Wunschkandidat unterschreibt und springt ab

Kein Marktbaumeister in Sicht

+
Wer wird Marktbaumeister in Peiting? Diese Frage wird so schnell nicht beantwortet werden.

Peiting – Wer wird neuer Marktbaumeister in Peiting? Die Antwort: so schnell niemand. Weil die Gemeinde auch nach der zweiten Bewerbungsrunde mit leeren Händen da steht, bleibt die Stelle vorerst vakant.

Dabei schien der Nachfolger für den langjährigen Leiter des Bauamtes, Jochen Rohrmoser, bereits gefunden. Er hatte den Arbeitsvertrag schon unterschrieben, stellte sich hinter verschlossenen Türen den Marktgemeinderäten vor. Doch zwei Stunden nach der Sitzung teilte der designierte neue Chef des Marktbauamts der Gemeinde mit, dass er von dem Vertrag wieder zurücktritt.

Damit wird die Suche nach einem neuen Marktbaumeister allmählich zu einer unendlichen Geschichte. Nach Rohrmosers Abschied Ende vergangenen Jahres, hat es inzwischen bereits zwei erfolglose Durchgänge im Auswahlverfahren gegeben.

In der ersten Runde waren Ende 2016 von 20 Interessenten für diese Stelle sechs zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden. Just bei einem kritischen Hinterfragen in einer Sitzung des Marktgemeinderates stellte sich heraus, dass der Bewerber, der schließlich vorgeschlagen wurde, bestimmte Dinge zu seinem bisherigen beruflichen Wirken „nicht mitgeteilt hatte“, wie es Bürgermeister Michael Asam im Nachhinein formuliert. Das war der Grund dafür, dass er nicht genommen wurde.

Dann folgte eine zweite Ausschreibung. Wiederum gab es ein Auswahlverfahren, wiederum wurde ein finaler Bewerber gefunden. Nach Informationen des Kreisboten handelte es sich um einen Verwaltungsmitarbeiter aus dem Ammertal. Er hat den Anstellungsvertrag als Leiter des Marktbauamtes – die Stelle wird wie A 12 in der Beamtenbesoldung vergütet – bereits unterschrieben.

Im Gegensatz zum finalen Bewerber aus Runde eins hätten die Gemeinderäte diesen Bewerber gerne als neuen Marktbaumeister gehabt. Doch noch am Abend, nachdem er sich im Rat vorgestellt hatte, schickte er eine Mail ans Rathaus mit der Nachricht, dass er es sich doch anders überlegt habe und die Aufgabe nicht antreten werde.

Bürgermeister Michael Asam bezeichnete den finalen Bewerber aus Runde zwei als „fachlich versiert“. Aber die Absage habe wohl damit zu tun, dass die Stelle des Marktbauamtsleiters durchaus belastend sei und Termine nach der Dienstzeit mit sich bringe. Das Bedürfnis nach geregelter Freizeit sei wohl vorrangig gewesen.

Suche wird vorerst eingestellt

Im Gespräch mit dem Kreisboten erklärt Asam, dass in den nächsten Monaten keine weitere Bewerbungsrunde folgen werde. Frühestens könne man im Sommer oder Herbst wieder eine weitere Ausschreibung starten. Die Stelle des Bauamtsleiters bleibt also vakant. Stellvertretender Leiter des Bauamtes mit acht Mitarbeitern ist Gerhard Habersetzer, er verantwortet den Bereich Tiefbau. Nach Asams Worten will man in Peiting durch vermehrte Vergabe von Aufträgen die Vakanz so gut wie möglich überbrücken. Dabei nennt er den Namen von Wolfgang Hesselberger. Der Architekt aus Berg am Starnberger See hat bereits mit Rohrmoser bei Projekten wie dem geplanten Wohngebiet auf der Basiliwiese eng zusammengearbeitet.

„Versierter Mann“

„Sehr bedauert“ hat Vize-Bürgermeister Franz Seidel die Absage. „Das war ein versierter Mann aus der öffentlichen Verwaltung, das hätt’ gepasst“, kommentiert der Zweite Bürgermeister. Aber den Mitarbeitern in der Verwaltung und den Gemeinderäten bleibe nichts anderes, als den Rückzug zu akzeptieren.

Peiting kein Einzelfall

Seidel argumentiert, dass die mühsame Suche für leitende Aufgaben in der Verwaltung kein Peitinger Phänomen sei. Es sei für den öffentlichen Dienst zurzeit schwierig, „gute Leute zu kriegen – speziell im technischen Bereich“. Das habe mit der guten Konjunktur und mit dem Boom im Baubereich zu tun, könne sich aber bei einer Abschwächung der Auftragslage wieder ändern.

Der bisherige Marktbaumeister Jochen Rohrmoser hat sich, wie es Seidel formuliert, „brutal neig’hängt und alles gegeben.“ Der Kandidat, der schon den Vertrag unterschrieben, aber dann wieder einen Rückzieher gemacht hat, habe wohl erst spät erkannt, welch verantwortungsvolle und zeitaufwändige Aufgabe auf ihn zukomme.

Johannes Jais

Auch interessant

Meistgelesen

Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem
Das Wichtigste ist ein Stuhl
Das Wichtigste ist ein Stuhl
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
"Wildschweinbestände drastisch reduzieren"
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis
Neuer Förderverein unterstützt Krankenhäuser im Landkreis

Kommentare