12. bis 15. Juli 2019

Auf geht´s zum 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau

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Die erste Fahne der Schoßbergler wurde 1912 geweiht.

Der Trachtenverein Schloßbergler Schongau richtet heuer das 96. Lechgau-Trachtenfest aus, zu dem alle aus nah und fern herzlich eingeladen sind! Es ist das neunte Gaufest, das die Schongauer in ihrer 111-jährigen Vereinsgeschichte in ihrer Heimatstadt feiern. Und bestimmt nicht das letzte.

Das erste große Fest begingen die Schongauer bereits im Gründungsjahr 1908. Im März dieses Jahres wurde in der „Alten Post“ der Verein „D´Lechthaler“ mit „30 Herren“ gegründet, zwei Monate später in der „Blauen Traube“ ein zweiter Verein, „Die lustigen Wendelstoaner“ mit 40 Mitgliedern. In der Chronik heißt es dazu: „Die Lechthaler waren eher die Schwaben, Kaufleute und Studierten. Die Wendelstoaner waren bayerischer Natur, die Handwerker und Arbeiter.“ Nichtsdestotrotz beging man im September 1908 gemeinsam das erste große Fest des Lechgaus, der ebenfalls in diesem Jahr in Schongau gegründet worden war. Nach zwei Jahren schlossen sich die beiden Schongauer Vereine zum Trachtenverein „Schloßbergler“ zusammen. Fortan reiste man gemeinsam zu den großen Festen an, und nicht mehr wie zuvor getrennt, die „Lechthaler“ mit dem Rad, und die „Wendelstoaner“ im geschmückten Festgespann. 1911 folgte das zweite Gaufest in der Lechstadt, an dem bereits 33 Trachtenvereine und vier Musikkapellen teilnahmen. Es folgten die Gaufeste in den Jahren 1923 und 1933, immer zusammen mit den Jubiläumsfeierlichkeiten des Lechgaus. Nach den Kriegsjahren, die allen Trachtenvereinen eine Neuorientierung abverlangten, feierte man erst wieder 1958 ein Gau-fest zum 50-jährigen Bestehen. Auch die Jubiläen 1968 und 1983 wurden groß gefeiert, 1998 gab es ein Zweitfest, bevor 2008 das Gaufest anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Schongauer Trachtenvereins gefeiert wurde.

Doch nicht nur die Gaufeste haben in Schongaus Trachtenverein eine lange Tradition. Bereits seit Mai 1912 sind die Schloßbergler stolzer Besitzer einer eigenen Fahne, die von einem Seelsorger aus Diemendorf geweiht wurde, weil das Ordinariat in Augsburg der Meinung war, dass „nackerte Knie“ gegen Gottes Gebot verstoßen würden, und so eine Weihe ablehnte. Die Patenschaft übernahm der Trachtenverein „Alpenrose“ Peiting. Dass es die neue Fahne nur drei Wochen später bei einem Fest auf dem Hohenpeißenberg gnadenlos verschneite, schürte bestimmt den Aberglauben des einen oder anderen. Doch dass sich die Schongauer nicht vom Wetter einschüchtern lassen, und immer positiv in die Zukunft gehen, haben sie mehr als einmal bewiesen. So wurde 1953 eine neue Fahne in der Kirche Mariae Himmelfahrt geweiht, Patenverein war erneut „Alpenrose“ Peiting. Doch auch hier lagen Glück und Tragik nah beieinander: Die neue Fahne wurde das erste Mal über dem Grab der erst 19-jährigen Emilie Karrer gesenkt, die kurz vor ihrem Tod die Fahnenbraut gewesen war. 30 Jahre später, zum 75-jährigen Bestehen des Ver-eins, wurde noch einmal eine neue Fahne angeschafft, die von Monsignore Adalbert Keis geweiht wurde, und bis heute im Einsatz ist. Die Patenschaft übernahm der Trachtenverein „Alpengruß“ Wildsteig.

Der Trachtenverein Schloßbergler Schongau und die Stadtkapelle Schongau.

Im Jahr 1935 stellte der Trachtenverein erstmals einem Maibaum auf. Damals hatte der 33 Meter hohe Baum seinen Platz noch vor dem Münzgebäude in der Altstadt, aufgestellt wurde traditionell mit Schwalben. Die drei folgenden Maibäume standen ab 1972 in der Bahnhofstraße, bevor man 1987 an den Schwanenweiher umzog. Dort steht auch der derzeit elfte Maibaum, der im letzten Jahr aufgestellt wurde. Allerdings nicht mehr mit Schwalben, sondern aufgrund des schwierigen Geländes mithilfe eines Autokrans.

Trachtenverein und Schuhplattler – das gehört einfach zusammen. Natürlich auch bei den Schloßberglern. Schon die ersten Vorplattler Luitpold Braun und Mathias Neßlauer räumten beinahe überall die ersten Prei-se ab, wie beim ersten Einzel-Gaupreisplatteln 1925 im Saal der „Blauen Traube“ in Schongau, an dem 60 Buam und 40 Mädla teilnahmen. Bis heute ist die wöchentliche Plattlerprobe fester Bestandteil der Aktiven, und auch der zahlreichen Kinder und Jugendlichen des Vereins.

Auch die Volksmusik und der Gesang haben bei den Schloßberglern eine lange Tradition. Seit 1913 gibt es einen Männerchor, der bereits in seinem Gründungsjahr den ersten Sängerpreis beim Gaufest in Augsburg Oberhausen erhielt, unter der Leitung von Hans Keller. Bis heute bereichert der Chor, der seit über 30 Jahren von Walter Wölfle geleitet wird, beinahe je-de Veranstaltung des Vereins, und ist gern gesehener Gast bei Konzerten. Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Volksmusik- und Gesangsgruppen innerhalb des Vereins, die viele Feste musikalisch umrahmten, und bei regelmäßigen offenen Musikantenstammtischen, Hoagarten und zahlreichen Veranstaltungen ihr Können unter Beweis stellen konnten und können. „D´Jungen Schloßbergler“ sind derzeit die jüngste Musikgruppe im Verein, und spielen bei vielen Veranstaltungen zünftig auf.

Dass der Trachtenverein Schloßbergler Schongau gerne feiert, lässt sich bereits in einem Zeitungsartikel vom August 1919 nachlesen: „Gestern Nachmittag veranstaltete der hiesige Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Schloßbergler auf dem Rößlekeller ein großes Sommer-fest, verbunden mit historischen Tänzen und Gesangsvorträgen.“ Auch die Stadtkapelle Schongau war bei „herrlichem Wetter“ schon mit von der Partie – eine Freundschaft, die bis heute hält. „Da nicht alle Gäste eine Sitzgelegenheit finden konnten“, heißt es weiter, „lager-te man sich um eine frische Maß.“ Dass dies seit 1965 nicht mehr passiert, ist der Gewitztheit des damaligen Vorstands Her-mann Dietrich, seinen fleißigen Mitstreitern und großzügigen Spendern zu verdanken: Sie schafften es, auf den Ruinen des ehemaligen Schützenlokals auf dem Helgoland ein eigenes Vereinsheim zu bauen, das bis heute die Heimat der Schloßbergler ist. Dort ist jeder zu den großen Festen wie beispielsweise dem jährlichen Waldfest und Weinfest herzlich willkommen, denn die Schloßbergler sind keine „geschlossene Gesell-schaft“, sondern fest im gesellschaftlichen Leben Schongaus verankert, und aus diesem nicht mehr wegzudenken. Sie nehmen jedes Jahr an der Fronleichnamsprozession teil und laden im Anschluss zum Stadt-fest, das ausnahmsweise nicht auf dem Helgoland, sondern in Schongaus Altstadt ausgerichtet wird. Zusammen mit der Stadtkapelle Schongau, die bei fast jedem Fest der Trachtler schneidig aufspielt. Wie auch beim an-stehenden Gaufest als Festkapelle.

Der Trachtenverein Schloßbergler Schongau hat zum 96. Lechgau-Trachtenfest ein wunderbares Programm zusammengestellt, und lädt alle recht herzlich ein dabei zu sein und mitzufeiern:

Am Freitag, 12. Juli, laden die Schloßbergler alle herzlich ein zum Boarischen Tanz ins Festzelt auf dem Schongauer Fest-platz an der Lechuferstraße. Wer nicht so gern tanzt, darf auch einfach den spitzenmäßigen Kapellen zuhören, die an diesem Abend schneidig aufspielen. Mit den „Brauhaus Musikanten“ holen die Schongauer die Gewinner des „Grad Prix der Blasmusik 2017“ in die Lechstadt. Mit ihrer anspruchsvollen Blasmusik begeistern die 19 Allgäuer mittlerweile bis weit über die heimische Region hin-aus, treten sogar bei internationalen Blasmusikfestivals auf und sorgen immer für beste Stimmung. Für diese ist auch die zweite Kapelle an diesem Abend bekannt: Die „Schwindlig Blos“. Seit 15 Jahren überzeugen die Lokalmatadoren aus dem Auerberger Land mit ihrer traditionellen, bayerisch-böhmischen Tanzlmusik, Märschen und vor allem ihrer unbändigen Freude am Musizieren. In den Tanzpausen stellen die Steingadner Goaßler ihr Können unter Beweis. Zu späterer Stunde spielen die drei Burschen von der „Dreieckmusi“ in der Bar auf. Die Träger des Kulturförderpreises des Landkreis Landsberg sind ein Garant für schneidige Musik, die sie zum größten Teil selbst komponieren. Beginn: 20 Uhr.

Der Samstag, 13. Juli, beginnt um 18.30 Uhr mit einem Standkonzert auf dem Schongauer Marienplatz mit der Stadtkapelle Schongau, der Musikkapelle und dem Trommlerzug aus Rottenbuch. Anschließend findet der Heimatabend ab 20 Uhr im Festzelt statt, mit Platt-lern und Tänzen der Lechgauvereine, musikalisch begleitet von der Stadtkapelle Schongau. Im Anschluss spielt die Brotzeitmusi in der Bar auf. Die jungen Musikanten aus Schwangau haben schon jetzt Fuß in der traditionellen, boarischen Volksmusik gefasst und sind gern gesehene Gäste auf Hütten, in Bierzelten und auf Blasmusikfestivals.

Lechgau-Trachtenfest in Schongau: Impressionen

Festzug zur zweiten Fahnenweihe 1953 durch die Schongauer Altstadt. © fkn
Eine der ersten Jugendgruppen in den 50er Jahren. © fkn
Der Festausschuss des 96- Lechgau-Trachtenfests. © fkn
Die Plattlergruppe der Schloßbergler © fkn
Die Jugend-Plattlergruppe der Schloßbergler © fkn
Der Trachtenverein Schloßbergler Schongau und die Stadtkapelle Schongau 1968 vor dem Trachtenheim auf dem Helgoland. © fkn
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Der große Festsonntag, 14. Juli, beginnt um 9 Uhr mit dem Kirchenzug zum Marienplatz, auf dem um 9.30 Uhr der große Festgottesdienst abgehalten wird. An-schließend geht es ins Festzelt, wo die Knappschafts- und Trachtenkapelle Peiting zum Frühschoppen aufspielt. Um 13.30 Uhr startet der große Festzug (Aufstellung in der Bauern-gasse und der Kirchenstraße) durch die Schongauer Altstadt mit knapp 4000 Trachtlern aus 40 Vereinen, 13 Festwägen, 21 Musikkapellen und sieben Trommlerzügen. Nach den Ehrentänzen im und am Festzelt sorgt die Lechgaukapelle für die musikalische Unterhaltung, bevor um 20 Uhr die offizielle Festmusik, die Stadtkapelle Schongau, schneidig zum Festausklang aufspielt. Danach gibt es wieder zünftige Livemusik in der Bar mit der „Dreieckmusi“.

Als besonderes Schmankerl gibt es beim diesjährigen Lechgau-Trachtenfest einen „Gaufestmontag“ am 15. Juli, mit Trachtenmarkt, Konzert und kulinarischen Genüssen. Ab 17 Uhr bieten 34 Aussteller aus nah und fern hochwertige Produkte rund um Tracht, Tradition und Boarisch Gwand in einem Teil des Festzelts an. Im anderen Teil sorgen zuerst die jungen Musiker der „SteiPei Musik“, „D´Jungen Schloßbergler“, die Singkinder der Trachtenjugend und die „BrassBoyz“, und da-nach die super „Kapelle So&So“ für beste musikalische Unterhaltung. Die sechs Burschen aus dem Rupertigau, dem Pinzgau und dem Inntal sind echte Voll-blutmusikanten, die alles spie-len, was Spaß macht, ganz gleich ob Volksmusik, Reggae oder Klassik. Der Festwirt kredenzt dazu frisches Kessel-fleisch, aber natürlich auch andere Gerichte. Der Eintritt am „Gaufestmontag“ ist frei!

Ein schönes, vielfältiges Programm, bei dem bestimmt für je-den, ob Trachtler oder nicht, et-was dabei ist. Der Trachtenverein Schloßbergler Schongau freut sich auf viele, gut gelaunte Gäste. Alle sind herzlich eingeladen!

Da es in Schongau keine große Wiese gibt, auf der man parken kann, bittet die Vorstandschaft alle Gäste, die ausgeschriebenen Parkplätze zu nutzen und ein bisschen mehr Zeit einzuplanen. Diese sind am Köhlerstadl (Fanschuhstraße), am Jakob-Pfeiffer-Haus, beim Lidl (Bahnhofstraße), beim Dänischen Bettenlager (Kastanien-weg), im Buchenweg und bei der Kristall Auto SB Waschanlage (Bahnhofstraße, Ecke Lechuferstraße). Die Busse fahren den großen Parkplatz des V-Markts an.

Das 96. Lechgau-Trachtenfest in Schongau wird Ihnen präsentiert von:

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