Jetzt folgt eine Petition

Bernbeuren kämpft weiter

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97 Prozent der Bernbeurer wollen den Abriss des Schnitzer-Stadels. Im Oktober fand sogar eine Demonstration statt.

Bernbeuren – Die Entscheidung ist gefallen. Weil das Landrats­amt den Abriss des denkmalgeschützten Schnitzer-Stadels im Herzen Bernbeurens wohl untersagen wird, bereiten Gemeinde, Grundstückseigentümer und Investorseite eine Petition vor. Ihr Ansinnen: die Ansiedlung eines neu zu bauenden Feneberg-Verbrauchermarkts auf dem alten Anwesen. Die Zeichen stehen auf Konflikt, auch Bürgermeister Martin Hinterbrandner legt auf der Gemeinde-Homepage in Richtung Landrats­amt nach.

„Es verstreicht wertvolle Zeit, wir wollen endlich mal in die Gänge kommen“, fasst Roman Lerchenmüller, Sohn von Investor Richard, zusammen. „Wir“, das sind neben den Lerchenmüllers Grundstückseigentümer Ignaz Keck und stellvertretend für seinen Ort Bürgermeister Hinterbrandner. Doch erst einmal wird Geduld gefragt bleiben. Eine schnelle Einigung mit dem Landratsamt, das sich auf Basis der Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege gegen einen Abriss des alten Gebäudes verschließt, scheint fern.

Anfang November hatten sich die Beteiligten zum Ortstermin getroffen. „Das Landratsamt besteht darauf, dass der Stadel bestehen bleibt“, fasste Keck danach zusammen. Der Vorschlag zur Güte, der laut ihm keiner sei: Das Entkernen des bestehenden Gebäudes. „Das kommt für mich nicht infrage“, fasst der Grundstückseigentümer den Standpunkt seiner Seite zusammen. „Für einen Verbrauchermarkt brauchen wir einen großzügigen Parkplatz und eine sinnvolle Verkaufsfläche.“ Vor allem ersteres sei ausgeschlossen, bliebe der Stadel stehen. Außerdem käme diese vermeintliche Lösung deutlich teurer. „Und für Feneberg ist sie ein No-Go“, ergänzt Roman Lerchenmüller.

Weil der Ortstermin die Fronten weiter verhärtete, ersuchte das Landratsamt die übergeordnete Regierung von Oberbayern um eine Stellungnahme. Deren Inhalt: Lerchenmüllers und Keck mögen mittels Wirtschaftlichkeitsberechnung nachweisen, dass ein Verbrauchermarkt im Bestand nicht rentabel sei. Doch in Auftrag geben werden die Verbrauchermarkt-Befürworter diese nicht.

"Im Kreis"

„Wir wollen natürlich alle Möglichkeiten ausschöpfen“, sagt Roman Lerchenmüller. Doch neben den hohen Kosten – geschätzt 25 bis 30.000 Euro – spreche die Sinnhaftigkeit gegen ein solches Gutachten. „Schon der gesunde Menschenverstand sagt doch, dass ein solcher Markt im Stadel nicht erfolgreich sein kann.“ Viel mehr befürchte er, dass weitere wertvolle Zeit verstreiche. „Wir haben eine ähnliche Rechnung schon vor zwei Jahren vorgelegt.“ Kurz: „Wir drehen uns massiv im Kreis.“ Das Landratsamt wolle solange auf Zeit spielen, bis Feneberg entnervt abspringt, vermutet der Bernbeurer. Dafür spreche auch, dass genannter Brief der Regierung das Landratsamt schon am 27. November erreichte, aber erst rund vier Wochen später nach Bernbeuren weiter geleitet wurde.

Landrätin Andrea Jochner-Weiß, bei der er „Rückgrat“ vermisse, solle endlich verbindlich Stellung beziehen, wünscht sich Roman Lerchenmüller. „Der Mut, eine strittige Entscheidung zu treffen, ist nicht da“, fasst er seine persönliche Meinung zusammen. „Sie empfiehlt ein Ratsbegehren, ignoriert dann aber, was dabei rauskommt.“ Zur Erinnerung: Anfang Juli hatten 97 Prozent der Bürger eine Feneberg-Abstimmung samt Stadel-Abriss befürwortet.

Für Keck ist dieses klare Votum ein weiterer wichtiger Grund, nicht auf eine andere Nutzung des Gebäudes umzuschwenken. „Außerdem gibt der Bebauungsplan gar keine Wohnbebauung her.“ Für die ebenfalls auf dem Grundstück liegende, derzeit verwaiste, alte Gastwirtschaft wäre eine unmittelbar angrenzende Wohnnutzung ferner der Todesstoß. Auch andere Möglichkeiten, beispielsweise als Veranstaltungsort oder Werkstatt, schieden aus. „Das haben wir alles schon vor zwei Jahren ausgeschlossen“, ärgert sich Roman Lerchenmüller. „Zumal das alles ja das Versorgungsproblem in Bernbeuren nicht löst.“

Ohne vorliegende Wirtschaftlichkeitsberechnung dürfte das Landratsamt den Abriss wohl schnell versagen, doch Gemeinde, Keck und Lerchenmüllers geben nicht auf. „Es wird auf eine Petition rauslaufen“, so Keck. Entsprechende Vorbereitungen liefen bereits. Auch Bürgermeister Hinterbrandner schwört darauf ein, dass das zähe Ringen noch lange dauern könnte. „Wir kämpfen weiter“, lautet die Überschrift einer langen Mitteilung, die sich derzeit auf der Gemeinde-Homepage findet.

Rasso Schorer

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