Schongauer Gymnasiasten stellen Facharbeiten vor

Christliche Klosterkultur

+
Neben den Arbeiten von Valentin Schedel und Bernhard Brünesholz sowie Svenja Schmid gab es zwei Modelle der Klöster Andechs und Steingaden zu sehen, die Kommilitonen der Schüler gefertigt hatten.

Schongau – Montecassino dürfte vielen Geschichtsinteressierten vor allem durch die Schlachten im Zweiten Weltkrieg bekannt sein. Dass hier auch die Wiege der christlichen Klosterkultur stand, das hat ein Schongauer Gymna­siast herausgefunden. 

Gemeinsam mit zwei weiteren Schülern durfte er jetzt seine Geschichtsseminararbeit vorstellen. In der Kollegstufe hießen sie Facharbeiten. Daraus ist im G8 die Seminararbeit geworden, bei der die Schüler zeigen sollen, ob sie wissenschaftlichanalytisch arbeiten können. Im vergangenen Jahr wurden erstmals die so genannten W-Seminararbeiten des Fachbereiches Geschichte am Welfengymnasium Schongau, zusammen mit dem Historischen Verein Schongau, vorgestellt. Auch heuer konnte Wilhelm Funke als Geschichtsfachbetreuer den Nachwuchs bei seiner Arbeit begleiten. Dabei ging es um Antisemitismus in Europa und die Klosterkultur. So konnte Heide Krauthauf als Vorsitzende des Historischen Vereins drei Vorträge ankündigen, die sich mit diesen Themen beschäftigt hatten. Zum einen den von Valentin Schedel, der sich mit dem Leben von Theodor Herzl befasst hatte und zu der Schlussfolgerung kam, dass Herzl der wichtigster Zionist seiner Zeit gewesen war. Herzl lebte im frühen 19. Jahrhundert, unter anderem schrieb der Gründer der Wochenzeitung „Die Welt“ das Buch „Der Judenstaat“ und bereitete damit den Weg für das moderne Israel.

Nicht weniger interessant waren die Themen, die Bernhard Brünesholz und Svenja Schmid ausgesucht und an dem Abend vorgestellt hatten. Brünesholz hatte sich mit dem Schicksal der Abtei Montecassino im Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Die Abtei, die südöstlich Roms liegt, wurde vor fast 1500 Jahren von Benedikt von Nursia gegründet, von hier ausgehend wurden weitere Benediktiner­klöster gegründet. Der Ort galt als geistiges Zentrum des Mittelalters. Umso tragischer ihr Schicksal in den Jahren 1943 bis 1945, als das Bauwerk mehrfach Ziel schwerer Bombenangriffe der alliierten Kriegsmächte war und fast bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Nur einer glücklichen Fügung ist es zu verdanken, dass die Baupläne gerettet werden konnten und noch im März 1945 mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Brünesholz hatte sich durch Erzählungen seines Großvaters für die Geschichte interessiert und war dazu sogar nach Mittelitalien gereist, um das Kloster zu besuchen und seine Eindrücke in die Seminararbeit mit einfließen zu lassen.

„Die Geschichte der Wieskirche unter besonderer Betrachtung der wirtschaftlichen Bedingungen während der Bauphase“, hieß die dritte Arbeit des Abends, die Svenja Schmid vorstellte. Die Schülerin hatte herausgefunden, dass Kostensteigerungen wie jüngst in Limburg gar nicht so selten sind. Ihren Berechnungen zufolge kostete der Bau der Wallfahrtskirche, die heute UNESCO-Welterbe ist, etwa sieben Mal mehr als der damalige Bauherr, der Abt Hyazinth Gassner, berechnet hatte. Dieser war von 30 000 Gulden ausgegangen, letztlich habe der Bau aber um die 200 000 Gulden gekostet, so Schmid. Dabei hatte die Schülerin alle Kosten wie Löhne, Baumaterialien und andere Nebenkosten versucht zu kalkulieren oder nach den vorhandenen Aufzeichnungen geschätzt. 

Man habe damals praktiziert, so Schmid in ihrem Resumée, nicht studiert und sei deshalb zu dieser Fehlkalkulation gekommen. Im Übrigen gehen die Kosten, die die Kirche verursacht, weiter, wurden doch erst in den 90er Jahren mehrere Millionen Euro in die Restaurierung gesteckt.

Von Oliver Sommer

Auch interessant

Meistgelesen

Erst 2020 barrierefrei
Erst 2020 barrierefrei
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Schnittpunkt zwischen Gleis und Straße
Digitale Ergänzung kommt an
Digitale Ergänzung kommt an
Das Pizzakarton-Problem
Das Pizzakarton-Problem

Kommentare