Kein Licht am Ende des Tunnels: "Hoerbiger"-Konzern reagiert mit Stellenstreichungen auf Finanzkrise

Die seit Monaten weltweit grassierende Finanzkrise hat inzwischen herbe Auswirkungen auf den Landkreis. Die Firmengruppe „Hoerbiger“ wird in naher Zukunft rund ein Fünftel ihrer Belegschaft entlassen müssen, um der fortwährenden Absatzkrise auf dem Automobilsektor gerecht zu werden und noch Schlimmeres – vorerst zumindest – zu verhindern.

Als „unschönen Tatbestand“ bezeichnete Dr. Siegmar Schlagau, Mitglied der Konzernleitung und gleichzeitig Leiter des Unternehmensbereichs Antriebstechnik, die bevorstehenden Entlassungen. Doch es gibt keinen anderen Weg: „Um die Zukunft zu sichern, müssen wir uns von 300 bis 400 Arbeitsplätzen im Unternehmensbereich Antriebstechnik, im Ge- schäftsbereich Automotive Komfortsysteme und bei der Hoerbiger Kompressortechnik Schongau GmbH trennen“, sagte dieser bei einem Pressegespräch. Trotz der Interventionen verschiedener Regierungen in Europa setze sich die Krise in der Automobilindustrie unvermindert fort, führte Schlagau aus. Zwar würden sich die staatlichen Förderprogramme in gewissem Umfang positiv auswirken, allerdings vornehmlich im Kleinwagensegment. Da „Hoerbiger“ allerdings im Premiumsegment tätig ist, profitiert das Unternehmen kaum von Geldspritzen wie der Abwrackprämie. „Das Jahr 2009 ist bereits abgefahren und auch für das kommende Jahr erwarten wir keine Besserung“, stellte Schlagau klar. Frühestens 2011, so die Prognose zahlreicher Experten, sei mit einem Anstieg der Nachfrage zu rechnen. „Unser oberstes Ziel ist, dass Hoerbiger nicht in den Sog einer Insolvenz gerät“, erklärte der Leiter der Antriebstechnik und sagte weiter: „Wir sind einerseits von den konjunkturellen Auswirkungen der Krise betroffen. Die daraus resultierenden Arbeitsausfälle fangen wir bereits jetzt flächendeckend mit Kurzarbeit auf. Andererseits können wir auf Dauer einige, zum Teil sehr innovative Produkte, nicht mehr erfolgreich am Markt positionieren. In diesen Bereichen müssen wir die Struktur von Hoerbiger an die mittel- bis langfristigen Perspektiven unserer Märkte anpassen.“ Daraus folgt, dass sich der Konzern umstrukturieren wird, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Weltweit arbeiten für Hoerbiger 6400 Menschen. Im Landkreis zählt der Konzern 2000 Beschäftigte. Je nach Werk müssen zwischen 13 bis 20 Prozent von ihnen gehen. Besonders hart trifft es das Werk in Penzberg (wir berichteten). Hier wird sogar jeder dritte Arbeitsplatz gestrichen. In Zahlen: Die bisherige Belegschaft reduziert sich von 150 auf dann 100. Greifen werden die Maßnahmen ab dem Herbst. „Ich denke, dass wir zu einer vernünftigen Lösung kommen werden, aber es ist klar, dass die Leute nicht begeistert sind. Es nutzt aber nichts, die Dinge schön zu reden“, sagte Gerhard Wagner, Leiter des Zentralbereichs Personal. In den nächsten Wochen werden mit dem Betriebsrat intensive Gespräche geführt werden und anschließend steht fest, wer gehen muss und wer bleiben darf. „Es muss an dieser Stelle Klartext geredet werden“, bekräftigte Wagner. Mit den Maßnahmen, die die Unternehmensleitung und die Belegschaftsvertreter in den nächsten Wochen im Detail erörtern werden, verfolgt „Hoerbiger“ das Ziel, trotz eines in Zukunft deutlich niedrigerem Umsatzniveaus schwarze Zahlen zu schreiben. Noch gibt es keine Alternative zu den bevor- stehenden Maßnahmen. Allerdings stehe fest, so bekräftigte die „Hoerbiger“-Führung, dass der Standort Schongau derzeit nicht zur Disposition steht.

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