Friedhofsdokumentation

Ein Luftbild als bleibende Erinnerung

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Fotodrohne im Einsatz: Der alte Schongauer Stadtfriedhof aus der Luft.

Schongau – Es ist ein Vorhaben, mit dem vergangenes lebendig gehalten werden soll. Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer hat es sich zur Aufgabe gemacht, Friedhöfe der Region mit Luftaufnahmen zu dokumentieren. Den Anfang machte der Schongauer Stadtfriedhof.

Man könne es nicht bloß im alten Schongauer Stadtfriedhof beobachten, erklärt Schmidbauer: Immer mehr Gräber werden aufgelöst, die Liegezeiten werden immer kürzer. Die gesellschaftlichen Veränderungen, bedingt durch die immer mehr wirksame Mobilität, beeinflussen auch die Trauergebräuche. Kinder, sofern überhaupt vorhanden, ziehen an andere, oft weit entfernte Orte, die eine persönliche Grabpflege unmöglich machen. Die Grabkosten, eine veränderte Einstellung zu Tod und Bestattung, neue, modische und zeitbedingte Möglichkeiten der Bestattung und die weithin nachlassende Kirchenbindung tun das ihre, um Bedeutung und Erscheinungsbild der Friedhöfe zu verändern. 

Das hat Folgen: Denn mit den alten Gräbern verschwinde auch ein für die Stadt- und Gemeindegeschichte wichtiges Kulturgut, warnt der Kreisheimatpfleger. „Ist ein Grab erst einmal aufgelöst, geraten auch die Personen, die dort liegen, rasch in Vergessenheit.“ Dazu komme, dass die Gemeinde- und Stadtverwaltungen in ihren Friedhofssatzungen die Grabstellen allein in der Verantwortung der Angehörigen sehen. Seien diese nicht mehr in der Lage, das Liege-Recht zu verlängern, oder gibt es keine Nachkommen mehr, werde das Grab aufgelassen, der Grabstein, oft künstlerisch und stadtgeschichtlich bedeutend, dem Steinmetz überlassen oder anderweitig entsorgt, stellt Schmidbauer fest: „ Damit ist wieder ein Stück Ortsgeschichte und Friedhofskultur verschwunden.“ 

Neue Friedhöfe wie der Schongauer Waldfriedhof können laut dem Kreisheimatpfleger solche Veränderungen leichter auffangen und zeitbedingten „Bestattungsmoden“ entgegenkommen. Dagegen sei die Situation in alten Stadt- und Dorffriedhöfen schwieriger, erklärt er, besonders wenn sie, wie der Schongauer Stadtfriedhof, im denkmalgeschützten Ensemble-Bereich und eingegrenzt von der historischen Stadtmauer liegen. Um hier Verlusten an Friedhofskultur wirksam begegnen zu können, sei eine Bestandsaufnahme des gegenwärtigen Zustandes notwendig. 

Mit Zustimmung der Kreisgremien hat Schmidbauer deshalb zusammen mit dem Luftbildspezialisten Sebastian Jahn von bse-airpix am Schongauer Stadtfriedhof mit der Bestandsbeschreibung begonnen. Weitere Aufnahmen der alten Friedhöfe im Landkreis sind bereits geplant. „Ziel ist es, den Gemeinden Hilfestellungen für eine zeitgemäße, aber auch ortsgeschichtsbewusste Friedhofsgestaltung angesichts der Herausforderung durch die neuen Entwicklungen an die Hand zu geben“, so der Kreisheimatpfleger.

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