Wer ist in Schongau für nicht vom Kindergarten abgeholte Kinder zuständig?

Gespräch zwischen Stadt, Polizei und Landratsamt bringt Klarheit

+
Stadtverwaltung, Polizei und Jugendamt haben sich bei einem gemeinsamen Termin auf einen Notfallplan verständigt. Nun muss erneut der Stadtrat über die umformulierte Kindergarten-Satzung entscheiden.

Schongau – Wie haben sich Erzieherinnen zu verhalten, wenn ihre Schützlinge nicht aus Krippe oder Kindergarten abgeholt werden? Dieses Thema beschäftigte Mitte Dezember den Schongauer Stadtrat und wird es in Kürze wieder tun: Denn Stadt, Polizei und Jugendamt haben sich bei einem gemeinsamen Gespräch darauf verständigt, dass die Formulierung in der entsprechenden Satzung nochmals zu ändern sei.

Schon im alten Jahr hatte das Thema den Stadtrat auf Trab gehalten. Bei der Verabschiedung einer überarbeiteten Satzung für die städtischen Kindergärten und -krippen, also die Einrichtungen in der Wilhelm-Köhler-Straße, Thanellerstraße, der Bahnhofstraße und im Gartenweg, hatten einige Stadträte ihre Skepsis gegenüber dem Vorschlag der Verwaltung zum Ausdruck gebracht, dass Kinder, die nicht abgeholt werden, der Polizei anzuvertrauen seien.

Kontroverse Diskussion

Hauptamtsleiterin Bettina Schade hatte von einem damals aktuellen Fall berichtet, bei dem die Erzieherin zwei Stunden auf Kohlen saß, ehe ein Elternteil auftauchte. „Das ist nicht zumutbar“, fand sie seinerzeit. Unter anderem Michael Eberle (CSU) und Bettina Buresch (ALS) konnten sich mit der Vorstellung eines verängstigten Kindes auf der Polizeiwache gar nicht anfreunden. Erst der Vorschlag Gregor Schuppes (ALS), vor der Polizei erst einmal das Jugendamt zu verständigen, brachte dem Gremium einen Konsens, der mit 19:1 Stimmen befürwortet wurde.

Doch vom Tisch war die Angelegenheit noch lange nicht. Herbert Kieweg, Chef der Schongauer Polizei, sah sich überrumpelt und seine Kollegen nicht in der Pflicht; auch Johannes Lehnert, Leiter des Familienbüros beim Amt für Jugend und Familie sowie Familienbeauftragter beim Landratsamt in Weilheim, wunderte sich mangels vorher getroffener Absprache: Man verfüge gar nicht über entsprechende Kapazitäten.

Der entsprechende Passus im ersten Satzungsentwurf sei allerdings auf Basis eines schon bestehenden internen Notfallplans erstellt worden, den auch das Landratsamt bei seinen Schulungen „genau so“ kommuniziere, stellt Schade dar.

Unter dem Strich stand im Dezember fest, dass alle Beteiligten Redebedarf sahen. „Ein entsprechendes Gespräch hat mittlerweile stattgefunden“, bestätigt Kieweg. Das erarbeitete Zwischenergebnis sieht so aus: Wird ein Kind nicht abgeholt und die Wartezeit unzumutbar lang, verständigt die Leitung des Kindergartens oder der Krippe die Stadtverwaltung. „Das ist die ultima ratio“, macht Lehnert klar. Also das Vorgehen, das im „absolut absolut absoluten Notfall“ greift, so Schade.

Lehnert erklärt: „Die Stadt als Trägerin der Einrichtungen wird dafür ihre entsprechenden Ressourcen ausschöpfen und für eine entsprechende Bereitschaft sorgen.“ Danach wende sich der benachrichtigte Verwaltungsangestellte an Polizei und Jugendamt, die in enger Abstimmung das weitere Vorgehen berieten.

Eine Möglichkeit, die Polizei außen vor zu lassen, gebe es nicht, sagt Schade. „Wir als Stadtverwaltung haben ja auch gar keine Chance zu ermitteln, wieso es zu der Verzögerung kam.“

Eine gemeinsame Lösung zwischen den involvierten Vertretern der Stadt, Polizei und des Jugendamts zu erzielen, sei schnell über die Bühne gegangen, stellt Lehnert dar, der von „vollem Konsens“ spricht. „Eigentlich war das gar kein großes Thema.“

Letztes Wort beim Stadtrat

Nächster Schritt ist nun eine neuerlich veränderte Ausgestaltung der Kindergarten-Satzung, die dann bei einer der anstehenden Satzungen abermals dem Stadtrat vorgelegt wird. „Denn letztlich ist es dessen Entscheidung, wie die Formulierung auszugestalten ist“, erklärt Schade.ras

Auch interessant

Meistgelesen

Nachzügler Deckschicht 
Nachzügler Deckschicht 
Abschied von der "schönsten Kaserne Deutschlands"
Abschied von der "schönsten Kaserne Deutschlands"
Messerattacke wegen eines Bobbycars
Messerattacke wegen eines Bobbycars
Erst laue, dann volle Kneipennacht
Erst laue, dann volle Kneipennacht

Kommentare