Kulturschaffende diskutieren in Schongau

Mehr Unterstützung für Kultur- und Kreativwirtschaft

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Die Autorin Nicola Förg (li.) war neben Michi Marchner (2. v. li.) eine der Kulturschaffenden, die am vergangenen Donnerstag von ihren persönlichen Erfahrungen berichtete.

Schongau – Kreativ und erfolgreich im Landkreis: Ob Design, Musik, Film oder Theater – die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine vielfältige, häufig zu Unrecht unterschätzte Branche. Das wurde auf der Veranstaltung der Wirtschaftsförderung im Landkreis im Schongauer Brauhaus deutlich.

Den freiberuflich arbeitenden Künstlern, Kreativschaffenden sowie den kleinen und mittleren Unternehmen der Branche kommt eine wichtige Funktion für eine positive Entwicklung zu. Wie Landrätin Andrea Jochner-Weiß in ihrem Grußwort erläuterte, sind allein im Landkreis über 400 selbständige Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig. Tendenz steigend. 

Das sei die Trumpfkarte für die Branchenvielfalt und zugleich ein großer Wirtschaftsfaktor. Sie habe sich das Ziel gesetzt, dieses Potential weiter zu erschließen. Da diese Branche sehr heterogen und zudem oft sehr kleinteilig strukturiert ist, werde ihr vielfach nicht die Beachtung zuteil, die der ökonomischen Bedeutung entspreche.

Orientierungshilfen bietet mit Jürgen Enninger der Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München an. Vielfalt, Vervielfältigung, Wirtschaftlichkeit: Das seien die Fragen der Szene, auf die er Antwort geben könne. Viele in der Kultur- und Kreativwirtschaft Schaffenden befänden sich einkommensmäßig am Existenzminimum. „Uns geht es darum, dass diese Leute mehr Geld verdienen“ sagte der Experte aus München und bat vorher ausgewählte Musiker, Schriftsteller und Veranstalter zur Podiumsdiskussion. Sie alle sollten aus den von ihnen gemachten Erfahrungen berichten. 

Da war zunächst Michi Marchner, der Dichter, Denker und Wortverrenker aus Pähl. Der zu Beginn der Veranstaltung gleich für Stimmung sorgte. Von Enninger nach seinem Alltag gefragt, meinte der allein erzie-hende Vater, er selbst zähle sich zum kabarettistischen Mittelstand, für den es seit 25 Jahren immer schwieriger werde. Die Veranstalter gingen eher zu den Leuten, die sie aus dem TV kennen. 

Marion Albrecht, Veranstalterin von „Kultur für 4“, bietet Künstlern Auftritte auch über die Landkreisgrenze hinaus. Werbung für die jeweiligen Veranstaltungen mache sie per Flyer und Plakatierung. In Richtung Bürgermeister Falk Sluyterman meinte die Pächterin des Brauhauses, es werde immer schwieriger überhaupt Werbung zu machen. Wenn sie gerademal 15 Plakate aufhänge, müsste sie 60 Euro bezahlen. Sie appellierte an die Stadt, etwas großzügiger zu sein. 

Franz Strobl, Betreiber der „Stroblbühne“ in Oberhausen veranstaltet bis zu 60 Konzerte im Jahr. Lediglich 20 bis 30 Prozent davon seien ausverkauft. Trotzdem, versicherte der Gastwirt, bekämen bei ihm alle Künstler eine Chance. 

Aus dem Vollen schöpfte die Premer Schriftstellerin Nicola Förg. Zu Beginn ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, gestand sie, sei es oft abenteuerlich gewesen. Da habe sie sich mit an Tageszeitungen verkauften Geschichten über Wasser gehalten. Erst „Schussfahrt“, ihr erfolgreicher Krimi aus dem Oberallgäu, brachte die Wende. 

Zum Selbstbewusstsein von Frauen meinte Förg, sie kenne viele Autorinnen, die nicht effektiv auftreten. „Das können Männer viel besser.“ Frauen würden ganz schnell von Selbstzweifeln geplagt, Männer eher weniger. Das sei keineswegs branchenüblich, meinte dazu Marketingberaterin Monika Uhl aus Penzberg. 

Zum Schluss der Veranstaltung im proppevollen Brauhaus übernahm nochmals Marchner. Er schätze älteres Publikum, verriet er: „Die hängen an meinen Lippen, weil sie nicht mehr so gut hören können.“

Walter Kindlmann

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