Krankenhaus-Verbund WM-SOG/LL/FFB

"Die Medizin muss zum Patienten"

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Das Versorgungsgebiet des geplanten Klinik-Verbunds. Eingezeichnet sind die vier Krankenhaus-Standorte.

Schongau – Die Krankenhaus GmbH mit ihren Standorten in Weilheim und Schongau will künftig mit den Kliniken in Landsberg und Fürstenfeldbruck gemeinsame Sache machen. Ziel ist ein Klinik-Verbund (der Kreisbote berichtete). Im exklusiven Interview spricht Krankenhaus GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann über die Ziele, die seine Gesellschaft mit diesem Schritt verfolgt, und erklärt, warum eine Kooperation zum Vorteil der Patienten ist.

Herr Lippmann, wann gab es die ersten Gespräche zwischen Ihnen und den Geschäftsführern der anderen beiden Häuser in Landsberg und Fürstenfeldbruck über die Möglichkeit eines Klinik-Verbunds?

Lippmann: „Das war im vergangenen Jahr.“

Wer ist auf wen zugekommen?

Lippmann: „Das kann man so gar nicht sagen. Jeder Klinik-Träger hat für sich die eigene Situation analysiert. Die Erkenntnis war bei allen gleich, nämlich dass unsere kleinen Krankenhäuser auf Dauer alleine nur schwer überleben können. Hintergrund ist das von Bundespolitik und Krankenkassen verfolgte Ziel, die Zahl der Kliniken und Fachabteilungen zu verringern.“

In den vergangenen drei Jahren hat der Landkreis viel Geld in die beiden Klinik-Standorte in Weilheim und Schongau investiert. Auch, weil Sie selbst immer wieder betont haben, dass nur mit Wachstum die Zukunft beider Häuser zu sichern sei. Ist diese Strategie mit dem jetzt angestrebten Klinik-Verbund gescheitert?

Lippmann: „Ganz und gar nicht. Wachstum ist wichtig. Als kleine Einheit, wie es unsere Standorte in Weilheim und Schongau sind, stößt man damit jedoch irgendwann an eine Grenze. Eine landkreisübergreifende Kooperation ist dann der nächste Schritt, um das Angebot weiter ausbauen zu können. Vor drei Jahren hätten wir diesen Weg im übrigen noch gar nicht gehen können, da galt es, erst einmal unsere eigenen Hausaufgaben zu erledigen. Das haben wir gemacht, weshalb wir jetzt auf Augenhöhe mit den umliegenden Häusern verhandeln können.“

Die Kliniken in Landsberg und Fürstenfeldbruck sind nicht die einzigen Wettbewerber im Umkreis. Weshalb sind sie aus Ihrer Sicht die geeignetsten für eine Verbund-Lösung?

Lippmann: „Wichtig bei der Frage nach geeigneten Partnern war, dass es nicht darum ging, übernommen zu werden, sondern gemeinschaftlich zu agieren. Damit das funktioniert, muss man sich auf Augenhöhe begegnen. Das wiederum heißt, dass die Kliniken eine ähnliche Größe aufweisen sollten, was mit Landsberg und Fürstenfeldbruck der Fall ist.“

Unterschiedlich groß sind dafür die Entfernungen. Von Schongau nach Bruck braucht man mindestens 50 Minuten mit dem Auto. Spricht das nicht gegen eine Partnerschaft?

Lippmann: „Nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist die Distanz sogar ein Vorteil. Bei vielen Verbünden liegen die einzelnen Standorte so nah, dass man um die gleichen Patienten konkurriert. Da kommt schnell die Frage auf, eine Klinik zugunsten der anderen zu schließen. Wir wollen uns ergänzen und nicht ersetzen. Dafür ist ein großes Versorgungsgebiet ideal.“

Die vielleicht wichtigste Frage: Was ändert sich durch den Verbund für die Patienten? Müssen sie sich darauf gefasst machen, dass Abteilungen vor Ort geschlossen werden, es beispielsweise eine Geburtstation künftig nur noch in Landsberg gibt?

Lippmann: „Es gibt drei wichtige Ziele, die wir mit der Kooperation verfolgen. Das erste ist, langfristig zu sichern, dass die Krankenhäuser unter kommunaler Trägerschaft bleiben. Das zweite lautet, alle Standorte zu erhalten. Damit einher geht Ziel Nummer drei, was die Frage wohl am besten beantwortet: Wir wollen die Medizin zum Patienten bringen und nicht umgekehrt.“


Können Sie das genauer erläutern?

Lippmann: „Es geht nicht darum, Abteilungen an einzelnen Standorten zu konzentrieren, sondern im Gegenteil mehr Leistungen in jeder einzelnen Klinik anzubieten. Um ein Beispiel zu nennen: Ein Spezialist für Hüftendoprothetik, der bislang am Weilheimer Krankenhaus operiert, könnte dies in Zukunft auch in Fürstenfeldbruck tun und umgekehrt. Das Zentrum für Altersmedizin, das wir hier in Schongau gerade etabliert haben, könnte wiederum als Vorlage für weitere Einrichtungen in Landsberg und Bruck dienen. Und zuletzt die Pädiatrie in Landsberg könnte die Standorte Weilheim und Schongau mitversorgen.“


Also weiteres Wachstum statt Konsolidierung?

Lippmann: „Definitiv ja. Wo wir als kleine Krankenhäuser an Grenzen stoßen, können wir im Verbund größeres Wachstum zum Wohle der Patienten erreichen. Der Zusammenschluss bedeutet auch, dass wir auf der politischen Ebene und von den Krankenkassen ganz anders wahrgenommen werden. Mit knapp 1 000 Betten und einem Versorgungsgebiet mit 460 000 Einwohnern lässt es sich besser argumentieren. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen im Gesundheitssektor ist es wichtig, von den Kostenträgern und dem Gesundheitsministerium als systemrelevant eingestuft zu werden. Als Verbund wären wir dem einen guten Schritt näher.“

Auch auf Verwaltungsebene soll es Verbundlösungen geben, zum Beispiel, was den Einkauf angeht. Das Ziel dürften Einsparungen sein, oder? Immerhin schreibt die Krankenhaus GmbH und auch das Krankenhaus Landsberg rote Zahlen.

Lippmann: „In erster Linie geht es darum, Wissen und Know How zu bündeln. Das heißt nicht, dass alle Abteilungen zentralisiert werden. Wir brauchen nach wie vor Leute vor Ort. Es darf nicht sein, dass etwa eine Krankenschwester, wenn sie einen neuen Stift braucht, erst ein Formular irgendwohin schicken muss. Es ist auch falsch davon auszugehen, dass durch den Verbund auf einmal alle finanziellen Probleme gelöst sind. Die Zusammenarbeit ist die Chance, überhaupt kommunal lebensfähig zu bleiben. Wir werden versuchen, die Standorte so zu betreiben, dass es für die Landkreise darstellbar ist. Gewinne darf man da kurzfristig sicher nicht erwarten.“

Letzte Frage: Wie sieht der Zeitplan aus?

Lippmann: „Die Gremien haben gerade die Weichen für eine Zusammenarbeit gestellt. Wir werden noch in diesem Jahr einen konkreten Plan erarbeiten, wie diese genau aussehen kann. Klar ist: Die Umsetzung wird nicht von jetzt auf gleich passieren, ein solcher Prozess muss wachsen. Aber die sprichwörtlichen Pflöcke müssen jetzt eingeschlagen werden.“

Interview: Christoph Peters

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