Beitritt oder nicht?

Landschaftspflegeverband: Steingaden denkt über Beitritt nach

Christian Haupt ist Geschäftsführer des LPV Weilheim-Schongau. Im Gemeinderat stellte er diesen vor.
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Christian Haupt ist Geschäftsführer des LPV Weilheim-Schongau. Im Gemeinderat stellte er diesen vor.

Steingaden – In einem kleinen Referat hat der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes (LPV) Weilheim-Schongau, Christian Haupt, dem Steingadener Gemeinderat seine Organisation vorgestellt. Rund zwei Drittel aller Kommunen im Landkreis gehören dieser bereits an.

Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es Landschaftspflegeverbände in Bayern. Je zu einem Drittel mit Vertretern aus Landwirtschaft, Naturschutz und Politik besetzt, sollen sich die gemeinnützigen Vereine für den Erhalt der Kulturlandschaft einsetzen, vor allem die vielfältigen und artenreichen Landschaften pflegen und erhalten; darüber hinaus gibt es Umweltbildungsangebote und im Rahmen der Landschaftspflege werden örtliche Landwirte unterstützt.

Auf einer, mittlerweile selten gewordenen, Streuwiese tummeln sich mehr als 70 Tier- und Pflanzenarten. Dafür aber muss der Mensch Hand anlegen und etwa kleine Bäume oder Büsche aus- und zurückschneiden, damit die „scheuen“ Blütenpflanzen eine Chance haben. Eines der besten Beispiele ist der Schwanseepark bei Schwangau, der früher von der Landwirtschaft intensiv genutzt wurde und erst nach der Intervention Herzog Albrechts von Bayern wieder zum ursprünglichen Landschaftspark werden durfte. Der Herzog hatte die Enziane vermisst, die durch die intensive Landwirtschaft keine Chance mehr hatten. Ähnlich ergeht es Wiesen, die aus der Produktion herausfallen und wo eben Büsche den seltenen Pflanzen Licht und Platz wegnehmen.

Dieses Vorgehen zeigte auch Christian Haupt auf, dessen LPV beständig auf der Suche nach Flächen ist, die es wert sind, wieder hergestellt bzw. in den naturnahen Zustand versetzt zu werden. Dabei hilft der LPV den Besitzern, diese entweder selber wieder zu bewirtschaften oder zahlt andere Landwirte. In jedem Fall würden die Arbeiten bezahlt, betonte Haupt. Pro Fläche können dies einige Tausend Euro sein und unter Umständen werden die Wiesen sogar in das Vertragsnaturschutzprogramm mit aufgenommen. Bis zu 800 Euro pro Hektar gebe es etwa, wenn man die Fläche wieder in die landwirtschaftliche Produktion bringt, was in dem Fall auch aus ökonomischer Sicht gut sei. Als eines der nächsten Beispiele nannte Haupt die Premer Viehweide, die an die Urspringer Viehweide (bei Dessau) grenzt, wo man auf Steingadener Flur entsprechend als LPV ansetzen könnte.

Finanziert wird der LPV aus den Mitgliedsbeiträgen des Landkreises und der Kommunen (30 Cent je Einwohner, Steingaden also ca. 870 Euro pro Jahr), die rund 100.000 Euro ausmachen sowie einer jährlichen Verwaltungskostenpauschale von 40.000 Euro.

Die Mitgliedschaft im LPV bringe den Kommunen sehr viel, so Haupt. So werde die Artenvielfalt gesteigert und das Landschaftsbild verbessert, wenn man die typische Kultur- und Naturlandschaft wiederherstellt oder erhält. Auch der regionalen Wertschöpfung komme der LPV mit dem Zusatzeinkommen für die Landwirte zugute, außerdem generiert der LPV mit seinen Maßnahmen mehr Fördermittel.

In Summe sei der LPV als Dienstleister für die Ökokonten und Kompensations- bzw. Ausgleichsmaßnahmen Ansprechpartner und Berater, sorge für die Abstimmung mit der Naturschutzbehörde und unterstütze die Landwirte bei der Ausschreibung und Vergabe von Arbeiten.

Allein heuer habe man Pflegemaßnahmen für gut 30.000 Euro umgesetzt, etwa das Moor bei Hohenkasten, das Drumlinfeld bei Hardt oder die Moorkette von Peiting bis Wessobrunn und eine Amphibienwanderstrecke bei Wildsteig. Weiterhin würden derzeit acht Kommunen beim Thema Ökokonto/Ausgleichsflächen unterstützt. In nichtöffentlicher Sitzung wollte der Gemeinderat anschließend über das Gehörte debattieren und über einen möglichen Beitritt Steingadens nachdenken.

Oliver Sommer

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