Kooperation von UPM und EVA

Wertvoller Brennstoff aus Restmüll 

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Große Zusammenarbeit: für das Projekt Energieversorgung hatte Landrätin Andrea Jochner-Weiß (v. li.) die Umweltinitiative Pfaffenwinkel, hier das Ehepaar Renate und Siegfried Müller, sowie Fritz Raab und Holger Poczka von der EVA GmbH und Thomas Krauthauf von UPM zusammengeholt. In der Hand halten Müller und Raab den heizwertreichen Brennstoff BauhM.

Schongau – Die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft EVA und der Schongauer Papierproduzent UPM haben einen dreimonatigen Großversuch gestartet. Eines der beiden Heizkraftwerke bei UPM wird mit BauhM befeuert, einem innovativen, heizwertreichen Brennstoff, der in Erbenschwang entsteht. Bei einem Pressegespräch im Landratsamt wurde die Zusammenarbeit nun vorgestellt.

Gut 15000 Tonnen Restmüll landen im Landkreis Weilheim-Schongau pro Jahr in der Abfalltonne. Viermal so hoch, rund 60000 Tonnen, ist die Menge vor der Auftrennung in Wertstoff- (Glas, Papier, Plastik etc.) und Bio- sowie Restmüll. Doch wertlos ist auch der Restmüll nicht, für den die EVA zuständig ist. 

Seit zwei Jahren entsteht daraus in Erbenschwang ein spezieller Energieträger, der so genannte Brennstoff aus heizwertreichen Materialien, kurz BauhM. 2013 wurde die Anlage in Erbenschwang in Betrieb genommen, dank derer „wir nun ein großes Projekt vor uns haben“, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die zu dem Pressegespräch geladen hatte. 

Das Projekt ist die Zusammenarbeit zwischen dem Abfallentsorger und dem Papier-produzenten UPM. Der wird für ein Vierteljahr eines der beiden Heizkraftwerke, das das Werk mit Dampf und Strom und die Stadt Schongau mit Fernwärme versorgt, mit dem Energieträger BauhM anstelle von Holz beschicken. Schon 2013 habe man, so Fritz Raab, Geschäftsführer der EVA, Kontakt mit UPM aufgenommen und seinerzeit einen fünftägigen Versuch gefahren. 

Nachdem man BauhM mittlerweile an Abnehmer in Bayern und Baden Württemberg liefere und dort beispielsweise einen anderen Papierproduzenten versorge, sei es naheliegend gewesen, die Kontakte zu UPM zu intensivieren. 

Mit dem neuerlichen, diesmal drei Monate dauernden Versuch, der unter anderem vom TÜV begleitet wird, gehe es darum, belastbare Zahlen und Fakten zu erhalten, so Raab. „Wir wollen sehen, welche Auswirkungen der Brennstoff hat, auf die Luft, auf die Asche. Aber auch auf die Brennkammer.“ Außerdem gehe es um die logistische Seite, etwa die Anlieferung, unterstrich Raab, aber auch die Verwertung des Brennstoffs. 

Nach dem ersten Versuch, der seinerzeit im September 2013 stattfand und bei dem es zu keinen nennenswerten Veränderungen kam, habe man den Dialog gesucht mit weiteren Beteiligten, der Umweltinitiative Pfaffenwinkel, die ebenfalls in den neuerlichen Versuch mit eingebunden wurde, sowie den politisch Verantwortlichen im Landkreis. 

Er erinnere sich „an ein außerordentlich gutes Gespräch mit UPM“, so Raab und „verschiedene, ebenfalls gute Gespräche im Kreistag“. Andererseits habe man seitens der EVA aber auch am Brennstoff weitergearbeitet und etwa die Qualität verbessert, aber auch an den Anforderungen, die UPM wichtig sein könnten, gearbeitet und gehe nun mit Zuversicht in den neuen Versuch. 

Begleitet wird dieser im Übrigen fachlich durch einen Chemiker des BUND im Auftrag der Umweltinitiative. „Der Versuch hat einen großen ökologischen Wert für uns alle“, sagte Raab. Mit dem hohen Heizwert des neuen Brennstoffs habe man das Potenzial, weitere drei bis 4000 Tonnen CO2 einzusparen. Bedeutsam sei weiterhin, dass man den Brennstoff teilweise bis zu 300 Kilometer weit transportiere, insgesamt etwa 60000 Kilometer pro Jahr. Eine Distanz, die wegfiele, würde man das acht Kilometer entfernte UPM-Werk beliefern. 

Wichtig war es dabei den Anwesenden, dass es nicht darum gehe, Müll zu verbrennen. Vielmehr, so brachte es Renate Müller von der Umweltinitiative auf den Punkt, gehe es darum, „dass unser Müll aus dem Landkreis hier im Landkreis bleibt“. 

Dafür ist allerdings ein aufwendiger Separationsprozess nötig. Der Restmüll wird wie bisher auch schon nach Erbenschwang gebracht, wo er in verschiedene Fraktionen getrennt wird. Wichtig sei es, erklärte EVA-Prokurist Holger Poczka, die chlorhaltigen Kunststoffe wie etwa PVC herauszuholen, die bei der Verbrennung Chlorwasserstoff freisetzen. Denn in Verbindung mit Wasser entsteht Salzsäure, die gesundheitsschädlich ist und auch die Verbrennungsöfen angreifen würde. 

Der Brennwert von BauhM liegt mit etwa 15000 Kilojoule pro Kilogramm Brennstoff übrigens höher als bei dem von UPM derzeit verwendeten Altholz, was die benötigte Menge reduziert. Laut Thomas Krauthauf von UPM verfeuert die Papierfabrik derzeit rund 40000 Tonnen Altholz pro Jahr neben den rund 330000 Tonnen anderen Brennstoffen wie alte Papierfasern. 

Während des Versuchs wird UPM täglich mit einer Lkw-Ladung BauhM beliefert, nach der Startphase dann mit zwei Ladungen. 

Jochner-Weiß dankte dem Papierproduzenten für das Vertrauen, dass man diesen Versuch bei UPM fahren dürfe. „Nur miteinander können wir etwas bewirken und einen Beitrag zur Energiewende leisten“, betonte die Landrätin.

Oliver Sommer

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