Sozialdemokraten im Aufwind?

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Kommt gut an: Mit Kanzlerkandidat Martin Schulz wähnen sich die Sozialdemokraten im Aufwind.

Landkreis – Die SPD setzt all ihre Hoffnungen in einen neuen Heilsbringer: Seit Martin Schulz Ende Januar zum Kanzlerkandidaten auserkoren worden ist, sehen Meinungsumfragen die Sozialdemokraten im Aufwind. Die Partei selbst vermeldet einen regelrechten Mitglieder-Boom. „Aufgrund der extrem hohen Nachfrage gibt es Engpässe an Parteibüchern“, teilt Philipp Geiger, Chef vom Dienst bei der Pressestelle im Berliner Willy-Brandt-Haus, auf Nachfrage des Kreisboten mit. Wie spürbar ist der Schulz-Effekt aber im Landkreis?

Durchschnittlich verzeichnet die SPD seit Schulz‘ Antritt 329,5 Eintritte am Tag. Und das lediglich online. Zum Vergleich: Für gewöhnlich liege dieser Wert bei 20 bis 25, so Geiger. Die Auszählung aller anderweitig aufgelaufenen Aufnahmegesuche steht noch aus. „Die in absoluten Zahlen meisten Eintritte gibt es in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Berlin und Bayern“, berichtet der Pressesprecher.

Das sollte Mut stiften, gilt der Freistaat in den vergangenen Jahren doch als mitunter hartes Pflaster für die Sozialdemokraten. Auch, was die Bundestagswahlen angeht. 25,7 Prozent der Zweitstimmen fuhr die Partei im Jahr 2013 deutschlandweit ein, nur 20 waren es auf weiß-blauem Terrain. Noch spärlicher fiel das Ergebnis mit 15,5 Prozent im Wahlkreis Weilheim aus. Zwar hatten die Roten überall im Vergleich zum Jahr 2009 zugelegt, Anlass zu überbordender Euphorie dürfte dieser kleine Aufschwung seinerzeit aber nicht gewesen sein. Kommt diesmal alles anders?

„Wir merken einen sehr deutlichen Schulz-Effekt“, freut sich Hannelore Baur. Sie ist Geschäftsstellenleiterin des SPD Regionalbüros in Weilheim. So viele Neueintritte wie lange nicht mehr gehen bei ihr ein. Während in einem vergleichbaren Zeitraum normalerweise zwei bis drei Anträge an sie herangetragen würden, seien es seit Schulz‘ Positionierung schon 25 gewesen. „Querbeet, jung, alt, Männlein, Weiblein“, strömten der Partei im Kreisverband zu, so Baur.

Auch Daniel Blum, 1. Vorsitzender des Ortsvereins Schongau, registriert: „Zuvor sind unsere Mitglieder manchmal mit Glück nicht weniger geworden.“ Nun verbuche man immerhin drei Neueintritte. „Davon hat eine Person deutlich auf ihre Hoffnungen in Schulz verwiesen.“

Wie kommt das? „Er ist ein Normalo, der die Sorgen der Leute kennt“, beschreibt Baur, die hofft, dass der Kanzlerkandidat ihrer Einladung Anfang September ins Penzberger Festzelt folgt. Er sei keiner, der vom Hör- direkt in den Plenarsaal gewechselt sei. „Auf Bundesebene ist Schulz völlig unbefleckt, gleichzeitig hat er auf europäischer Ebene etwas geleistet.“

Keine kalten Füße bei den Christsozialen

Das sieht Peter Ostenrieder, stellvertretender Kreisvorsitzender der CSU, anders. „Ich verstehe die Aufbruchstimmung der SPD. Schulz steht aber für genau das Europa, das die Leute nicht mehr wollen.“ Die Gelegenheit, als Präsident des EU-Parlaments etwas zu verbessern, habe der 61-Jährige aus seiner Sicht verpasst. „Wir Christsozialen bekommen in Hinblick auf die Bundestagswahl keine kalten Füße wegen Schulz.“

ras

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