenhausessen, über Veganer sowie Vegetarier sowie mit einer Rock- bzw. Sambaeinlage gab Marianne Porsche-Rohrer mit pfiffigem Künstler-Käppi den Maler Cobi Reiser, dessen Wandbilder in Schongau sechzig Jahre nach der Entstehung just vor dem Abriss so viel Verehrung gefunden hätten. Auswendig setzte sie Reim an Reim, kam ebenso wie zuvor Kassebaum auf den leeren Marienplatz zu sprechen. „Anstatt einer Zone für viele Leute, hat man eine Ruhezone heute.“ Und über den aus Sachsen stammenden Krankenhausverwalter meinte sie: „Das nächste Mitglied im Trachtenverein wird doch hoffentlich nicht der Lippmann sein.“ Über den konnten anschließend die Leute im Saal lachen, als Moderator Lisson ihn dazu aufforderte, den bayerischen Trinkspruch „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ vor 300 Leuten am Mikro auszusprechen.

Zu Hochform aufgelaufen

Zu Hochform liefen die Darsteller im Singspiel „Ein Quantum Prost“ auf, wofür Luitpold Braun junior nicht nur für Regie und Choreografie verantwortlich zeichnete, sondern in bester James Bond-Maier selbst als Agent 007 alias Horst Seehofer temperamentvoll und sich verausgabend auf der Bühne agierte. Unterwegs mit einer von Starkbier angetriebenen Zeitmaschine, machte sich eine Truppe der Union vom Kanzleramt auf den Weg nach Washington, nach Ankara und nach Moskau, um Ratschläge einzuholen, wie man denn bei der Schulz-Euphorie in der SPD denn noch die Bundestagswahl gewinnen könne.

14 Darsteller gaben ihr Bestes und in der dritten Vorstellung waren sie so locker drauf, dass der russische Bär Benni Keltsch aus Hof am Sonntag sich genüsslich den dicken Bauch streichelte, nachdem Angela Merkel (dargestellt von Anna Eberle) mit Schüssen im Kanzleramt niedergestreckt worden war. Hervorzuheben war Robert Stöhr als Donald Trump, der sich zunächst mit Melania (dargestellt von seiner eigenen Frau Johanna Stöhr) im Himmelbett unter der amerikanischen Flagge im Bett vergnügte. Stark die Szene und der Gesang des Robert Kassebaum als Sultan Erdogan (im lila Gewand und mit Haferlschuhen), der bärenstarke Auftritt von Max Bertl als Putin – vor allem, wie er mit freiem Oberkörper muskulös den wilden Bären erlegt.

Zum Schluss einen draufgesetzt hat die Schönachdorfer Feuerwehrkapelle mit Jürgen Fischer. Zum Schockerberg reimte er „Hier ersäuft man im Kollektiv das den Schongauern angeborene Stimmungstief“. Die meist gut gelaunte Landrätin Jochner-Weiß charakterisierte er hingegen als „Patrona Bavaria vom Oberland“. Viel zu lachen gab’s schließlich in der Zugabe, einer Live-Schalte aus dem Schongauer Bike-Park, wo er in bester Reporter-Manier mit spitzen Bemerkungen ein Rennen auf der Bahn moderierte.

Für Fischer und die Schönachdorfer Feuerwehrkapelle war das Wochenende besonders strapaziös, hatten sie zusätzlich zu den drei Auftritten in Schongau auch noch einen vierten am Sonntagmittag in Peißenberg. Doch auch die „Macher“ des Schockerbergs von der Schongauer CSU waren mit drei Vorstellungen, in denen wiederum Besetzungen der Stadtkapelle musizierten, an ihre Grenzen gelangt. Was niemand verwundert, wenn man nur an die intensiven Vorbereitungen fürs Singspiel denkt, das diesmal 80 Minuten dauerte.

Johannes Jais

Schockerberg 2017 - die Bilder

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