Energie aus Müll

Letzte Arbeiten an der Presswasservergärungsanlage in Erbenschwang

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Voraussichtlich im September kann die Presswasservergärungsanlage bei der Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft in Vollbetrieb gehen.

Erbenschwang – Noch im September soll die neue Presswasservergärungsanlage bei der Abfallverwertung Erbenschwang ihrer Bestimmung übergeben werden. Derzeit ist die im vergangenen Spätherbst aufgebaute „Biogasanlage“ noch im Probebetrieb und es werden die Abläufe justiert. Bereits jetzt aber versorgt die Anlage die Abfallentsorgung in Erbenschwang mit Energie, die sich sogar speichern lässt.

Wo noch vor einem Jahr „grüne Wiese“ war, erhebt sich heute eine weltweit einzigartige Anlage: Mit Hilfe von Bakterien wird aus den bislang nicht verwerteten Resten des Resthausmülls Energie erzeugt. Im Juni 2018 berichteten Holger Poczka und Fritz Raab im Rahmen des obligatorischen Pressegesprächs von dem Pilotprojekt, das sogar vom Bundesministerium für Wissenschaft unterstützt wird.

Um den Restmüll, der schon jetzt in Wertstoffe, die Ersatzbrennstoffe und das Deponat getrennt wird, noch besser nutzen zu können, wolle man die so genannte Presswasservergärungsanlage bauen, erklärte Geschäftsführer Raab seinerzeit. Nun war es an seinem Stellvertreter Holger Poczka, einen Überblick auf den Projektstand zu geben. Herzstück der Anlage sind die Fermentertürme, in denen auf biologischem Weg das Gas produziert wird, dazu ein Blockheizkraftwerk, ein Rührwerk und der Gasbunker. Man sei in der Phase des „Einfahrens“ der Anlage, erklärt Projektleiter Holger Poczka. Wie erwähnt, ist die Anlage bislang einmalig, weshalb es bislang auch keine Erfahrungswerte gibt. „Wir lernen die Prozesse kennen und sind dabei, die Abläufe zu optimieren“.

In mehreren Stufen wird der mit Wasser versetzte Restmüll den Bakterien zum Fraß vorgeworfen, abhängig von der Siebgröße, wird der „mineralische“ Anteil – Glasscherben, Steinchen oder Keramikbruchstücke – in den Fermentertürmen ausgesondert, weil dieser nicht biologisch abbaubar ist und die wässrige Lösung zum Gären gebracht. Dann entsteht das Gas, das im Blockheizkraftwerk bzw. dem „Gasmotor“, verstromt wird. Als Methangas ist die Energie speicherbar, zumindest solange der Gasbunker noch nicht voll ist. Im Grunde genommen ist die Anlage eine Biogasanlage, erklären Poczka und Raab, nur dass man anstatt pflanzlicher Stoffe (etwa Mais) Müll verwendet. Auch deshalb gibt es eine gute Million Euro Förderung vom Umweltministerium und obgleich bereits neue Investitionen anstehen, halte man die geplante Gesamtinvestition von 4,2 Millionen Euro, sagt Poczka.

Seit Mai produziert die Anlage, die mit dem bislang nicht mehr genutzten Restmüll gespeist wird, Energie; bis heute habe das BHKW so rund 145.000 Kilowattstunden Strom produziert. Diese Menge würde reichen, um 36 Vier-Personenhaushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Und zusammen mit den eigenen Photovoltaikanlagen deckt die Anlage gut 75 bis 80 Prozent des Strombedarfs der EVA. Das sei, so Raab, „sehr erfreulich“.

Bis die Abnahme der Anlage erfolgt, ist die Herstellerfirma ­SUTCO der Betreiber. „Wir unterstützen den Erprobungsbetrieb“, so Poczka, „um zu lernen, wie die Anlage gesteuert werden muss“. Etwa die Siebung der Restmüllfraktion. „Manche Erfahrungen machen wir jetzt erstmalig“. So auch mit dem aggressiven und explosiven Schwefelwasserstoff, der bei der Gärung entsteht und vor der Verstromung herausgefiltert werden muss. Derzeit übernimmt das ein Aktivkohlefilter, man werde aber in Kürze einen Biofilter einbauen. Auch hier beschreitet man in Erbenschwang Neuland. So wird die Firma Züblin den Filter liefern, in dem schwefelliebende Bakterien ihre Arbeit verrichten werden. Wenn alles gut geht, fällt dann der zweimonatige und kostenintensive Wechsel des Aktivkohlefilters weg.

Noch bis Ende 2020 begleitet eine Doktorandin der Uni Rostock den Betrieb und analysiert alle Prozesse, teils vor Ort, teils im Universitätslabor; regelmäßig entnehme man Proben die nach Rostock gebracht werden, so Poczka. Erste Ergebnisse zeigten, dass die Werte denen anderer Biogasanlagen entsprächen und alle Prozesse stabil ablaufen würden. Man sei dabei, auch im Interesse der Herstellerfirmen, das Optimierungspotenzial zu erörtern und die Stoff- und Kohlenstoffdioxid-Bilanz zu erarbeiten. Schon jetzt lasse sich sagen, dass durch die Eigenstromnutzung auch die Kohlenstoffdioxid-Emission bezogen auf die Bürger im Landkreis zurückgehe. „Wir haben zu bestimmten Zeiten mehr Strom ins Netz eingespeist als bezogen“, sagt Raab. Durch die neue Anlage wird der „Restmüll“ wieder ein Stück mehr erschlossen. Und angesichts der Möglichkeiten bleibe „das ein spannendes Feld“, ist sich Fritz Raab sicher.

Im Moment werden noch kleinere Arbeiten, etwa für die Arbeitssicherheit, vorgenommen. Vor der Endabnahme muss auch noch der Explosionsschutz geprüft werden. Schon jetzt wurden die umliegenden Feuerwehren mit der Anlage vertraut gemacht. Voraussichtlich Ende September wird die Anlage in den Vollbetrieb gehen.

gau

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