Erdbaufirma legt ein zweites Biotop an

Kiesgrube im Süden Peitings: Noch nicht aus dem Schneider

Auf der wieder verfüllten Kiesgrube. Vorne eine der Schürfgruben, wo erneut Material beprobt wurde. Hinten Gasthof und Ökonomie beim Lamprecht an der B 17.
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Auf der wieder verfüllten Kiesgrube. Vorne eine der Schürfgruben, wo erneut Material beprobt wurde. Hinten Gasthof und Ökonomie beim Lamprecht an der B 17.

Peiting – Bei der rekultivierten Kiesgrube beim Lamprecht im Süden Peitings ist – als letzte Maßnahme – zusätzlich zur ersten Ausgleichsfläche noch ein zweites Biotop anzulegen. Dies soll heuer geschehen. Die Erdbaufirma ist sozusagen noch nicht ganz aus dem Schneider, wenngleich die Verfüllung bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen worden ist. 

Mit den Ausgleichsmaßnahmen für die ehemalige Kiesgrube war – das ist im Abgrabungsrecht so vorgesehen – die zuständige Gemeinde befasst. Der Corona-Ausschuss hat die Ausgleichsmaßnahmen auf der Südseite des Geländes befürwortet.

Es gab eine Gegenstimme. Die kam von Landwirt Andreas Barnsteiner (BVP). Er stellte die Frage: „Wo waren die Fachbehörden, als die Kiesgrube aufgefüllt wurde?“ Viele tausend Kubikmeter Material seien dorthin gefahren worden. Das Gelände liegt in der äußersten Zone des Peitinger Wasserschutzgebietes, gab Barnsteiner zu bedenken.

Die Fachbehörden seien schon da gewesen, entgegnete Bürgermeister Peter Ostenrieder. Im Übrigen sei das Thema schon mal ausführlich im Gemeinderat behandelt worden. Dick aufgetragen im Vokabular hat Gemeinderat Norbert Merk (CSU). Es sei im höchsten Maße ärgerlich, wenn eine Firma auf diese Weise den Gewinn maximiere und „mit dieser Masche“, dass zu viel aufgefüllt werde, auch noch durchkomme.

Vor bald vier Jahren hatte Georg Kees, Chef der Firma Erdbau Schneider, auf Einladung des früheren Bürgermeisters Michael Asam im Peitinger Marktgemeinderat Rede und Antwort gestanden. Damals waren die intensiven Erdbewegungen und viele hundert Lkw-Fahrten im Gremium thematisiert worden.

»Nicht zu dick auftragen«

Den Vorwurf, dass bei der Verfüllung zu dick aufgetragen wurde und die ehemalige Kiesgrube nach der Rekultivierung im Gelände zu hoch geraten sei, hält Geschäftsführer Kees von Erdbau Schneider für nicht berechtigt. Da sei alles mit rechten Dingen zugegangen, erklärt er diese Woche auf Nachfrage der Redaktion.

Entschieden weist er gegenüber dem Kreisboten auch Gerüchte zurück, wonach der Betrieb aufgrund zu viel eingebrachten Materials vom Landratsamt Weilheim-Schongau gar eine Geldstrafe bekommen habe. Zuständig in der Behörde sind die Mitarbeiter im Sachgebiet Technischer Umweltschutz. Mit ihnen seien die ganzen Maßnahmen abgeklärt worden, fügt der Firmenchef hinzu.

Wie viel Material in die Kiesgrube eingebracht wurde, die den zwei Grundstückseigentümern Hetterich und Holl gehört? Dazu nennt Kees aktuell keine Zahl. Im Jahr 2017 hieß es, dass nahezu 100.000 Kubikmeter dorthin gefahren werden.

Vom Bau der Umfahrung

Das Material stammt vom Bau der Ortsumfahrung Hohenpeißenberg. Kees war es wichtig, dass der ausgehobene Kies relativ nah und ohne große Lkw-Fahrten durch Ortschaften befördert und abgeladen wurde. Die Entfernung betrug zirka zehn Kilometer. Einzig die Ortschaft Kurzenried, wo die B 17 durchführt, liegt an der Strecke. Das sei auch mit Blick auf Umwelt und Feinstaubemissionen der Lkw eine vernünftige Sache gewesen, wenn man betrachtet, dass heutzutage unbelasteter Boden teilweise bis zu 70 Kilometer bis zum Platz einer finalen Lagerung gebracht werde, vergleicht Georg Kees.

Dass nun eine zweite Ausgleichsfläche erforderlich sei, hat nach den Worten von Kees damit zu tun, dass bei der Verfüllung auch zwei Abschnitte gebildet worden seien. Die Firma komme somit dem „Verfüllrecht mit Rekultivierungsverpflichtungen“ nach. Zuvor sei Zug um Zug auf der zirka zwei Hektar großen ehemaligen Kiesgrube die Rotlage und obendrauf der Humus aufgebracht worden.

Im Übrigen weist der Geschäftsführer des Erdbau-Betriebes Schneider noch darauf hin, dass in der Kiesgrube beim Lamprecht, die früher von der Firma Dobler (Kaufbeuren) ausgebeutet wurde, 1999 beim Pfingsthochwasser sogar Schmutzfraktionen in die Sohle gelangt wären. Darum habe es damals ein Umdenken gegeben; eine Verfüllung sei auch deswegen angestrebt worden.

Auch seien Kies und Boden erneut kontrolliert worden. Auf dem Baufeld befinden sich neun Schürfgruben, wo bis in sieben Meter Tiefe das Material beprobt worden sei, schließt Georg Kees.

Johannes Jais

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