»Festival der Böbinger«

BOA 2018: Ein ganzes Dorf feiert mit

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Gemeinsam feierten Alt und Jung zwei Tage lang beim Böbing Open Air. Der Höhepunkt war für viele der Auftritt von „Russkaja“ am Samstagabend.

Böbing – Perfektes Festivalwetter, begeisterte Gäste, zufriedene Bands und ein ganzes Dorf, das hinter der Veranstaltung steht: Die Organisatoren des Böbing Open Airs könnten kaum zufriedener sein. Nur knapp schrammten sie an einem Besucherrekord vorbei.

Am Freitag kamen rund 1.100 Menschen, am Samstag waren es sogar 1.500. „Genau so, wie wir es uns gewünscht haben“, sagt Mitorganisator Tobi Braun. Zwar seien etwas weniger Gäste als im Jubiläumsjahr 2016 gekommen, mehr jedoch als im letzten Jahr. Daher seien er und alle anderen Verantwortlichen zufrieden.

Noch vor Beginn des Festivals sei die Lage etwas angespannt gewesen, gesteht Braun: „Der Wetterbericht machte uns nervös.“ Als am Freitag dann aber die Sonne schien, waren die Sorgen schnell vergessen. Dafür sorgten auch die Bands. „Die Stimmung war von Anfang an der Hammer! Alle Bands haben Vollgas gegeben und souverän tolle Shows abgeliefert“, sagt Braun. Ob Newcomer wie „Under Attic“, die Quetschn­rocker „Da Rocka und da Waitler“ oder Böbing-Routiniers wie die selbst ernannten Fitnessmetaler von „Knopf“ – das Publikum belohnte alle Musiker mit tosendem Applaus und Rufen nach Zugaben.

Die mussten meist jedoch spärlich ausfallen, denn der Zeitplan war eng gesteckt. Der tatsächliche Ablauf musste reibungslos in den Stundenplan passen. „Wenn jede Band nur fünf Minuten länger braucht, summiert sich das am Ende“, erklärt Braun. Gerade für die Headliner, die am Ende des Abends dran sind, ergebe das eine zu große Verzögerung. Daher existiert in Böbing seit Jahren ein geschicktes Konzept: Auf zwei sich gegenüberliegenden Bühnen wechseln sich die Gruppen ab. Da Umbau und Soundcheck so parallel zu laufenden Konzerten stattfinden konnten, müssen die Gäste keine langen Wartezeiten zwischen den Bands überbrücken.

Der Samstag begann mit einem Novum: Erstmals wurde ein klassischer Frühschoppen für das Festival organisiert. Der wurde äußerst gut angenommen. Nicht nur die Festivalgänger kamen, sondern auch Neugierige, die sich das Event unverbindlich anschauen wollten – am Vormittag war der Eintritt noch kostenlos – und es sich zu den Klängen der Böbinger Blaskapelle gemütlich machten. Dieses Angebot nutzten so viele, dass sogar eine neue Lieferung an Würsten und Weißbier nötig war.

Erst Weißbier, dann Rock

Nachmittags wurde es musikalisch dann wieder härter: Rock gab es von den „Fat Strings“ und den „Rough Diamonds“, Metal in verschiedenen Spielarten von „Libation“ und „Void of Animus“. „The Swinging Cotelettes“ sorgten mit viel Humor und energetischem Ska für Stimmung.

Auch die Gäste, die es am Nachmittag noch vorzogen, sich mit einem Getränk irgendwo vor den Bühnen in der Sonne zu entspannen, standen spätestens beim „Orchester Kurzweil“ auf der Tanzfläche. Das war eines der Publikumsmagnete überhaupt und spielte seinen Heimvorteil klar aus. Vom Kleinkind bis zu betagteren Gästen feierten alle gemeinsam.

Die gute Laune des Publikums förderte auch „Turbobier“. Die Wiener kümmerten sich stets darum, dass das Publikum ausreichend trinkt, luden den anwesenden Bürgermeister ein, ihrer BPÖ – der Bierpartei Österreich – beizutreten und äußerten ihre Sympathie für den Ort: „Schee is in Böbing; da kumma wieder.“

Nicht nur die Österreicher fanden Gefallen am Böbing Open Air, auch die Punkrocker von „Noopinion“ waren sichtlich angetan davon, dass sie es „nach dem 20-jährigen Bestehen der Band endlich hierher geschafft haben“, freute sich Frontmann Philippe Lenk. „Wir hatten sie schon länger auf dem Schirm, aber in den letzten Jahren hat es sich zeitlich nie ergeben“, war auch Braun angetan, dass die Garmischer endlich auftraten.

Um 23 Uhr folgte der Höhepunkt für viele Besucher und auch die Organisatoren, wie aus der Ankündigung auf der Bühne deutlich wurde: „Russkaja“ legten los. Die durch die Late-Night-Show Willkommen Österreich bekannt gewordene Formation ist längst ein Dauergast auf großen Festivals. Eine Ehre also, dass sie auch Böbing auf ihren Tourplan untergebracht hatte. Die Sowjetrocker förderten bei Aktionen wie dem Psychotraktor, bei dem das Publikum gemeinsam im Kreis rennen musste, die von ihnen gefeierte „Kollektivgefühlsbewusstseinserweiterung (KGB)“ und machten schnell klar, dass „ihr kein Russisch verstehen müsst, um uns zu verstehen“. Und so war es auch. Mit der Sprache der Musik hatten die Kosmopoliten das Publikum schnell in den Bann gezogen und präsentierten eine virtuose und außergewöhnliche Mischung aus von verschiedenen Kulturen geprägten Ska-, Rock-, und Polkabeats. Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte bis weit nach Mitternacht mit den Beat Bulls weiterfeiern, die dann auch unzählige Zugaben geben durften.

Alle helfen mit

Nachdem die Aufräumarbeiten am Sonntag abgeschlossen waren, konnte Braun seinen Gemütszustand kaum in Worte fassen. „Es war einfach nur cool“, fühlte er sich stellvertretend für alle Organisatoren durch die positive Resonanz von allen Seiten mehrfach bestätigt. Von den Einheimischen ist er begeistert. „Es war ein Festival der Böbinger. So viele haben mitgeholfen und viele weitere ihre Hilfe angeboten. Die Böbinger stehen voll hinter dem Festival und können sich damit identifizieren“, freute sich Braun über den lokalen Rückhalt.

Auch für die Besucher hatte er nur Lob. Alles sei friedlich abgelaufen, die Camper musste er nur einmal bitten, leiser zu sein. „Und sie haben sich sofort da­ran gehalten.“ Ihr Ordnungssinn sei außerdem vorbildlich gewesen: „Ich wollte Mülltüten verteilen, bin sie aber nicht losgeworden, weil alle ihren eigenen Müll in mitgebrachte Tüten gepackt hatten.“

Viele Bands dankten für den freundlichen Empfang und die professionelle Organisation. Damit diese noch besser wird, sind bereits einige Ideen für das nächste Jahr gesammelt worden. Zum Beispiel in Sachen Essens- und Getränkelogistik, denn heuer wurden alle angebotenen Speisen ratzeputz aufgegessen. Bis auf Kleinigkeiten sei dennoch alles wie geplant gelaufen. Auch für die Bands 2019 gibt es bereits einige Ideen und Anfragen, doch damit hält Braun hinter dem Berg: „Noch wird nichts verraten.“ 

Ursula Gallmetzer

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