Ein Astra als Azubi-Lockvogel

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Freie Verfügung – die Farbe nach Belieben wählbar: Mit einem neuen Opel will die Metzgerei Schuster ihr Nachwuchsproblem  bekämpfen.

Peiting – Ob das endlich die ersehnte Lösung bringt? Schon seit zehn Jahren hat die Peitinger Metzgerei Rohrmoser keine Lehrlinge mehr ausgebildet, dabei wäre der Wille durchaus vorhanden. Allein, es fehlen die Bewerbern. „Wir mussten uns etwas überlegen“, sagt Chef Thomas Schuster. Heraus kam eine durchaus ungewöhnliche Idee: Ein nagelneuer Opel Astra soll jungen Interessenten den entscheidenden Anreiz liefern.

„Beim Lohn können wir nicht mit der Industrie mithalten“, erklärt Schuster. „Ich habe mich deshalb gefragt, wie wir auf andere Art wieder Lehrlinge für uns gewinnen können.“ Das Ergebnis findet sich als Stellenanzeige im Kreisboten: „Unsere Azubis gehen nicht zu Fuß!“, steht dort. Einen Neuwagen will die Metzgerei Rohrmoser zur freien Verfügung stellen, die Farbe des Opel Astra sei frei wählbar. „Wir übernehmen die Leasing-Raten sowie die Kosten für Wartung und Inspektion in den ersten drei Jahren“, so Schuster. Auch um günstige Konditionen für die Versicherung will er sich bemühen.

Stellen bleiben offen

Das ist ein vermeintlich großer Aufwand, doch auch Roland Streim, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oberland, weiß: „Das Lebensmittelhandwerk hat große Nachwuchssorgen. Das ist schade, denn es sind ehrliche Berufe, die die Gesellschaft braucht.“ Teils liege das an den Verdienstmöglichkeiten, teils an den Arbeitszeiten. Sandra Perzul, Pressesprecherin der Agentur für Weilheim, nennt Zahlen: „Aktuell haben wir im Landkreis sechs Ausbildungsstellen zum Fleischer und neun zur Fleischerei-Fachverkäuferin als offen gemeldet.“

Und Streim bilanziert: „Während manche Bereiche, zum Beispiel beim Holz boomen, müssen andere dringend nachziehen, um ihre Attraktivität zu steigern.“ Dabei seien Anreize, wie der Neuwagen der Metzgerei Rohrmoser, kein unübliches Mittel. Ähnliche „Goodies“, wie Streim es nennt, könnten Finanzspritzen beim Führerschein oder Belohnungs-Modelle im Falle erfolgreicher Prüfungen sein.

Bei Schuster hat sich mittlerweile ein Interessent gemeldet, das Kennenlerngespräch steht noch aus. Viele Vorkenntnisse seien nicht gefragt, das meiste füge sich mit der Zeit. „Lernwillig muss er sein“, beschreibt der Rohrmoser-Chef, was er von seinem Lehrling erwartet. „Und er sollte sich gut mit uns verstehen.“ Insgesamt biete das Metzgerhandwerk schöne und abwechslungsreiche Aufgaben. „Wir schlachten zwar selber, laufen aber natürlich nicht den ganzen Tag blutverschmiert durch die Gegend.“ Insgesamt gehe es wohl sauberer zu, als in so manch anderem Berufszweig, vermutet Schuster.

ras

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