Landfrauentag in Bernbeuren

"Power-Bekenntnis" gegen die Krise

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Elke Pelz-Thaller gab Gas: Egal, ob sie vor oder auf der Bühne ihre Kreise zog, die dröhnende Stimme der „Mentalbäuerin“ war auch ohne Mikrofon in der ganzen Halle zu hören.

Bernbeuren – In ihrer Botschaft waren sich die scheidende Kreisbäuerin Silvia Schlögel und „Mentalbäuerin“ Elke Pelz-Thaller beim Landfrauentag in Bernbeuren einig: Resignation und Lethargie seien der falsche Weg, um der derzeitigen Misere der Landwirtschaft zu begegnen. Zu lange hätte sich die Bauernschaft in ihrer Rolle als Lebensmittelproduzent arg passiv verhalten. Nun gelte es, sich die verlorene Verantwortung zurück zu holen.

„Aus milchwirtschaftlicher Sicht war das vergangene Jahr ein Desaster“, polterte Schlögel, die auf ein finanziell, wirtschaftlich und politisch schwieriges 2016 zurückblickte. Auf der Bühne der Auerberghalle in Bernbeuren, die zuvor noch der Landfrauenchor Pfaffenwinkel in Beschlag genommen hatte, machte sie ihrem Unmut Luft. Das Russland-Embargo habe schwere Spuren hinterlassen, beim Milch-Export nach China gerate die deutsche Landwirtschaft ins Hintertreffen. „Diese Märkte haben wir für immer verloren.“ Gleichzeitig sorge sie sich um die EU und fürchte den Einzug platter Polemik in die deutsche Politiklandschaft.

Auch direkt vor der eigenen Haustür kämpfe die deutsche Landwirtschaft um Ansehen und Existenz. Man sehe sich häufig falschen Anschuldigungen, wie beim Thema der Nitratbelastung im Grundwasser, ausgesetzt – und wehre sich zu selten dagegen. „Eure Resignation beunruhigt mich, wo bleibt Euer Aufbäumen?“ Es gelte, den Verbraucher wieder zu erreichen. Zu diesem Zweck seien Medien wie Facebook ein probates Mittel. „Ohne uns gäbe es nichts. Das müssen wir wieder klarmachen.“ Es solle Schluss sein, mit der bäuerlichen „Opfer-Rolle“.

"Griaß di, Tierquäler"

In die selbe Kerbe schlug „Mentalbäuerin“ Elke Pelz-Thaller. Die Landwirtin und Persönlichkeits-Trainerin aus der Hallertau begrüßte die Anwesenden mit „Griaß di, Tierquäler, Bodenvernichter, MRSA-Keimverbreiter und Grundwasser-Verseucher!“ Der deutsche Bauer produziere Lebensmittel, und zwar auf „elitäre“ Art, habe die Gesellschaft aber gegen sich. „Jetzt sind wir dann auch noch an der Flüchtlingskrise und an Überschwemmungen schuld.“ Dabei bewältige die Landfrau sowieso schon eine Vielzahl an Aufgaben, wie sie, passend zum Vortragsthema „Landfrauen übernehmen Verantwortung“, verdeutlichte. Das Familienleben, oft unter einem Dach mit der jüngeren und älteren Generation, Bestellung des Hofs, Haus- und Büroarbeit sowie Ehrenamt – das alles obliege der Bäuerin.

Aus eigener Erfahrung wisse sie, wie hoch die Arbeit der deutschen Landwirtschaft im Ausland geschätzt werde. „Die ganze Welt erkennt das an, nur die eigenen Leute nicht. Wir sind froh, wenn wir 25 Cent pro Liter Milch bekommen.“ Irgendetwas müsse in der Vergangenheit völlig falsch gelaufen sein. Was, das wisse sie recht genau.

Die Bauernschaft habe sich in ihre produzierende Nische zurück gezogen und die Vermarktung zu leichtfertig aus der Hand gegeben. Mit verheerenden Folgen: Wie ein Hamster in einem Rad komme man sich vor. „Wir halten uns in einer Höhle auf.“ Der wichtigste Hebel sei, die Landwirte in Kommunikationspsychologie und Marketing zu schulen. Ein österreichischer Brause-Hersteller mache es mit seinem gewaltigen Werbe-Etat vor. „Ja, meint‘s Ihr, das Zeug würde irgendwer saufen, wenn Red Bull nur produzieren würde?“

Dabei müsse die Ansprache dem Verbraucher gegenüber freundlich, respekt- und vertrauensvoll ablaufen. Zetern und jammern helfe nichts; positive Denkmuster müssten her. Pelz-Thaller, die ihr Pensum aufgrund technischer Probleme mit laut-dröhnender Stimme ohne Mikrofon abspulte, legte dem Publikum ihr „Power-Bekenntnis“ ans Herz, um vom „Frosch zum Adler“, zu mutieren. Sie schloss mit Aristoteles‘ Worten: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Wind und andere Unbilden des Wetters standen auch im Fokus, als Kreisbäuerin Schlögel ihre Rückschau auf das Jahr der Kreisbäuerinnen abhielt. Zahlreiche Ausflüge, bei Sonnenschein wie „Sauwetter“, Vorträge, beispielsweise über Erbrecht und Patientenverfügung, Schafkopf-Kurse und dergleichen hatten 2016 auf dem Programm gestanden. Zwischen Oktober und November brachte der Kreisverband einen „Wahlmarathon“ hinter sich, berichtete Schlögel: Zahlreiche Ortsbäuerinnen wurden neu ins Amt befördert oder darin bestätigt. Sie selbst habe, nachdem sie in Peiting nicht mehr angetreten war, von „einem Ohr zum anderen gegrinst“, als ihre Nachfolgerin feststand. Wer es ist, wird sich spätestens am 21. Februar zeigen: Dann tritt Schlögel, ebenso wie Stellvertreterin Brigitte Albrecht, offiziell als Kreisbäuerin ab. Der Landfrauentag in Bernbeuren, der am Mittwoch mit ähnlichem Programm auch in Weilheim stieg, war damit ihr letzter in diesem Amt. ras

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