Klare Mehrheit gegen Vorkaufsrecht

Gemeinde Peiting lässt Finger vom M 32

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Kein Vorkaufsrecht für die Marktgemeinde: Das Gebäude der Kultkneipe M32 wird vermutlich abgerissen werden.

Peiting – Trotz der Aufforderung einiger Bürger, Grundstück und Gebäude zu erwerben, in dem die legendäre Musik­kneipe M 32 drin war, bleibt es dabei: Die Gemeinde Peiting lässt die Finger von dieser Immobilie an der Münchner Straße. Der Gemeinderat hat – bei einer Gegenstimme von Thomas Elste – eine Vorkaufssatzung abgelehnt.

Am gleichen Abend, als beim Gasthof Neuwirt zunächst die Räte darüber berieten und anschließend die Bürgerversammlung abgehalten wurde, traf sich in Peiting eine Gruppe von 15 Personen, die sich für den Erhalt des Gebäudes aussprach. Die Entscheidung, die im zehn Kilometer entfernten Birkland getroffen wurde, nahm man in diesem Kreis mit Bedauern auf.

Viel Zeit, sich für den Erhalt einzusetzen, bleibt nicht mehr. Günter Franz aus Peiting hatte öffentlich dazu aufgerufen, eine Initiative „Rettet das M 32“ zu gründen. Am Mittwoch sagte er im Gespräch mit dem Kreisboten, man wolle eine Unterschriftensammlung starten. An dem Abend habe man auch Ideen zusammengetragen, wie aus dem alten Haus mit der ehemaligen Kult-Kneipe was Attraktives gemacht werden könne. Es würden „viele Erinnerungen“ am M 32 hängen, wenngleich das Gebäude mittlerweile ein wenig heruntergekommen sei.

Ende April wurde im Bau- und Umweltausschuss eine Bauvoranfrage zu der Immobilie befürwortet (wir berichteten). Demnach will der jetzige Eigentümer das Gebäude abreißen. Über einen Wohnbauträger sollen auf demselben Gelände im Eck zwischen Münchner Straße und Mühlenweg zwei Komplexe mit insgesamt acht Wohnungen und einer Tiefgarage im Untergeschoss errichtet werden. Mit dem Beschluss auf der Sitzung in Birkland (Nein zu einer Vorkaufssatzung) hat der Gemeinderat das Votum im Ausschuss gleichsam bekräftigt.

Zur Historie des Hauses

Das Gebäude ist aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zunächst war dort ein Holzhändler. 1923 folgten eine Holzstabgewebe-Fertigung und eine Mattenfabrik. Nach deren Konkurs erwarb die Gemeinde die Immobilie, wie Orts­chronist Gerhard Heiß im Gemeinderat schilderte. Während des Zweiten Weltkrieges war dort das Heim der Hitlerjugend untergebracht. Nach 1945 diente es als Flüchtlingslager.

1949 erfolgte ein Neubau mit dem ungewöhnlichen Ansatz eines Walmdaches. In den Fünfzigerjahren legte die Familie Staude dort den Grundstein für die Firma Eulit. Von 1986 bis 2016 war ein Peitinger der Eigentümer, ehe das Gebäude mit dem Grundstück an eine tschechische Familie verkauft wurde. Die will es jetzt wiederum an einen Immobilienkaufmann veräußern.

Mit 22 zu einer Stimme entschied der Gemeinderat, auf das Instrument der Vorkaufssatzung zu verzichten. Einzig Thomas Elste (Grüne) sah das anders als die große Mehrheit im Gremium. Für ihn stehe nicht die Historie mit der Musikkneipe M 32 im Vordergrund. Aber das Gebäude habe Charme, gehöre zur Ortschaft dazu, liege verkehrsgünstig am Bahnhalt Peiting-Nord. Er denke an eine kulturelle Nutzung, evtl. mit einem kleinen Konzertsaal. Schon das Grundstück in dieser Lage rechtfertige die Kosten.

Bürgermeister Michael Asam führte aus, dass zuletzt von einem Kaufpreis von 800.000 Euro die Rede gewesen sei, nachdem zunächst Beträge von über einer Million Euro genannt worden wären. Eine Renovierung der maroden Substanz koste mit Sicherheit eine Million Euro. Marktbaumeister Fabian Kreitl sagte dazu, der Dachstuhl und auch die Wohnräume seien in einem schlechten Zustand. Asam war dagegen, dass sich die Gemeinde in das private Kaufgeschäft einmischt.

Zweiter Bürgermeister Franz Seidel (Bürgervereinigung) äußerte sich so: Er erkenne keinen Grund, der „zum Einsteigen Anlass gibt“. Das öffentliche Interesse von Geschichte, Architektur oder Gemeinbedarf sei nicht gegeben.

In einer emotionalen Debatte kam es noch zu vielen Wortmeldungen. Hermann Mödl (Bürgervereinigung) war „als Handwerker drinnen“. Das Haus sei als „reiner Abriss“ zu deklarieren. Michael Deibler (CSU) fand es besser, das Thema „flach zu halten“ und auf dem Boden zu bleiben. Herwig Skalitza (CSU) bekundete, dass sich der Ort und sein Erscheinungsbild ändern. „Die Gebäude werden alt“ und müssten oft neuen weichen.

Wie andere Redner betonte auch Alex Zila (SPD), dass eine Kneipe und die von einigen vielfach überlegte Unterbringung des Jugendzentrums unter einem Dach „gar ned funktionieren“. Wenn aber ein Unterstützerkreis bzw. ein Förderverein das Gebäude herrichten wolle, könne er nur sagen: „Super, macht’s das“.

Peter Ostenrieder (CSU) kommentierte, er ist seit bald 24 Jahre im Gemeinderat. Aber solchen Umtrieb einer Privatperson wie in diesem Fall „des Herrn Franz“ habe er noch nie erlebt. Schon im Bauausschuss Ende April hätten viele Besucher die Entscheidung mitverfolgt. Wenn sie den Abriss als großen Verlust empfunden hätten, dann „wäre damals schon ein großes Raunen durch den Saal gegangen“. Das Gebäude mit dem M 32 sei „eine alte Burg“. Außerdem hätten die Räte klar gesagt, dass sie ein neues Jugendzentrum nahe der Schloßberghalle errichten wollen.

jj

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