Bürgerversammlung in Peiting

Aufreger Juze-Standort

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Volles Haus zur Bürgerversammlung: Nahezu 300 Besucher kamen in die Schloßberghalle.

Peiting – Der geplante Standort fürs neue Jugendzentrum nahe am Wohngebiet Kampfgartenweg/Jägerstraße war ein kon­trovers behandeltes Thema auf Michael Asams letzter Bürgerversammlung. Die wird ohnehin in die Geschichte eingehen. Gemeinderäte und Mitarbeiter eingerechnet, fanden sich 280 Interessierte in der Schloßberghalle ein; noch nie war das Interesse so groß. Und: Selten hat eine Bürgerversammlung so lange gedauert.

Es war bereits zehn Minuten nach elf Uhr abends, als der Rathauschef nach zahlreichen Referaten und Wortmeldungen die Veranstaltung beschloss. Er hat zwei Dutzend solcher Versammlungen in Peiting gehalten – und dazu noch 23 Bürgerversammlungen in Birkland. Asam (66) ist seit Mai 1996 im Amt und hört zum 30. April 2020 als Bürgermeister auf. Im Saal waren alle fünf Bewerber anwesend, die seine Nachfolge antreten möchten. Das waren die drei Gemeinderäte Christian Lory (Bürgervereinigung), Thomas Elste (Grüne) und Peter Ostenrieder (CSU); Annette Luckner (SPD) und Andreas Schmid waren an den langen Tischreihen.

Trotz Aufreger-Themen wie dem geplanten Juze am bisherigen Abenteuerspielplatz oder einem möglichen Marienheim-Neubau auf einem von der Gemeinde angebotenen Grundstück am Bühlach seien die Redebeiträge hart, aber fair vorgetragen worden, wie Asam schließlich zusammenfasste. Der Bürgermeister durfte am Ende der letzten Bürgerversammlung den Beifall der Besucher entgegennehmen, die sich dazu von den Sitzen erhoben hatten. Asam war gerührt.

"Vor Kopf gestoßen"

Dass die Anwohner der Jägerstraße und des Kampfgartenwegs „ziemlich überrascht und vor den Kopf gestoßen waren“, als im November am Bolzplatz Aufmessungen für das neue Jugendzentrum gemacht wurden: Dies betonte Robert Weinlich in seiner Wortmeldung. Die Emissionen seien „nicht unerheblich“, verwies er vor allem auf regelmäßige Partys mit Live-Bands und auf Lärm aus den Proberäumen. Der Anwohner fügte hinzu: „Die Wohnqualität sehe ich mit der Planung gefährdet.“

Robert Weinlich nutzte die Gelegenheit zur Wortmeldung

Weinlich erwähnte den zu erwartenden Verkehr vor und insbesondere nach den Veranstaltungen. Er stellte die Frage, wa­rum ausgerechnet beim Standort der Bolzplatz der Fußballer reduziert werden müsse. Vor allem übte Weinlich, der eine Liste mit 60 Unterschriften an Asam überreichte, Kritik daran, dass der Beschluss zum Standort in nichtöffentlicher Sitzung gefallen sei: „Warum spricht man nicht mit den Anwohnern?“

Der Bürgermeister antwortete, es sei bei der Entscheidung, wo 2022 das neue Jugendzentrum gebaut werde, „um viele Standorte“ gegangen. Darum sei es schwierig, „so eine Gesamtbetrachtung“ in eine öffentliche Sitzung hineinzupacken.

Zu bedenken gab Asam, dass er in den letzten 24 Jahren „keine einzige Beschwerde“ zum bisherigen Juze-Standort an der Lorystraße bekommen habe. Außerdem hätten sich die Gemeinderäte über das Jugendzentrum in Garmisch-Partenkirchen informiert; auch das sei zentral untergebracht. Anwohner Weinlich sagte dazu, die Wohnsituation im Umfeld sei in Garmisch nicht so wie in Peiting. Sein Vorschlag war, für das geplante Jugendzentrum in Peiting den Abenteuerspielplatz herzunehmen, der sich 150 Meter weiter westlich befindet.

Areal zu klein

Marktbaumeister Fabian Kreitl erklärte dazu, das Gelände sei mit 1.400 Quadratmetern zu klein. Das Juze bräuchte mindestens 2.000 Quadratmeter, zumal auch Aktivitäten im Freien vor dem Gebäude ermöglicht werden sollen. Am Abenteuerspielplatz sei außerdem der Untergrund zu nass, ergänzten Kreitl und Asam. Weinlich konnte es kaum glauben, dass 150 Meter weiter andere Bodenverhältnisse gegeben seien als am geplanten Standort.

Kreitl („Sie dürfen hartnäckig sein, aber ich bin es auch“) hält die Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit auf so kurzer Distanz durchaus für nachvollziehbar. Genaues würden die Probebohrungen am Gelände ergeben, die heuer oder nächstes Jahr gezogen werden.

Asam meinte, den Standort dürfe man „nicht so problembehaftet“ bewerten. Dem Schallschutz werde Rechnung getragen. Auch sollten Juze-Besucher, die mit dem Auto kommen, das Vehikel am Parkplatz beim Eisstadion abstellen. Er sei aber dagegen, ein Jugendzentrum in ein Gewerbegebiet zu setzen. „Ist das nicht ein bisserl diskriminierend?“, fragte der Bürgermeister. Es sei nicht davon auszugehen, dass die jungen Leute zu Ruhestörern würden. Im Gegenteil: Er kenne Jugendliche, die seien engagiert, brächten sich bei Projekten wie dem Zirkus „Schweinsgalopp“ aktiv ein.

Zweiter Bürgermeister Franz Seidel war ebenfalls dagegen, ein Juze in einem Gewerbegebiet zu bauen. Es gelte da aus Sicht der Gemeinde schon, die gesamte Entwicklung des Ortes zu bewerten. Er selbst wohne in der Nähe der Schloßberghalle und sei Nachbar eines Gewerbebetriebes. Man dürfe nicht alles einengen. „Sonst stirbt unser Ort“, war der Kommentar Seidels. 

Zur Basiliwiese

Wegen der geforderten Lärmschutzmaßnahmen zum Freibad hin hat die Gemeinde darauf verzichtet, die Basiliwiese anzukaufen. „Nein – nicht um jeden Preis“ habe die Devise des Gemeinderates gelautet, gab Bürgermeister Asam auf der Bürgerversammlung zu verstehen. Schade sei, dass die Gemeinde so nicht an zwei Hektar Fläche für Gemeinbedarf (z.B. für Kindergarten) herangekommen sei. Das Bauen auf der Basiliwiese sei durch das Immissionsschutzrecht stark eingeschnitten worden. Dieses Thema sei eine eigene, komplexe Materie. Asams Kommentar: „Da kann ich jeden verstehen, der das nicht versteht.“

Krippenmodul

Aufgrund des steigenden Bedarfs an Betreuungsplätzen sind im Schul- und Sportzentrum zahlreiche bauliche Veränderungen geplant. Die einzelnen Maßnahmen (wir berichteten) hat Marktbaumeister Fabian Kreitl im Detail vorgestellt. „2020 und 2021 haben wir viel vor“ – so beschrieb es der junge Chef des Bauamts. Als erstes wird das Therese-Peter-Haus um ein Modul für eine zusätzliche Krippe erweitert. Die Kosten bezifferte Kreitl auf 550.000 Euro. Fertigstellung ist im September 2020. Die Offene Ganztagesschule – bisher provisorisch in der Alfons-Peter-Grundschule – wird in einem neuen Gebäude nebenan untergebracht. Kosten: zirka zwei Millionen Euro.

Mehr Einwohner

Leicht zugenommen hat in Peiting die Zahl der Einwohner. Seit 2018 sind es über 11.700 Menschen, die in Peiting mit Herzogsägmühle und Birkland wohnen. Die Marktgemeinde hat einen leichten Männer­überschuss. 6.000 sind maskulin, 5.729 Einwohner sind weiblich. Geburten wurden heuer bislang 83 verzeichnet, letztes Jahr waren es bis Ende Dezember 97. Das geht aus der 75-seitigen Broschüre hervor, die von Rathaus-Mitarbeiterin Gabi Waldner gestaltet wurde und die bei der Bürgerversammlung auslag.

Langsam angehen

„Tuat’s langsam mit dem Hausbauen“: Diesen Satz münzte Toni Bader in einer Wortmeldung auf das Grundstück an der Oberen Straße, wo das Kreuzer-Haus stand. Nach dem Abriss sei so mehr Übersicht an der kritischen Einmündung gegeben; außerdem könne die Fläche als Parkplatz genutzt werden. Bürgermeister Asam erklärte jedoch, dass es sich um ein Kerngebiet der Städtebauförderung handle. Die Regierung von Oberbayern habe die Gemeinde ermahnt, das Grundstück nicht leer stehen zu lassen. Man werde an die Entwicklung des Grundstücks „mit Ruhe und Bedacht rangehen“, kommentierte der Rathauschef. Überlegenswert sei dort eine kleine Gewerbefläche. 

Vor einem Jahr stand es noch, das Kreuzer-Haus, mittlerweile ist es abgerissen.

Wenig Grundstücke

Die Gemeinde hat laut Bürgermeister kaum Grundstücke. „Momentan können wir nix anbieten“, bekannte er auf der Bürgerversammlung mit Blick auf Gewerbeflächen, die bis auf eine alle vergeben seien. Im Wohnbereich sei die Wiese am Hochweg (im Lexe-Gebiet) 2021 so weit, dass dort 14 Häuser errichtet werden können.

Rohstoff Geist

Anknüpfend an die Investitionen der Marktgemeinde Peiting in Kinderbetreuung und Ganztagsschule, bezog Landrätin Andrea Jochner-Weiß auf der Bürgerversammlung in der Schloßberghalle Position zum großen Schul-Investitionsprogramm des Landkreises, das 120 Millionen Euro umfasst. Oberstes Kriterium sei, den Rohstoff Geist, sprich die Bildung, zu unterstützen. Beim größten Projekt, dem gewerblich-technischen Berufsschulzentrum in Weilheim, seien ungefähr zwei Drittel der Gewerke vergeben. Abschließend richtete die Landrätin ihren Dank an Bürgermeister Asam für dessen großartiges Wirken in der Heimatgemeinde und im Landkreis Weilheim-Schongau. Sie wünschte ihm „wenig Ärger für die letzten Wochen als Bürgermeister von Peiting“.

Zu den Umkleiden

Warum die Gemeinde für die neuen Fußballplätze nun doch die Umkleiden baue und dafür 400.000 Euro ausgebe, wollte Konrad Obermeier wissen. Er fragte nach, wieso die Fußball­abteilung dies nicht übernehmen könne – ähnlich wie der EC Peiting bei einem Anbau, die Schützen bei einem Ausbau oder die Bergwacht Peiting/Steingaden bei ihrer Erweiterung in Steingaden. Michael Asam antwortete, man habe den „Hoffnungsschimmer“ gehabt, dass es klappt. Aber die Fußballabteilung sehe sich viele Jahre nach der Zusage nicht mehr in der Lage; in der Sparte würden Fachleute für so eine Baumaßnahme fehlen. Die zwei Fußballplätze seien gut ausgelastet und würden überwiegend im Nachwuchsbereich genutzt; man wolle nicht, dass die Kinder, Jugendliche und Erwachsene nach dem Training oder nach dem Spiel zum Duschen nach Hause fahren müssen.

jj

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