Kampfmittel-Extrarunde

Über 1.000 Schuss im Mühlkanal

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Mit diesem Langstiel-Löffelbagger wurde nun die Bachsohle des Mühlkanals ausgehoben, der Aushub nach weiteren Kampfmitteln durchsucht.

Schongau – Die Baustelle am Mühlkanal hält einiges parat, mit dem das Staatliche Bauamt Weilheim nicht gerechnet hat, fasst Abteilungsleiter Christoph Prause zusammen. Zuletzt sind Waffen sowie Munition im Bachbett aufgetaucht (der Kreisbote berichtete). Das hätte allerdings eine Spezialfirma bereits im Frühjahr letzten Jahres ausgeschlossen, sie meldete damals, der Mühlkanal sei „kampfmittelfrei“.

Dass dem offenbar nicht so ist, bewies bereits Ende Juli der Fund einer Tellermine und einer Handgranate. Im April 2017 hatte eine Spezialfirma im Mühlkanal eine Sondierung durchgeführt und im Anschluss vermeldet, dass der Bereich frei von Kampfmitteln sei, blickt Christoph Prause vom Staatlichen Bauamt Weilheim zurück. Zuletzt sei allerdings immer wieder etwas aufgetaucht, der Kampfmittelräumdienst musste mittlerweile bereits dreimal anrücken. Eine Tellermine, eine Hand- und zwei Panzergranaten wurden geborgen bzw. vor Ort gesprengt.

In den vergangenen Nächten musste die Brücke erneut gesperrt werden, die Suche nach Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg im Kanal ging weiter. Allein in der ersten Nacht von Montag auf Dienstag kamen zwei zehn-Liter-Eimer voll Kleinmunition, Patronen und Waffenteile sowie eine noch scharfe Handgranate zu Tage. „Zwischen 900 und 1.000 Schuss“, schätzte Prause am Dienstag.

Auch in den beiden weiteren Nächten tauchte noch etwa ein halber Eimer voll Kleinmunition und Metallschrott auf, allerdings „nichts Auffälliges mehr“, so Prause auf Nachfrage. Am Donnerstagmorgen konnte die Kampfmittelsondierung deshalb abgeschlossen werden.

Mit einem sogenannten Lang­stiel-Löffelbagger wurde das Bachbett fünf Meter rund um den Mittelpfeiler einen Meter tief ausgebaggert. Mit einer Metallsonde musste dann der Aushub geprüft werden. „Der Kampfmittelräumdienst entscheidet, was im Anschluss mit der gefundenen Munition und Waffen geschieht“, sagt der Bauamtsmitarbeiter. Kann das Material gelagert werden, steht ein abgeschlossener Container dafür zur Verfügung.

Weil der Bagger auf der Brücke platziert werden musste, verlief der Verkehr über den Mühlkanal in der vergangenen Woche wieder nur einspurig mit Ampelschaltung über die Behelfsbrücke. Nachts musste auch diese gesperrt werden, weil zwischen 20 und 6 Uhr die Baggerarbeiten stattfanden. Der Zug durfte den Mühlkanal passieren, ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn meldete, wenn sich ein Zug näherte, die Baggerarbeiten wurden in der Zeit eingestellt. Auch für Fahrzeuge des Rettungsdienstes wurde eine Ausnahme gemacht, der restliche Verkehr musste nachts über die Umgehung ausweichen.

Und es bleibt erst einmal einspurig. Wann genau es wieder in beiden Richtungen über den Mühlkanal geht, kann der Bauamtsmitarbeiter derzeit noch nicht sagen, „möglicherweise aber bereits morgen“, kündigt Prause am Donnerstag an. Das hängt allerdings noch daran, wie die Bauarbeiter voran kommen.

Nicht nur Vorsichtsmaßnahmen in Form der Umleitung waren erforderlich. Der Baggerfahrer wurde mit zusätzlichen Scheiben in seinem Gefährt geschützt. Für die Anwohner wurden extra Wände als Splitterschutz errichtet.

Welche Mehrkosten durch die Maßnahmen, die durch den Kampfmittel-Fund erforderlich wurden, auf das Staatliche Bauamt zukommen, kann Prause derzeit noch nicht beziffern. Vorbei ist es allerdings noch nicht: Es folgt nach dieser schließlich auch noch die Erneuerung der zweiten Brückenhälfte. Auch dort wird zunächst eine Kampfmittelsondierung erforderlich sein. „Ich hoffe, dieses Mal kriegen sie das vernünftig hin“, so Prause im Hinblick auf die ausführende Firma.

asn

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