Konzerte in Corona-Zeiten:

Vier Orgelmatineen in Altenstadt – 400 Besucher

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Nach der letzten Matinee: Musiker Anton Guggemos (links) mit Johannes Jais, dem Vorsitzenden bei den „Basilikafreunden“.

Altenstadt – Knapp 400 Besucher sind zu den vier Orgel­matineen in Altenstadt gekommen. Das große Besucherecho auf diese Kirchenkonzerte bedeutete gerade bei den Corona-Auflagen für die Helfer der Basilikafreunde einen organisatorischen Kraftakt; es ist aber zugleich Lohn für die Mühen. Der Kreisbote befragte den Vorsitzenden des Fördervereins Freunde der romanischen Basilika St. Michael, Johannes Jais, zu seinem Resümee.

Knapp 400 Besucher in den vier Konzerten: Worauf führen Sie das große Interesse zurück?

Jais: „Die Menschen sehnen sich nach Monaten der Entbehrung wieder nach kulturellen Angeboten. Bei uns im Landkreis mussten wegen Corona sowohl die Orgelnacht in Schongau (an Pfingsten) als auch der Orgelsommer in Weilheim abgesagt werden. Auch viele andere Konzerte konnten nicht stattfinden. Aber das große Interesse hat schon auch mit Altenstadt zu tun: mit der romanischen Basilika, mit ihrer Architektur und ihrer Akustik, mit der unvergleichlichen Atmosphäre in dem romanischen Kirchenbau, mit dem stimmigen Klang der Link-Orgel, mit den bedeutenden Kirchenmusikern aus nah und fern, mit dem Programm, mit der Werbung. Und ich glaube, auch mit unserem Verein.“

Wie ist denn das zu verstehen?

Jais: „Schauen Sie: Die Orgelmatineen in Altenstadt gehören zu den wenigen Konzerten, die kein professioneller Kirchenmusiker oder keine Pfarrei organisiert, sondern von einem Förderverein ausgerichtet werden. Wir legen Wert darauf, dass zusätzlich zur ansprechenden Musik in einer einzigartigen Kirche die Besucher vom Grüß Gott bis zum Pfüa Gott auch das Gefühl bekommen, dass man sich um sie kümmert und sie wertschätzt. So manche Kritik, so manches Lob und Dankeschön haben unsere Helfer, die als Ordner oder bei der Hygiene im Einsatz waren, aus Gesprächen nach dem einen oder anderen Konzert mitnehmen können.“

Wie war denn das große Besucherinteresse heuer mit dem beschränkten Platzangebot in Einklang zu bringen?

Jais: „Aufgrund der Abstands- und der Hygieneregeln standen uns genauso wie bei Gottesdiensten in der Basilika 99 Plätze zur Verfügung. Das hat auch damit zu tun, dass in den Seitenschiffen zahlreiche Stühle im Abstand von 1,5 Meter aufgestellt werden können. Wir hatten im ersten Konzert knapp 100 Gäste, im zweiten mit zirka 80 etwas weniger, dafür waren es aber im dritten ebenso wie im letzten Konzert mit Anton Guggemos über 100 Leute.“

Aber die Grenze ist doch bei 100?

Jais: „Die haben wir auch im letzten Konzert eingehalten. Wir hatten Glück, dass einige Besucher bei dem schönen Wetter draußen vor dem Westportal zuhören konnten, wo Stühle im Freien aufgestellt wurden. Beim dritten Konzert mit Kristina Kuzminskaite war das anders; da bekamen einige Interessenten bei bewölktem Wetter keinen Einlass mehr. Eine harte Maßnahme, aber es ging nicht anders.“

Wenn Sie die vier Konzerte vergleichen: Wo sind die Gemeinsamkeiten, wo sind die Unterschiede?

Jais: „Wir vom Förderverein stellen fest, dass die Kirchenmusiker allesamt gern in Altenstadt musizieren, obwohl wir keine hohen Honorare bezahlen können. Allesamt sind die Musiker auch feine Leute ohne Starallüren. Aber jeder weiß seine eigenen Akzente zu setzen. Florence Rousseau aus Rennes (Frankreich) hat in der ersten Matinee ein ruhiges Konzert mit schönen Klangfarben gegeben, Anne Horsch aus München ging im zweiten Konzert impulsiv zu Werke – genauso wie Kristina Kuzminskaite, die Organistin aus Steingaden/Wies, die am dritten Sonntag mächtig in die Tasten langte.“

Und der Schlussakkord mit Anton Guggemos?

Jais: „Anton Guggemos, der am zweiten Augustsonntag das vierte Konzert spielte, hatte ein Programm mit italienischen Werken vorbereitet. Der frühere Wiesorganist versteht es einfach, auch große Werke leicht, heiter und akzentuiert darzubieten. Der Beifall am Schluss war dementsprechend.“

Die Basilikafreunde wählen jedes Mal ein Thema. Heuer war es europäische Orgelmusik. Schon Ideen fürs nächste Jahr?

Jais: „Ja, heuer war es europäische Orgelmusik mit Werken aus Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden, Litauen. Ideen für die Zukunft hab ich schon einige: dass wir zum Beispiel Matineen mit Musikern aus Orten entlang des Lechs einladen. Oder Organisten aus vier Bistümern. Oder mal im Sinne der Ökumene zwei katholische und zwei evangelische Musiker.“

Nach den Matineen ist wahrscheinlich vor den Matineen: Wann steigt der Förderverein in die Planungen für die Konzerte des Jahres 2021 ein?

Jais: „Letztes Jahr geschah das schon im August. Heuer werden wir damit zuwarten – auch wegen der Situation mit Corona. Ich denke, dass nach Neujahr bzw. Dreikönig ein guter Zeitpunkt ist. Wir vom Förderverein haben ja derweil noch andere Aufgaben.“

Die da wären?

Jais: „Dass wir ein Passionskonzert vor Ostern organisieren, wenn das 2021 wieder möglich ist. Oder dass wir Unterstützung bei Maßnahmen in der Basilika leisten. So haben wir in den letzten Jahren unsere finanzielle Unterstützung in vielen Dingen geleistet, sei es bei der Generalüberholung und beim Stimmen der Orgel, bei der Schale fürs Taufbecken, bei der gründlichen Reinigung des Großen Gottes von Altenstadt oder bei der Hebebühne für die große Kirchenreinigung im Juni 2020. Es sollen auch neue Stühle für die Basilika angeschafft werden. Auch da bringt sich unser Förderverein ein.“

Interview: Rasso Schorer

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