Asylbewerberheim für bis zu 100 Flüchtlinge geplant

Landkreis bietet für die Ammermühle

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Bis 2007 hat die Unternehmensgruppe Augustinum die Ammermühle als Nachsorgeklinik genutzt. Seitdem steht das Gebäude leer.

Rottenbuch – Wird die Ammermühle bei Rottenbuch zur Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber? Diese Fra-ge beschäftigt die Gemeinde, seit im vergangenen Sommer erstmals entsprechende Pläne privater Investoren öffentlich wurden. Jetzt hat sich auch der Landkreis in den Reigen der Bieter eingereiht. Er will das leerstehende Anwesen erwerben und an die Regierung als Unterkunft für 80 bis 100 Flüchtlinge vermieten. Die angebotene Kaufsumme soll bei zwei Millionen Euro liegen.

Als im Sommer die Nachricht die Runde machte, ein privater Investor wolle die Ammermühle kaufen und der Regierung als Gemeinschaftsunter-kunft für Asylbewerber zur Verfügung stellen, schrillten in Rottenbuch die Alarmglocken. Der Gemeinderat verfasste ein Positionspapier, mit dem er seine Vorbehalte gegen das Projekt darlegte. 

Gleichzeitig suchte Bürgermeister Markus Bader das Gespräch mit der Münchner Unternehmensgruppe Augustinum, der das seit 2007 leerstehende Gebäude gehört. Dort zeigte man Verständnis für die Sorgen der Gemeinde, der Verkauf war vorerst vom Tisch. Ein Zugeständnis, das Bader dem Unternehmen hoch anrechnet. „Ohne unsere Zusammenarbeit wäre die Ammermühle heute schon belegt“, ist er überzeugt. 

Dass es sich dabei nur um einen Aufschub handelte, war man sich im Gemeinderat bewusst. Die Suche nach einer alternativen Nutzung begann. Als ein Verein mit der Idee eines Mehrgenerationenhauses vorsprach, rückte eine Lösung tatsächlich in greifbare Nähe. Doch vor Weihnachten sprang der Hoffnungsträger ab. Man war wieder am Anfang. 

Da fassten Bader und sein Böbinger Amtskollege Peter Erhard einen Entschluss. Wenn schon ein Asylbewerberheim, dann zumindest eines, bei dem ein Vertrauensverhältnis mit dem Besitzer der Immobilie bestehe. Sie wandten sich an das Landratsamt und schlugen vor, dass der Landkreis die Ammermühle erwerben solle. 

Dort zeigte man sich von der Idee durchaus angetan – aus mehreren Gründen. Zum einen sucht der Landkreis aufgrund der immer weiter steigenden Zahlen von Asylbewerbern händeringend nach Unterkünften. 

Zum anderen hat ein Kauf auch in Anbetracht einer möglichen Nachnutzung ihren Charme. Nach zehn Jahren, wenn ein Großteil der Kredite abgezahlt sei, könnte man das knapp 2200 Quadratmeter Wohnfläche umfassende Gebäude samt seinen 100000 Quadratmetern Grund dem Kreisjugendring zur Verfügung stellen, so die Überlegung. Damit hätte man Ersatz für das einstige Jugendheim auf dem Auerberg. 

Gedankenspiele, die bei Bader gut ankommen. Nicht nur, dass die Ammermühle dafür der „ideale Platz“ wäre, wie er betont. Die Gemeinde wüsste so auch, was auf sie zukomme – anders als bei einem privaten Investor, der womöglich anschließend ein Wohnheim für Billigarbeitskräfte betreibe. „Da hätten wir die Gefahr, dass es über Jahre ein sozialer Brennpunkt bleibt.“ 

Ende Februar machte der Kreisausschuss Nägel mit Köpfen und stimmt der Aufnahme von Verhandlungen mit Augustinum zu. Eine Antwort des Eigentümers auf das Angebot steht bislang noch aus. Bader rechnet damit erst in einigen Wochen. Am Freitag wird sich zuvor noch der Kreistag mit dem Thema befassen. 

„Ich glaube fest daran, dass der Landkreis den Zuschlag bekommt“, zeigt sich der Rathauschef optimistisch. Für die Gemeinde wäre das letztendlich eine akzeptable Lösung, „auch wenn es uns natürlich lieber gewesen wäre, wenn wir nur 20 Flüchtlinge direkt im Ort hätten unterbringen müssen.“ 

Selbst betreiben will der Landkreis die Unterkunft für 75 bis 100 Flüchtlinge im Übrigen nicht. Das Gebäude soll nach dem Kauf direkt an die Regierung von Oberbayern vermietet werden. Das hat den Vorteil, dass der Freistaat die Kosten für einen Hausmeister, eine Verwaltungskraft und eine halbe Stelle für die pädagogische Betreuung vor Ort übernimmt.

Christoph Peters

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