Kunst am Kreisel:

(Noch) keine runde Sache

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Kunst im Kreisel mit fünf Arbeiten heimischer Künstler – den Gemeinderäten ist diese Ausrichtung zu wenig markant.

Peiting – Nicht anfreunden können sich die Peitinger Räte mit dem Vorschlag fünf heimischer Künstler, die gemeinsam einen Vorschlag erarbeiteten, was die Gestaltung der Insel am neuen Kreisverkehr beim Sesar-Bäck (Bahnhofstraße) angeht. Die fünf verschiedenen Motive auf jeweils gleich hohem Sockel seien zu wenig markant. „Wir müssen da groß denken“, formulierte Gemeinderat Peter Ostenrieder und wandte sich gegen „ein Klein-Klein“.

Die weitere Vorgehensweise ist die, einen Ideenwettbewerb auf den Weg zu bringen. Dafür sollen maximal 50.000 Euro ausgegeben werden. Bürgermeister Michael Asam berichtete davon, dass bei so einer Gesamtsumme ein Zuschuss von 13.000 Euro zu bekommen sei. 2018 solle das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

2018 jährt es sich zum 50. Mal, dass in Peiting das Bergwerk geschlossen wurde. Diese Industrie­geschichte soll – das ist eine Vorgabe für den Ideenwettbewerb – bei der Kunst im Kreisel den Schwerpunkt bilden. Offen ist auch das Material. Dies könne auch eine Metallarbeit sein, es müsse kein typischer Bildhauer sein, der mit Stein oder Holz arbeite, vertrat Gemeinderat Christian Lory seine Meinung im Gremium.

Die fünf Künstler Christine Gräper, Ute Schneider, Marinus Wirtl, Andrea Kreipe und Michaela Gräper haben der Marktgemeinde Peiting ein Angebot unterbreitet. Sie sind allesamt professionell ausgebildet, leben in Peiting, arbeiten dort oder haben einen engen Bezug zum Ort. Ihre Vorstellung waren Arbeiten aus Stein und bzw. oder Bronze. Die Ausführung sei langlebig, unempfindlich und wartungsfrei, hieß es in einem Brief der Kunstschaffenden an die Gemeinde.

Inhaltlich geben die fünf Bildhauer zu bedenken: Das Thema Bergbau, das die Gemeinde angesprochen hat, habe den Ort in der Vergangenheit zwar entscheidend geprägt, doch sei dieses Thema allein zu wenig aussagekräftig. Mit Blick auf die verschiedenen Facetten Peitings haben sie vorgeschlagen, die Themenwahl um die Bereiche Sport, Tradition, Geschichte und Zukunft zu erweitern.

Wegen der Ausgestaltung des Kreisels in Peiting-Ost hat sich auch der frühere Gemeinderat Adolf Kapfer mit einem Brief an Bürgermeister Michael Asam gewandt. Für ihn sei es geschichtlich logisch, den Kohlenhunt dort zu platzieren. Das Museum im Klösterle, die Lok mit dem Wagen davor, der Hunt im Kreisel und die anschließende Bergwerkstraße würden eine Einheit bilden. Schließlich sei der ganze Osten und Südosten Bergbau-Wohngebiet, wovon auch Straßennamen Zeugnis ablegen. Der Berg­bau sei für Peiting so prägend gewesen, dass es mindestens die Hälfte der heutigen Bewohner ohne ihn nicht gäbe. Immerhin seien 31 Bergleute tödlich verunglückt bzw. an den Folgen der Arbeit verstorben. Ehrenbürger und Altbürgermeister Klement Sesar schließt sich den Argumenten Kapfers an. Das vorliegende Modell sei nicht befriedigend. Sein Vorschlag sei die lebensgroße Figur eines Bergmannes aus Bronze.

Intensiv war die Diskussion dazu auch im Peitinger Gemeinderat. Herbert Salzmann sagte, es sollte ein Bergmann evtl. mit einem Fels sein. Die Darstellung eines Kohlenhunts habe man in Peiting schon zweimal: in der Dorfmitte und weiter östlich beim Klösterle in Maria Egg. Michael Deibler vertrat die Meinung, man müsse für so eine Kunst im Kreisel nicht 50.000 Euro ausgeben. Evtl. ließe sich eine Arbeit für 10.000 Euro realisieren.

Klar ist, dass der Ideenwettbewerb zur Kunst im Kreisel sich intensiv des Themas annehmen soll. Wie sagte Gemeinderat Norbert Merk: „Es gibt wenig Prägenderes als den Bergbau in Peiting.“ Gerade weil 50 Jahre nach der Schließung immer weniger Leute davon wissen, sei es angezeigt, die Erinnerung daran wachzuhalten. Und Merk, der CSU-Gemeinderat, ergänzte noch eine Bemerkung zu seinem früheren Kollegen und politischen Kontrahenten Kapfer (SPD): „Adi Kapfer hat mit seiner Begründung den Nagel auf den Kopf getroffen.“

Johannes Jais

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