Kreisbäuerin Silvia Schlögel gibt Amt ab

Ende einer "geilen Zeit"

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Ab Ende Februar widmet sich Silvia Schlögel (rechts), hier mit Bezirksbäuerin Christine Singer und Anton Kreitmair, oberbayerischer BBV-Bezirkspräsident, neuen Aufgaben.

Peiting – Wenn der Bayerische Bauernverband (BBV) am 21. Februar seine neue Kreisbäuerin kürt, stellt sie sich nicht mehr zur Wahl: Silvia Schlögel aus Peiting tritt nach zwei Amtszeiten ab. Im Gespräch mit dem Kreisboten zieht sie ein Fazit ihres Wirkens, nennt die bewegendsten Momente und verrät, welchen Aufgaben sie sich als nächstes widmet.

Zehn geile Jahre“, hat Silvia Schlögel (47) ihrem eigenen Bekunden nach hinter sich. Viele interessante Leute habe sie kennen lernen dürfen, blickt die im Februar aus ihrem Amt scheidende Kreisbäuerin aus Peiting zurück. Bei Bundespräsident Joachim Gauck war sie zum Neujahrsempfang 2014 eingeladen – „eine tolle Sache, bei der das ganze Team gewürdigt wurde“. Auch die Begegnung mit Kindergartenkind Tobi vor einigen Jahren blieb im Gedächtnis: Der Bub hatte mit körperlichen Einschränkungen zu kämpfen und war auf einen Rollator angewiesen. „Als mein Mann ihn beim Kindertag auf den Bulldog gesetzt hat, war er Tobis Held. Die Kindergärtnerin meinte, sie habe ihn in all den Jahren nie so lachen gesehen.“

Daneben stießen Schlögel und ihre Mitstreiter einige wegweisende Projekte an: Die Planung und Umsetzung des LEADER-geförderten Milchwegs erachtet die Peitingerin rückblickend als wegweisend. „Damit können wir wirklich zufrieden sein.“ Viele Nachahmer bewiesen, dass man den Nerv der Zeit getroffen habe. „Das ist immer noch eine einmalige Geschichte.“

Doch nicht immer stieß die heute 47-Jährige nur auf Befürworter. „Klar, es war nicht alles super-prima und es gab Momente, in denen ich mir gesagt habe: Ne, das wars.“ Doch positive Rückmeldungen im direkten Gespräch, bestärkende Mails und Telefonate hätten dabei geholfen, die ein oder andere Tal­sohle zu durchschreiten.

Nicht immer spaßig

Nicht alles „geil“, also? Im Jahr 2009 hatte Schlögel vor dem Hintergrund schwelender Konflikte zwischen ihrem Bayerischen Bauernverband (BBV) und dem Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter eingeräumt, es sei seinerzeit „kein Spaß, Kreisbäuerin zu sein“.

Ermüdungserscheinungen waren es aber keinesfalls, die Schlögel jetzt dazu bewegten, ihr Amt niederzulegen: „Es war von Anfang an klar, dass nach zwei Wahlperioden Schluss ist.“ Selbst, wenn die Suche nach einer Nachfolgerin im Sande verlaufen wäre – ihre Entscheidung sei unumstößlich gewesen. Umso erfreulicher für den BBV, dass ein frisches, namentlich noch nicht bekanntes, Gesicht in den Startlöchern steht, um den ab Ende Februar vakanten Platz einzunehmen.

Bei Bedarf könne sich die Neue gern an sie wenden, so Schlögel. „Ich freue mich, wenn ich gefragt werde.“ Einmischen wolle sie sich aber nicht. „Neue Besen kehren gut und ich hoffe, dass meine Nachfolgerin ihre eigenen Ideen umsetzen kann und frischen Wind bringt.“ Eine eigene Rückkehr auf den Posten der Kreisbäuerin sei gänzlich ausgeschlossen. „Wenn ich aufhöre, höre ich auf. Aber irgendwas Neues wird mir sicher einfallen.“

In die Lokalpolitik ziehe es sie nicht. Entsprechende Anfragen habe es zwar gegeben, „aber ich glaube nicht, dass das etwas wird“. Ein großes Augenmerk richte sie nun auf „Die Hauswirtschafterei“ – einen Cateringservice, den Schlögel zusammen mit zwei Mitstreiterinnen gegründet hat. „Und zur Not freuen sich daheim 70 Fenster auf einen neuen Anstrich. In der Landwirtschaft geht einem die Arbeit nie aus.“

Rasso Schorer

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