Die Kochprofis im Lindenhof

Ein Hoffest zur 300. Sendung

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Immer begleitet von der Kamera: die Kochprofis Frank Oehler und Ole Plogstedt.

Steingaden – Es ist die 300. Sendung für Gorden Wüst und sein Team. Doch auch im Testpublikum im Lindenhof wird Jubiläum gefeiert, außerdem sind drei Köche gespannt auf das Werk der Kochprofis. Silvia Hübner schaut immer wieder erwartungsvoll in die Küche und zu ihren Gästen, wie die Ideen der Fernsehköche von RTL II ankommen. Wenn sie ihren Job gut machen, hat der Lindenhof in Steingaden eine Zukunft.

 Genüsslich mümmelt die junge Dame an den frischen Kräutern. Vom Trubel, der nebenan herrscht, lässt sich das Alpakamädchen nicht beeindrucken. In der Küche herrscht hektische Betriebsamkeit, auch wenn man es den Profis nicht ansieht. 

Frank Oehler schnippelt den Kürbis, der in die Suppe kommt, während Ole Plogstedt das Filet vom Weiderind wendet. Immer medienwirksam in Szene gesetzt von Eva Gühne, die mit einem weiteren Kamerateam die Arbeit für die Jubiläumssendung auf „Film“ bannt. Auch Gorden Wüst schaut ab und an in die Küche, dabei muss der Aufnahmeleiter von RTL II noch so vieles vorbereiten für den Abend. 

Seit drei Tagen sind die Kochprofis in Steingaden, geholt hat sie Silvia Hübner, die Besitzerin des Lindenhofes. Vor einem Dreivierteljahr übernahm die Managerin den Landgasthof, weil sie eigentlich einen Stall für ihre Pferde, Ziegen und Alpakas gesucht hatte. Und obwohl sie von der Materie als solcher Ahnung hat, verkalkuliert sich die 51-jährige schlussendlich doch mit dem, was sie aus dem Hof machen will. 

Der Lindenhof, am Ortseingang von Steingaden, an der B17 gelegen, ist vielen als Ausflugsziel bekannt, manch einer hat vielleicht sogar noch die Werbung fürs Bikerschnitzel vor Augen. Doch nach den Umbauarbeiten läuft das Geschäft nicht mehr so richtig an. Was Hübner betreibe, meint Gorden Wüst, sei ein Stall mit Gastronomie. Seit zehn Jahren ist der Aufnahmeleiter für RTL II in Deutschland unterwegs und versucht, Restaurants, Pizzerien und Bars „zu retten“. 

Die Kochprofis in Steingaden – die Bilder

Dem voraus geht der Hilferuf, in diesem Fall von Chefin Silvia Hübner. „Wir wollen systematisch helfen“, erklärt er. Was mit einem Probeessen im Haus beginnt, die drei Köche, diesmal neben Plogstedt und Oehler noch Andreas Schweiger, bestellen das Essen von der Karte, um einen Eindruck von den Fähigkeiten des Koches zu bekommen. Dann wird das Haus und seine Belegschaft durchleuchtet. Und schließlich wird ein Konzept erarbeitet, für die Küche und das drum herum, wie es weitergehen soll. 

So mussten sich Chefin und Küchenchef aussprechen, wie Wüst erzählt, auch habe es noch einige Querelen zu lösen gegeben. Was Küchenchef Wolfgang Kaulen angeht, haben die Profis nicht viel auszusetzen. Die Rindsroulade, die noch immer auf dem Werbeschild angepriesen wird, musste noch einmal gekocht werden, so Wüst, das Fleisch sei nicht gut gewesen im ersten Versuch. 

Und auch die eine oder andere Idee, neue Kniffe, zeigen die Profis dem alten Hasen, der schon seit vielen Jahrzehnten in der Küche steht. Er habe zu wenig Anspruch an sich selbst, findet Romina Schwingshandel. Sie war schon beim ersten Probeessen dabei und nicht begeistert von dem, was damals serviert wurde, zu wenig gewürzt, langweilig, fad, wie sie meint. „Er ist froh, wenn alle Gäste versorgt sind“, ist ihre Einschätzung. Und sei dabei unter anderem zu zaghaft beim Würzen. Das jedenfalls war ihr Resümee nach dem ersten Essen. 

Jetzt bei der Aufzeichnung für die Jubiläumssendung ist alles etwas anders. Es ist kurz vor 18.30 Uhr, 300 rote Luftballone steigen in den Himmel, Gorden Wüst ist rechtzeitig mit dem Aufblasen fertig geworden. Nicht nur weil es die Jubiläumssendung ist, gibt es ein Hoffest auf dem Lindenhof. Dort stehen die Tische und Bänke, dort gibt es für diejenigen, denen Fortuna nicht hold war, Halsgratsteaks und Würstel vom Grill, aus der Hand von Andreas Schweiger. 

Der dritte im Bunde ist für das Hoffest zuständig, während drinnen die Luft brennt. 54 Mal müssen die Kürbissuppe, der gebratene Rücken vom Allgäuer Weiderind mit einer Kümmel-Speck-Jus, den Spätzlen mit einer Brezenschmelze und Meerrettich-Kohlrabi und Omas Apfelküchle mit einer Sauerrahm-Vanilleparfait und Whiskeysahne angerichtet werden, wobei Plogstedt und Oehler mit dem Küchenchef und seinem Team Hand in Hand arbeiten. 

Schließlich gibt es sogar noch je eine Portion fürs Team, die die Teller nach draußen zu den Gästen bringen und darauf achten, dass jeder versorgt ist. Wie Momme Ick, dermit einem Bekannten 400 Kilometer angereist ist, um die Kochprofis bei der Arbeit zu erleben. Es ist sein Geburtstag, erzählt der Fuldaer. Aus Spaß habe er im Internet geschaut, ob die Kochprofis nicht irgendwo zu Gange seien. Nun sitzt er hier und löffelt die Suppe aus, die Plogstedt angerichtet hat. 

Sehr gut, befindet der Koch aus dem Hessischen, der, so will es der Zufall, mit zwei Kochkollegen aus Murnau, an einem Tisch sitzt. Gespannt warten die Vier darauf, was sich die Profis haben einfallen lassen. Regionales, vom Wild, das sei nur konsequent für den Lindenhof, meinen sie. Und Francesco Tropea fügt an, das neue Konzept müsse die Gäste ansprechen. Vielleicht dürfen sie nachher ihre Idole treffen, das weiß Gorden Wüst noch nicht. Aber auch so sei es interessant, was die Profis zauberten, meint Ick. 

Jeder Gang, der hereinkommt, wird von einem Kamerateam begleitet. Immer folgt dann auch die Nachfrage, wie es schmeckt, wobei auch Silvia Hübner sich um ihre Gäste, die nun wirklich aus Nah und Fern gekommen sind, kümmert. Steingaden sei mit das südlichste, wo die Kochprofis bisher waren, erzählt Wüst. Wo es nächste Woche hingeht, weiß er noch nicht. Auch nicht, wann die Sendung nun gezeigt werden wird, das erfährt die Wirtin einen guten Monat vorher. 

Für Silvia Hübner und Wolfgang Kaulen geht die Arbeit jetzt so richtig los. Denn wenn das Konzept der Kochprofis aufgeht, sollten die Gäste nun in Scharen kommen, ob zum Mittagessen, auf einem Ausflug, mit Pferd oder als Übernachtungsgast. 

Oliver Sommer

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