Landfrauentag in Bernbeuren

Landfrauen im Landkreis Weilheim-Schongau wollen im Dialog bleiben

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Hauswirtschafterinnen waren sie bereits vorher. Nach erfolgreich bestandener Prüfung sind sie nun Hauswirtschaftsmeisterinnen. Hierfür wurden Renate Hindelang und Corinna Nigel (2. und 3. v. links) durch Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher (rechts) und die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Lidl (links) nochmals geehrt. Beide junge Damen stammen aus Prem.

Bernbeuren – Wie auch in den zurückliegenden Jahren haben sich in der vergangenen Woche über 200 Landfrauen und weitere geladene Gäste aus dem hiesigen Umland ganz getreu dem Jahresthema „Im Dialog bleiben” zum Landfrauentag in der Auerberghalle in Bernbeuren eingefunden. Die musikalische Einleitung durch den Landfrauenchor Pfaffenwinkel unter Leitung von Andrea Taffertshofer stellte den Beginn einer gut organisierten und für alle anwesenden Mitglieder und Gäste inhaltlich interessanten Veranstaltung dar.

Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher rief in ihrer Eröffnungsansprache nochmals die zahlreichen Aktivitäten der Landfrauen im zurückliegenden Jahr 2018 in Erinnerung. Der Besuch mit Hofführung bei einem Spargelbauern im Raum Bamberg, mehrere Wanderungen und ein gemütlicher Bummel auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Hindelang waren nur einige der zahlreichen gemeinsamen Unternehmungen.

Im Januar dieses Jahres kam für sechs Landfrauen noch die viertägige aktive Teilnahme bei der Grünen Woche in Berlin hinzu. Eine echte Herausforderung angesichts der gut 1.200 wahrzunehmenden Gäste bei dem anlassbezogenen Staatsempfang, zu dem die Bayrische Staatsregierung in Berlin eingeladen hatte.

Bauern versus Volksbegehren

Scharf ins Gericht ging Christine Sulzenbacher mit den Initiatoren des Volksbegehrens „Rettet die Bienen”. Sie fand es als nicht hinnehmbar, dass dafür das Volksbegehren allein die Bauern als Verantwortliche sieht. „Hier sind wir alle gefordert”, stellte sie fest und bedauerte, dass die freiwilligen Leistungen, die Bauern aus ganz Bayern jedes Jahr mit ihren Blühflächen und -streifen, Vertragsnaturschutz- und Maßnahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) erbrächten, völlig ignoriert würden.

„Möglichkeiten, die jeder einzelne hätte, etwas für den Artenschutz zu tun, wie Einschränkung des Flächenverbrauchs, Verzicht auf Flugreisen, Blühflächen statt Golfrasen im Hausgarten oder Verpflichtung der Kommunen, ein Blühkonzept für ihre eigenen Brachflächen auszuarbeiten, werden nicht mal angesprochen…” bemängelte die Kreisbäuerin.

Sie stellte heraus, das sich jeder zweite Bauer in Bayern vertraglich dazu verpflichtet habe, freiwillig mehr für den Umwelt- und Naturschutz zu tun. Fast 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche würden nach den Richtlinien des KULAP und Vertragsnaturschutzprogramms (VNP) bewirtschaftet und durch finanzielle Mittel der Agrarumweltprogramme der EU-Agrarpolitik honoriert.

Sie äußerte jedoch ihre Befürchtung, dass das Volksbegehren die Grundlage für die Förderung der Umweltmaßnahmen in Bayern aufs Spiel setze. Dabei zeigten die bayrischen Bauern doch seit Jahren, wie erfolgreicher Umwelt- und Naturschutz funktioniere. „Kooperation ist das Erfolgsrezept – und das muss auch so bleiben”, bilanzierte sie und stellte nochmals heraus, dass der bayerische Bauernverband seine Mitglieder auch in diesem Jahr dazu aufrufe, bei KULAP und Vertragsnaturschutz mitzumachen.

Im Dialog bleiben

Kein geringerer als der ehemalige Abtprimas der Benediktiner in Rom, Dr. Notker Wolf referierte – wie bereits am Vortag beim Landfrauentag in Weilheim – als Gastredner zum Jahresthema der Landfrauen im bayerischen Bauernverband. Bereits vormittags vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung hatte er einen Gottesdienst in der Auerberghalle zelebriert.

Abt Notker Wolf stellte in seinem Referat fest, dass die Fähigkeit zum Dialog in erster Linie darin liege, hinzuhören und dass Gespräche immer auf Augenhöhe stattfinden müssen. Dabei ging er genauso auf den Dialog in der Familie sowie zwischen den Ehepartnern und den Generationen als auch in den so genannten sozialen Medien ein. „Wenn Sie mit jemandem reden wollen, dann müssen Sie Zeit haben”, ergänzte er seine Ausführungen. Zum Thema Achtsamkeit gab er zu bedenken, dass man nicht immer selbst redet, sondern auch andere reden lassen muss.

Auch die Flüchtlingssituation ließ er nicht unerwähnt und merkte hierzu an, dass Vielfalt auch als Reichtum zu verstehen sei. Da Abt Notker Wolf ein gefragter Referent ist, musste er die Veranstaltung bereits vor deren offiziellem Ende wieder verlassen, weil er nach einem kurzen Zwischenaufenthalt im Kloster Sankt Ottilien bereits am folgenden Tag beim Kongress der Zahnärztekammer Niedersachsen in Hannover für einen Festvortrag vorgemerkt war.

Wo sonst lassen sich Ehrungen einzelner Landfrauen angemessener und würdiger durchführen als beim Landfrauentag selbst. So wurde den beiden frisch gebackenen Hauswirtschaftsmeisterinnen Renate Hindelang und Corinna Niggl für ihre erfolgreich absolvierte Meisterausbildung nochmals die besondere Ehrung hierfür zuteil. Weitere vier Landfrauen der Ortsvereine Peiting und Birkland durften sich über den Applaus für die von ihnen vorbereitete und wohlgestaltete Dekoration der Auerberghalle freuen.

Interessante Fragen und Antworten beinhaltete das Interview mit fünf bekannten Politikern, die der Einladung zum Landfrauentag gefolgt waren. Neben Landrätin Andrea Jochner-Weiß waren dies ihr Vorgänger Friedrich Zeller, Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner nebst Altbürgermeister Heimo Schmid sowie Schongaus Vizebürgermeister Tobias Kalbitzer.

Bei der Frage, was der Landkreis Weilheim-Schongau ohne Landwirtschaft wäre, waren alle, wenn auch mit jeweils anderen Worten, der Auffassung, dass dieser dann wohl sehr kahl und ungepflegt wäre. Bei der Frage, wie unsere Landwirtschaft 2050 ausschaut, waren sich ebenfalls alle einig, dass dann wohl eine hohe Technisierung das Leben auf den dann existierenden Großhöfen prägen würde.

Zu der aus aktuellem Anlass gestellten Frage, wie die Befragten zum Volksbegehren „Rettet die Bienen” stehen, waren dann die Antworten nicht mehr so einvernehmlich. Während Andrea Jochner-Weiß und Heimo Schmid darin übereinstimmten, dass sie das Volksbegehren aufgrund dessen Einseitigkeit nicht unterschreiben werden, teilte Friedrich Zeller mit, dass er positiv zum Volksbegehren stehe. Tobias Kalbitzer gestand gar ein, dass er bereits unterschrieben habe. Er betonte hierzu aber, dass er nicht gegen die Bauern, sondern für den Artenschutz unterschrieben habe. Kritik zur Thematik übte Martin Hinterbrandner an den Bauernverbänden, weil von diesen viel zu lange kein Gegenvorschlag gekommen sei.

Nach einem weiteren Auftritt des Landfrauenchors Pfaffenwinkel und den Schlussworten der stellvertretenden Kreisbäuerin Maria Lidl endete einmal mehr ein für alle Beteiligten gelungener und kurzweiliger Landfrauentag. 

Manfred Ellenberger

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