"Freundschaft plus Musik":

Privat darf‘s auch Bach sein

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Riesen Strandparty mitten in der Stadt: Auch auf dem Sonnendeck in Augsburg haben Andreas, David, Daniel und Jakob (v. links) mit ihrer Band „Mary Lou“ schon gespielt.

Schwabsoien – Erst 2016 haben sie ihr Debütalbum veröffentlicht und im Dezember haben sie den Kulturpreis des Landkreises abgeräumt – es läuft rund für die vier Jungs der Schwabsoier Band „Mary Lou“. Im Gespräch mit dem Kreisboten erzählen sie, wie es überhaupt zu „Mary Lou“ kam, von der harten Arbeit im Studio und kreativen Schaffenspausen.

„Mary Lou“ das sind Andreas Gast, Jakob Pröbstl sowie die Brüder Daniel und David Gramberg. Die vier kennen sich bereits seit Kindertagen. In einem Dorf wie Schwabsoien kennt man sich halt, sagen sie. Alle haben ein Instrument gelernt und irgendwann Jahre später trafen sie ausgerüstet mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Klavier aufeinander und begannen gemeinsam zu spielen. So entstanden die ersten Stücke unter dem Dachgiebel der alten „Kunstmühle Keller“ in Schwabsoien. Nach ersten Auftritten gründeten die vier Freunde im März 2010 die Band „Mary Lou“. Nun sind sie alle zwischen Mitte 20 und Mitte 30 und machen immer noch Musik gemeinsam – mit Erfolg.

Wie es zum Namen der Band kam, können Andreas und Daniel schnell erklären: „Wir haben eine gemeinsame Freundin, die haben wir zum Spaß immer ‚Mary Lou‘ genannt. Sie war von Anfang an dabei.“ Sozusagen erhielt die Band also den Namen ihres ersten Fans.

Schwieriger ist da schon die Frage zu beantworten, in welche Musikrichtung sich die vier Jungs einordnen würden. Schließlich einigen sie sich auf „Alternative Indie-Pop“. „Das ist auf jeden Fall nicht verkehrt“, sagt Andreas. Die musikalische Vielfalt der Vier spiegelt sich auch in den Vorbildern wider: Es fallen Namen wie „Feist“, die Weilheimer Band „The Notwist“, die „White Stripes“, „Paolo Nutini“ und auch die „Rolling Stones“. Und vielleicht etwas überraschend: „Im Auto höre ich gerade Johann Sebastian Bach“, sagt Daniel. Auch Andreas stimmt zu: „Bach geht eigentlich immer.“

Der bayerische Touch

Auf ihrem Debütalbum „May be April“, das die Band am 4. Mai 2016 veröffentlichen konnte, ist ein relativ bunter Mix zu hören. Auch Musiker aus dem Heimatort Schwabsoien haben an der Platte mitgewirkt – aus der Blaskapelle, dem Jugendchor sowie einem Streichquartett. Die fügen sich harmonisch in die Musik von „Mary Lou“ ein. Etwas ungewöhnlicher geht es da schon bei dem Song „No one else“ zu. „Da wollten wir bewusst einen bayerischen Touch reinbringen“, erklärt Andreas die Auswahl. Eine weitere Erklärung für die bunte Mischung liefert Daniel: „Wir haben viele Jahre des gemeinsamen Musikmachens in diesem Album abgeschlossen.“

Sortieren fürs Album

Ein eigenes Album – was für die meisten jungen Musiker nach einem absoluten Traum klingt, ist aber auch mit viel harter Arbeit verbunden. Über ein Jahr hat die Band im „stillen Kämmerlein“ verbracht, um das Demo aufzunehmen. Dort galt es auch, einige Muster aus dem vorhandenen Repertoire auszusortieren, erklärt Daniel.

Dann ging es schließlich zu Sebastian Keller ins Studio nach Altenstadt. Rund eineinhalb Jahre verbringen sie immer wieder Zeit dort. Wer sich nun vorstellt, die vier Musiker spielen im Studio zusammen einfach drauf los, ist weit gefehlt. Jeder spielt seinen Part einzeln ein, auf den vorgegebenen Takt, mit dem Demo auf dem Kopfhörer. Und das bis alles stimmt. „Das ist schon eine Wissenschaft für sich“, sagen Andreas und Daniel im Nachhinein. Zwar habe das gemeinsame Spiel eine andere Dynamik, trotzdem habe die gewählte Vorgehensweise Sinn gemacht. „Wir haben uns in dieser Zeit auch musikalisch besser kennengelernt“, so die beiden.

Das hängt vermutlich auch mit Erfahrung und der Atmosphäre im Studio zusammen. „Im Studio geht es um alles“, sagen die beiden. „Wenn das Mikro an ist, dann bist du auf einmal garnicht mehr so locker“, beschreibt Daniel. Immer und immer wieder muss jeder seinen Part spielen, bis alles perfekt ist. Und der ein oder andere ist dabei auf Hilfe angewiesen: „Die Musiker aus der Blaskapelle können teilweise nicht ohne ihren Dirigenten. Der musste dann eben auch ins Studio kommen.“

Arbeit und Luxus

Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt: Heraus kommt ein Album mit elf Songs. „Der Luxus am ersten Album ist ja, dass keiner was erwartet hat“, sagt Andreas. Finanziert haben die Jungs ihr Erstlingswerk durch Gagen von früheren Auftritten, aber auch aus der eigenen Tasche. „Wir machen das aus Leidenschaft und nicht, um reich zu werden“, so die Devise.

Derzeit gönnen sich die vier Musiker eine kleine Pause. Beruflich sind sie zwischen Garmisch-Partenkirchen, Augsburg, Weilheim und Schongau verteilt. Zentrale ist aber weiterhin die Heimat Schwab­soien beziehungsweise der Proberaum am Schongauer Bahnhof. Dort fangen sie langsam wieder an, für die ersten Auftritte im Mai zu proben.

Auch neue Lieder sollen entstehen. Die werden meist zusammen geschrieben, jeder steuert etwas bei. Das meiste passiert durch das Aufeinander-Hören. Sich einfach treffen, um Musik zu machen, für so etwas möchten sich die Vier gerade die Zeit nehmen. „Und wenn wir nur vier Stunden zusammensitzen und Bier trinken“, sagt Daniel. Denn immerhin bestehe ihre Band hauptsächlich aus „Freundschaft plus Musik“.

Langfristiges Ziel ist aber eine zweite CD. Dass das allerdings auch eine Single, eine EP oder ein Video werden könnte, sei durchaus möglich. „Wir wissen schließlich jetzt, wie lange ein Album dauert.“

Astrid Neumann

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