»Fühlen uns im Stich gelassen«

Keine Gäste, kein Geld: Schongauer Märchenwald kämpft ums Überleben

Glücklichere Tagen: Lokführer Florian Hallmann fährt das Personal eine Runde mit der Eisenbahn. Hinter ihm Oma Gretl, die mit ihrem Mann Hans vor über 50 Jahren den Schongauer Märchenwald aufgebaut hat.
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Glücklichere Tagen: Lokführer Florian Hallmann fährt das Personal eine Runde mit der Eisenbahn. Hinter ihm Oma Gretl, die mit ihrem Mann Hans vor über 50 Jahren den Schongauer Märchenwald aufgebaut hat.

Schongau – Die Enttäuschung steht Florian Hallmann ins Gesicht geschrieben. Auch seine Schwester Franziska hat ihre sonst so freundliche Ausstrahlung verloren. Die Geschwister, die seit dem Tod ihrer Mutter zu gleichen Teilen den beliebten Schongauer Märchenpark als Geschäftsführer leiten, fühlen sich im Stich gelassen. Seit Monaten dürfen sie keine Besucher mehr einlassen. Mitarbeiter haben gekündigt, die Lage ist kritisch. 

„Eigentlich war für den 16. März Saisonbeginn geplant gewesen“, erklärt Florian Hallmann. Das Hygienekonzept stand. Doch das große Problem: „Wir sind ganz offiziell beim Gewerbemeldeamt als Gaststätte und Tierpark eingetragen“, erklärt Florian. Aber da zieht das Landratsamt nicht mit. Es stuft den Schongauer Märchenwald als Freizeitpark ein.

Der Grund sei die kleine Eisenbahn, daneben das Angebot des Ponyreitens und die vier kleinen Autoscooter, erklärt Florian Hallmann. Diese Fahrgeschäfte lassen eine Öffnung nicht zu, obwohl auch dort alle möglichen Hygienemaßnahmen getroffen wurden. Vergleicht man diese mit denen, die am Wochenende in Bau- und anderen Märkten getroffen wurden, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln.

„Wir hatten uns auf Ostern und die Osterferien eingestellt, um wenigstens einen kleinen Teil unserer laufenden Ausgaben wieder hereinzubekommen, leider Fehlanzeige“, beschreibt es Franziska Hallmann. Planung sei so nicht möglich, die Aussichten sind nicht gut. Verständlich, dass langjährige Mitarbeiter jetzt gekündigt haben.

Bratwurst à la Schilda

Ein weiteres Beispiel von Florian Hallmann zeigt, wie verworren die Lage ist. „Wir könnten in unserer ‚Hexenküche‘, der Grillstation neben dem Spielplatz, also nicht in den Innenräumen, eine ‚Bratwurst to go‘ anbieten.“ Die Besucher müssten dann aber mit dieser den Märchenwald verlassen und sie auf Höhe der Dießener Straße verzehren. Erst danach dürften die Besucher wieder zurückkommen. Auf der anderen Seite aber würde von der Behörde gestattet werden, dass ein Fremdbetreiber mit seinem mobilen Imbissstand kommt, um dann dort seine „Bratwurst to go“ anzubieten. Diese dürfte dann auf dem Gelände des Märchenwaldes verzehrt werden. Kommentar überflüssig.

Bedrohliche Lage

Trotz allen Hindernissen, die dem Geschwisterpaar in den Weg gelegt werden, haben Franziska und Florian Hallmann die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Wir hoffen auf Pfingsten, ansonsten schaut es düster für den Schongauer Märchenwald aus.“

Hans-Helmut Herold

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