"Wie wir auf Kosten anderer leben"

Kontroverse Thesen beim Streitgespräch zum Herzogsägmühle-Jubiläum

1 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
2 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
3 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
4 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
5 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
6 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
7 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.
8 von 26
Politisches Streitgespräch mit bekannten Gesichtern: Münchens Alt-OB Christian Ude, Imam Benjamin Idriz, mut-Parteivorsitzende Claudia Stamm, Moderator Heribert Prantl, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der frühere Ministerpräsident Günther Beckstein widmeten sich aktuellen Themen.

Herzogsägmühle – „Der eigentliche Skandal ist, wie wir auf Kosten anderer leben.“ Diesen Satz sprach Claudia Stamm beim politischen Streitgespräch in Herzogsägmühle aus, das prominent besetzt war. Die 48-jährige Politikerin, Tochter der früheren Landtagspräsidentin Barbara Stamm, ist Vorsitzende der mut-Partei, die sie 2017 nach ihrem Austritt bei den Grünen gegründet hatte.

Ihre Aussage münzte Stamm auf den ausbeuterischen Lebensstil, der mit eine Ursache der Flüchtlingsthematik sei. Dieses Stichwort hatte Moderator Dr. Heribert Prantl, langjährig leitender Redakteur und jetzt Kolumnist bei der Süddeutschen Zeitung, beim politischen Forum zum Jubiläum 125 Jahre Herzogsägmühle als ersten von vier Themenkomplexen aufgegriffen. Im Weiteren ging es auch um Wohnraum, um den Umgang mit kranken und alten Menschen sowie um Demokratie und Extremismus.

„Welcher Wahnsinn“: Zu drastischem Vokabular griff Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, seit fünf Jahren Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands und seit 2010 Landesbischof von Bayern, mit Blick auf politische Aussagen, wonach flüchtende Menschen im Mittelmeer nicht gerettet werden sollen. Es gehe nicht an, dass man „zur Abschreckung“ Menschen ertrinken lasse.

Auch der frühere bayerische Ministerpräsident und langjährige Innenminister Dr. Günther Beckstein (CSU) meinte beim Streitgespräch: Falls der italienische Innenminister Matteo Salvini in Deutschland so agieren würde, wäre das „ein eindeutiger Fall für den Verfassungsschutz.“

Der frühere Münchner Oberbürgermeister Dr. Christian Ude (SPD) sagte zur Migration, das Dubliner Übereinkommen über die Zuständigkeit von Asylanträgen sei „eine richtige Schweinerei“. Dies sei die Ursache der Misere; es handle sich nämlich um „einen Komplott der starken Staaten gegen die Mittelmeer-Anrainer“.

Thema Wohnraum

Zum Thema Wohnraum bekundete Ude, dies sei „existentiell“ und „elementar“. Doch müsse man sich im Klaren drüber sein, dass nicht jeder da wohnen könne, wo er möchte. Bedauerlich sei das „All-Parteien-Phänomen“, dass in den letzten Jahrzehnten vom Bund viele Wohnungen verscherbelt worden seien. Stamm sagte dazu, auch Kommunen hätten mehr tun können.

Beckstein forderte Vereinfachungen. „Es dauert zu lang, es ist zu teuer“, erklärte er zum Thema Wohnungsbau, das aber regional ganz unterschiedlich zu betrachten sei, wenn man Oberfranken mit Südbayern vergleiche. Landesbischof Bedford-Strohm stellte die Frage: „Welche Mieten verlangen wir als Kirche – auch von den eigenen Mitarbeitern?“ Er machte aber deutlich, dass von der Rechnungsprüfung sofort der Hinweis komme, falls Wohnungen zu niedrigen Preisen angeboten würden.

Thema Alte und Kranke

„Altenheime gehören mitten in die Stadt“. Mit dieser Aussage leitete Moderator Prantl zum dritten Themenkomplex über, nämlich zum Umgang mit kranken und alten Menschen. Die linksliberale Stamm schüttelte den Kopf darüber, dass manche angehenden Pfleger die Ausbildung selbst bezahlen müssen. Wichtig sei es aber auch, beim Verwaltungsaufwand in der Pflege deutlich abzuspecken, fügte die ehemalige Grünen-Politikerin hinzu.

Zum letzten Komplex, der Demokratie und den extremistischen Tendenzen: „Die Angst darf nicht unsere Gedanken bestimmen“. So äußerte sich Dr. Benjamin Idriz, Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, vor den knapp 400 Zuhörern, die beim politischen Streitgespräch die Decker-Halle füllten. In Synagogen und Moscheen sei mittlerweile echte Sorge vorhanden, fügte Idriz hinzu.

Thema Extremismus

Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm appellierte an die Politiker und Verantwortlichen, dass es bei der Menschenwürde mit Hinweis auf die Hautfarbe und Religionsausübung zu keiner Verschiebung kommen dürfe. Demokraten dürften Extremisten nicht Deckung geben oder deren Haltung „salonfähig machen“. Beckstein sagte dazu, dass eine demokratische Partei wie die CSU schon die Aufgabe habe, die demokratische Rechte zu beheimaten, ohne deswegen Extremisten den Hof zu machen. Ude beobachtete mit Sorge, dass sich Rechtsextreme bei Protestbewegungen gerne an die Spitze des Volkes stellen wollen.

Nach der Begrüßung durch Herzogsägmühle-Direktor Wilfried Knorr, der sich über Moderator Prantls Kommentar zu Herzogsägmühle freute („eine geniale Institution, ein großes Kleinod“), lockerte die „Pfälzer Blechkarawane“ das politische Streitgespräch zum Leitwort „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ musikalisch auf.

Die Veranstaltung dauerte mehr als zweieinhalb Stunden. Mag die Veranstaltung mitunter lang­atmig gewirkt haben, so sind sich die Besucher dessen bewusst geworden, dass so ein Forum mit bedeutenden Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft in der Region und darüber hinaus einzigartig bleiben wird. Eine besondere Veranstaltung zu einem einzigartigen Jubiläum: Herzogsägmühle besteht seit 125 Jahren. 

jj

Auch interessant

Meistgelesen

Zukunft der Fuchstalbahn: Beschlüsse in Kreis- und Landtag
Zukunft der Fuchstalbahn: Beschlüsse in Kreis- und Landtag
40. Traditionsritt in der Lechstadt zu Ehren des Heiligen Leonhard
40. Traditionsritt in der Lechstadt zu Ehren des Heiligen Leonhard
Es riecht was faul im Schongauer Westen
Es riecht was faul im Schongauer Westen
Der Apfeldorfer Pflegebedarf der Zukunft
Der Apfeldorfer Pflegebedarf der Zukunft

Kommentare