Projektbetreuerpreis von Jugend forscht

Auszeichnung auf hoher See

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Anerkennung für „herausragendes Engagement“: Mathe- und Physiklehrer Klaus Muthsam erhielt seine Urkunde auf dem Schiff „Color Magic“.

Schongau – Dass Schüler des Welfen-Gymnasiums Preise bei Jugend forscht abräumen, ist längst keine allzu große Neuheit mehr. Bei der Ehrung, die der Nachwuchswettbewerb nun vornahm, stand aber ein anderer im Mittelpunkt: Klaus Muthsam, Mathe- und Physiklehrer an der Schongauer Schule, wurde für seine Verdienste ausgezeichnet. Der Ort der Urkunden-Übergabe war dabei ein ganz besonderer.

Einige Tage ganz nach seinem Geschmack hat Muthsam hinter sich. „Es war richtig cool, so hofiert wird man selten“, blickt der Pädagoge auf Anfang Oktober an Bord der „Color Magic“ zurück. Die Zeit auf dem offiziell als Fähre firmierenden Schiff habe ihn eher an eine Kreuzfahrt erinnert, sei doch wirklich alles vom Feinsten gewesen.

Zur Erholung war der 45-Jährige aber keineswegs unterwegs auf den Gewässern zwischen Kiel und Oslo: Als einen von deutschlandweit nur 84 (bayernweit elf) Teilnehmern hatte ihn das Unternehmen CTS – Sponsor von Jugend forscht – auserkoren, an der große Fahrt teilzunehmen. Auf dem Programm stand unter anderem die Verleihung des Projektbetreuerpreises 2017.

Mit ihrem „herausragendem Engagement“ hätten sich die Geehrten, darunter auch Muthsam, um den Wettbewerb Jugend forscht verdient gemacht und dabei „intensive und nachhaltige Betreuung“ geleistet, heißt es in einer Pressemitteilung. Erstmals überhaupt hatte CTS, das in der Vergangenheit Schulpreise stiftete, auf eben diese verzichtet und stattdessen die Betreuer in den Fokus gerückt.„Es war richtig schick auf der Color Magic“, freut sich Muthsam.

„Urlaub war es aber nicht.“ Denn ähnlich wie im Schul-Alltag war der Stundenplan prall gefüllt: „Es haben durchgehend Workshops stattgefunden“, so der 45-Jährige, der gern „mehrere davon parallel besucht“ hätte. Der Grund: Deren Leitung hätten einige echte Größen der Wissenschaft inne gehabt. „Da war richtig viel Kompetenz an Bord.“ Und auch hier herrschte keine Spur von Konferenz-Mief. Von wegen Kaffee, Kekse und daneben eine Sammelbüchse – auch hier klotzten die Verantwortlichen, statt zu kleckern.

Reger Austausch

Ihre Idee hinter der Veranstaltung: Einige Stützen von Jugend forscht – miteinander ins Gespräch zu bringen, Input zu liefern und zu vernetzen. „Man hat sich Meinungen von der Basis eingeholt“, freut sich Muthsam über die Chance, sich aktiv einzubringen. Denn einige spannende Ideen – beispielsweise eine Schülerakademie – blickten ihrer Umsetzung entgegen.

Den Fuchstaler selbst hatte die Begeisterung – der Virus, wie er es liebevoll nennt – für Jugend forscht während seiner Zeit als Schüler noch nicht gepackt. Erst als Referendar kam es durch Zufall zu Berührpunkten mit dem Wettbewerb. Im Jahr 2003 betreute der junge Lehrer einen pfiffigen Schüler, der sein Projekt beim Physiktag an der Uni vorstellte. Die Fachleute zeigten sich angetan und gewannen das Gespann für Jugend forscht.

Seitdem ist Muthsam mit seinen Schützlingen und bis vor zwei Jahren als Juror dort Dauergast. Mit seiner Begeisterung für den Wettbewerb punktete der Lehrer auch bei den Vorstellungsgesprächen, die ihn ans Welfen-Gymnasium führten. Dessen damaliger Leiter Wolfgang Gebler war gerade dabei, den hiesigen Regionalwettbewerb zu etablieren, als Muthsam bei ihm vorstellig wurde.

Seitdem gilt die Schongauer Schule als echte Talentschmiede für Jugend forscht. Wobei Muthsam als eine der wichtigsten Triebfedern nichts davon hält, zu verbissen an die Sache ran zu gehen: „Schau ma mal“, lautet seine Einschätzung dazu, ob sich aus der diesjährigen Erfinderwerkstatt, die das WGS anbietet, ein oder mehrere Projekte für die Einreichung empfehlen. Auch im Robotik-Kurs der sechsten Klassen tummelten sich häufig Talente, die es aber auch im ganz normalen Unterricht zu entdecken gäbe. Denn bei aller Lockerheit: Die Aussicht darauf, erstmals ein Projekt bis hin zur Bundesebene zu betreuen, reizt den 45-Jährigen schon. Bisher ist dieses Kunststück noch nicht geglückt.

Den "Virus" in der Familie

Möglicherweise findet sich sogar ein Anwärter in der eigenen Familie: Sohn Lukas – ebenfalls mit dem „Virus“ infiziert – hat schon zweimal an Jugend forscht teilgenommen und dabei einen 2. Platz auf Landesebene sowie einen TÜV-Sonderpreis abgeräumt. „Klar, dass man da ein wichtiger Gesprächspartner und Betreuer ist“, sagt Muthsam, der seinem Sprössling diesbezüglich aber eine „lange Leine“ lässt. „Er soll das von sich aus machen; ich will nicht, dass jemand das Gefühl hat, der Papa mische hier selber mit,“ so der Fuchstaler, der aus diesem Grund auch den Part des Jurors abgegeben hat.

Seinen verwaisten Platz im Kampfgericht nahm direkt eine ehemalige Schülerin von ihm ein, die gemeinsam mit Muthsam im Zuge eines früheren Projekts sogar mit der Großforschungseinrichtung CERN zusammen arbeitete. Spannende Einblicke – und schöne Momente. „Jugend forscht verbindet schon“, sagt der engagierte Lehrer, der sich immer freut, etwas von seinen ehemaligen Schützlingen zu hören. Der Virus, er schweiße zusammen. Auch mit einigen Teilnehmern der Fahrt auf der Color Magic. „Da werde ich sicher mit einigen per Mail in Kontakt bleiben.“

ras

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