Eröffnungsfahrt am vergangenen Samstag

Leinen los: Schongauer Lechfloß ist in die Saison gestartet

Die Eröffnungsfahrt mit dem historischen Handelsfloß war für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis. Bürgermeister Falk Sluyterman (stehend links) zeigte sich wie bereits bei der Jungfernfahrt am 3. August 2017 beeindruckt. Rechts neben ihm Floßführer Reinhold Jaser, Floßführerchef Alois Sporrer und die Floßführer René Repper und Siegfried Schmid.
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Die Eröffnungsfahrt mit dem historischen Handelsfloß war für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis. Bürgermeister Falk Sluyterman (stehend links) zeigte sich wie bereits bei der Jungfernfahrt am 3. August 2017 beeindruckt. Rechts neben ihm Floßführer Reinhold Jaser, Floßführerchef Alois Sporrer und die Floßführer René Repper und Siegfried Schmid.

Schongau – Am vergangenen Samstag war es endlich wieder soweit. Ursula Diesch, die Leiterin der Schongauer Tourist Info konnte zum Start der diesjährigen Floß-Erlebnisfahrten einige auserkorene Gäste beim Bootshaus am Schongauer Lechsee willkommen heißen.

Nachdem alle mit Mund-Nasenbedeckung und gebührendem Abstand zueinander auf dem historischen Fernhandelsfloß einen Platz gefunden hatten, hieß es schon bald nicht nur „Masken ab“, sondern auch „Leinen los“ zum Start in die nunmehr fünfte Floßfahrtsaison.

Gleich vier Angehörige des insgesamt bestens ausgebildeten fünfköpfigen Flößerführerteams rund um Floßfahrt-Chef Alois Sporrer hatten zuvor alle nötigen Vorbereitungen für eine erfolgreiche erste Fahrt ins Schongauer Floßjahr 2021 getroffen.

Zahlreiche Gäste bei bestem Wetter

Noch vor einiger Zeit hatte man aufgrund der Coronalage mit Spannung darauf gewartet, ob man überhaupt mit dem Floß fahren wird dürfen. „Aber jetzt ist es soweit, wir dürfen fahren. So wie im letzten Jahr mit 30 Teilnehmern“, freute sich Ursula Diesch.

Zu den Gästen, die sie noch vor dem Ablegen zu der wie schon in den Jahren zuvor gut eineinhalbstündigen Fahrt nochmals offiziell begrüßte, gehörten neben Bürgermeister Falk Sluyterman gleich mehrere Mitarbeiter des Tourismus der Stadt. Sowohl Stadtführer als auch Floßbegleiter sowie Tagesbegleiter im Pfaffenwinkel hatten die Möglichkeit zur Teilnahme sehr gerne angenommen. Weiterhin waren die ansonsten mit der bisweilen sehr zeitaufwendigen Organisation der Fahrten betrauten Mitarbeiterinnen der Tourist Info an Bord. Für Dr. des. Jürgen Erhard und Mathias Haunstetter bot die Teilnahme die Möglichkeit, sich als Kreisheimatpfleger respektive Gebietsbetreuer Lebensraum Lechtal e.V. zu erkennen zu geben. Beide nehmen die jeweilige Aufgabe erst seit kurzem wahr. Neben weiteren namentlichen Begrüßungen freute sich Ursula Diesch Last but not least, auch Professor Dr. Karl Filser an Bord begrüßen zu können. Einer seiner Forschungsschwerpunkte, so die Leiterin der Tourist Info sei die Geschichte der Flößerei auf Bayerns Flüssen, insbesondere auf dem Lech. Der in Augsburg lebende, aber in Apfeldorf aufgewachsene und mit dem Lech verbundene Professor war in Begleitung von Heide Krauthauf, der Vorsitzenden des Historischen Vereins an Bord gekommen und hatte hernach den anderen Gästen viel Wissenswertes zur Lechflößerei zu erzählen.

Sanft und attraktiv

Genauso gemütlich und beschaulich wie sich das etwa 18,5 Meter lange und sechs Meter breite historische Fernhandelsfloß mit seinem 30 PS starken Außenbordmotor und gleich vier – anstatt der bei touristischen Fahrten üblichen zwei – Floßführern anschließend seinen Weg stromaufwärts bis Flusskilometer 132,2 auf Höhe Rossau bahnte, zeigte sich auch das zuletzt oft recht unberechenbare Wetter. Die Temperatur war sommerlich mild und es war weder zu warm noch zu kühl. Und auch ein mitunter unangenehmer Fahrtwind blieb den Teilnehmern angesichts des maximalen „Tempos“ von sechs Kilometer pro Stunde erspart. Genau das war seinerzeit die Intension zum Bau eines Lechfloßes gewesen. Man wollte ein attraktives Angebot für den sanften Tourismus schaffen, das nicht auf möglichst viel Tempo und Halligalli ausgerichtet war. Hans Hartung, der ebenfalls bei der Fahrt dabei war, hatte lange für dieses Projekt gekämpft und sich hernach bei der Umsetzung und den danach beginnenden Einsätzen sehr wirkungsvoll engagiert. Von Anfang an war ihm wie auch allen anderen Beteiligten wichtig gewesen, vergnügte, gleichwohl aber auch eher ruhige Exkursionen mit fachkundigen Floßführern und Floßbegleitern durchzuführen. Als die Stadt diesem Anspruch folgend den Antrag bei LEADER eingereicht hatte, wurde dieser als förderwürdig anerkannt und mit annähernd der Hälfte der für den Bau des Floßes, des An- und Ablegestegs sowie für die Floßausrüstung (Rettungswesten, Tour Guide System etc.) anfallenden Kosten mit EU-Mitteln unterstützt.

Mit dem sanften Tourismus möchten alle Beteiligten den Fahrgästen sowohl die Natur erlebbar machen als auch die Geschichte der Flößerei als Teil der Schongauer Stadtgeschichte ein Stück näher bringen. Und genau diesem Anspruch folgend heißt es auch im heurigen fünften Jahr wieder „Leinen los!“.

»Ein schöner Tag«

Zum ersten Mal erfolgte das Kommando „Leinen los!“ übrigens am 3. August 2017. „Es war ein schöner Tag“, konnte sich Falk Sluyterman erinnern, der bei der Jungfernfahrt seinen 48. Geburtstag beging. Gemeinsam mit ihm war bei der allerersten Fahrt auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß dabei. Des Weiteren hatten neben Behörden- und Pressemitarbeitern auch Vertreter der LEADER-Bewilligungsbehörden, des Tourismusverbands Pfaffenwinkel, Fraktionsvorsitzende, Stadtführer, Kreisheimatpfleger und Gebietsbetreuer von Lebensraum Lechtal teilgenommen, konnte sich Ursula Diesch erinnern. Und auch Stadtpfarrer Norbert Marxer, der dem Anlass entsprechend sowohl das Floß als auch gleich alle darauf befindlichen Gäste gesegnet hatte, war dabei.

Zahlen sprechen für sich

Seit besagtem 3. August 2017 sind bis zum Ende der Saison 2020 respektable 216 Fahrten mit insgesamt 7.018 Fahrgästen absolviert worden. Zwei Zahlen, die den Erfolg des Projekts eindrucksvoll unterstreichen. In der aktuellen Saison, die bereits einen Tag nach der Eröffnungsfahrt, also am zurückliegenden Sonntag einsetzte, sind 45 Fahrten geplant. Ursula Diesch ist aber überzeugt davon, dass neben den bis Ende September geplanten jeweils zwei Fahrten an den Sonntagen (Start jeweils um 14 und um 16 Uhr) noch zusätzliche Sonntagsfahrten sowie einige Gruppenbuchungen hinzukommen.

Wachsendes Interesse bei Jugendlichen

Neben den obligatorischen Radwandergruppen, die Gruppenbuchungen vornehmen, freut sich die Tourist Info besonders darüber, dass die Floßfahrt zunehmend auch Interesse bei Schulklassen und Jugendgruppen findet. Und zu den von Kornelia Funke begleiteten und unter dem Motto „Mit dem kleinen Wassermann auf dem Schongauer Lechfloß“ stehenden Kinderfloßfahrten am 6. August um 15 Uhr und am 14. August um 10 Uhr ist bereits jetzt wegen des großen Interesses noch eine dritte Fahrt vorgesehen. Natürlich ist immer die ganze Familie zu diesen Fahrten herzlich willkommen.

Der Professor und die Lechflößerei

Während der gemeinsamen Eröffnungsfahrt erzählte Professor Filser den Teilnehmern mit Unterstützung des bei allen Fahrten für eine zuverlässige und direkte Kommunikation sorgenden Tour Guide Systems einiges zur Lechflößerei in den zurück liegenden Jahrhunderten. Und wem schon beim Anblick des historischen Floßes am Lechsee das Herz vor Freude ein wenig übergeht, der mag sich anhand der umfassenden Erläuterungen von Karl Filser in seiner Phantasie unter anderem ins Jahr 1864 zurückversetzt gefühlt haben, als man über 1.800 Flöße mit Transportgütern auf dem Lech zählen konnte. Beladen waren diese unter anderem mit Stämmen, Scheitholz, Gipsstein, Tuffstein, Schlachtvieh, Kohlen, Pech, Zink und zahlreichen Kaufmannsgütern. Hinzu kamen als kleinere Fuhrwerke aus zersägten Bäumen zudem noch über 2.000 Flitschen. Über zwei Jahrhunderte zuvor, um das Jahr 1600 herum waren es sogar etwa 3.500 Flöße gewesen. Und auch die Militärflößerei hatte früher nicht nur auf der Donau, sondern auch auf dem Lech eine wichtige Rolle gespielt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die Nachrichten über das militärische Betätigungsfeld der Lechflößer aber allmählich versiegt. Das Floßaufkommen, so Professor Filser zum Ende seiner historischen Floßzeitreise, ging in den folgenden Jahren stetig zurück. Im Jahr 1896 kamen mit 510 letztmalig mehr als 500 Flöße in Augsburg an, davon 144 den Lech abwärts gefahrene. Die von dem stärksten bekannten Hochwasser des Lechs im Jahr 1910 entlang des gesamten Flusses, hauptsächlich aber in Augsburg verursachten großen Schäden dezimierten das bereits zuvor stetig zurück gegangene Aufkommen noch abrupter und schon im Jahr 1915 kamen überhaupt keine Flöße mehr in der Stadt an.

Falk Sluyterman nutzte an den Vortrag von Professor Filser anknüpfend die Gelegenheit, nochmals auf die früher einmal große wirtschaftliche Bedeutung des Lechs für Schongau hinzuweisen. Durch das Lechfloß werde dieses Bewusstsein ein Stück aufrechterhalten, so der Bürgermeister weiter. Mit leeren Händen war er auch nicht gekommen. „Da ist was drin, was zum Lesen und zweimal was zum Trinken“. Dazu gehörte auch „eine Flasche von unsrem Schongauer Wein“, die in Anspielung auf einen Passus in dem Vortrag zu früher einmal verbotenen Trinkgenüssen aber „unangetastet“ sei. Er nutzte die Gelegenheit auch, sich bei all denen zu bedanken, die dazu beitragen, dass diese Fahrten stattfinden können und wünschte für die bevorstehenden drei Monate „Bürgermeisterwetter“, stets unfallfreie Fahrten und übertragen auf das Floß, dass es niemals auf Grund laufen möge „stets eine Handbreit Kiel unter dem Wasser“.

Auch im fünften Jahr bleiben die Preise für die Floßfahrttickets stabil. Erwachsene zahlen auch in diesem Sommer 15 Euro, Kinder von sechs bis 15 Jahre 10 Euro. Familien mit eigenen Kindern bis 15 Jahre sind mit 35 Euro dabei.

Der Start- und Zielpunkt der jeden Sonntag jeweils zur vollen Stunde um 14 und 16 Uhr geplanten Fahrten befindet sich am Bootshaus am Schongauer Lechsee in der Lechuferstraße 35. In diesem Jahr neu ist der kostenfreie Shuttlebus, der vom Parkplatz in der Fanschuhstraße um 13.15 Uhr, 13.30 Uhr sowie um 15.15 Uhr und 15.30 Uhr alle angemeldeten Floßgäste in die Lechuferstraße bringt. Zurück geht’s nach den Fahrten um 16 Uhr und um 16.15 Uhr sowie um 18 Uhr und um 18.15 Uhr. Bei zusätzlichen Floßfahrten sollen weitere Shuttlefahrten angeboten werden. Neben der Empfehlung, festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung zu tragen, sollten die Teilnehmer auf jeden Fall eine Mund-Nasen-Bedeckung dabeihaben. Nach der Floßfahrt lädt auch das Bootshaus zur Einkehr ein.

Erwähnt sei auch, dass ein hoher Sicherheitsstandard beim Schongauer Lechfloß eine Selbstverständlichkeit ist. Es wird alle zwei Jahre durch den TÜV überprüft und erst nach einem intensiven Check in Sachen Sicherheit als Wasserfahrzeug freigeben. Alle vier Jahre wird es gegen ein neugebautes natürlich ebenfalls vor dem ersten Einsatz durch den TÜV freigegebenes Floß ersetzt.

mel

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