Luftreiniger: So haben Schongau und Peiting entschieden

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Schongau/Peiting – Das Thema Luftreinigungsgeräte in Schulen bleibt weiterhin präsent. Hatte der Bauausschuss in der Vorwoche beschlossen, dem Entschluss des Kreistages zu folgen (wir berichteten), diskutierte der Stadtrat am Dienstag erneut. Am Donnerstag befasste sich der Schulverband damit. Auch der Marktgemeinderat Peiting befasste sich am Dienstag mit dem Thema.

Der Schongauer Bauausschuss hatte sich am Dienstag vergangener Woche darauf verständigt, dem am darauffolgenden Freitag gefassten Entschluss des Kreistages zu folgen. Sprich: Befürwortet der Kreistag die Anschaffung von Luftreinigern für Gymnasium und Realschule, kann Bürgermeister Falk Sluyterman für die Staufer-Grundschule ebenfalls ordern – eine Einsatzbereitschaft der Geräte bis zum 30. Oktober vorausgesetzt. Von der Anschaffung solcher Geräte für die städtischen Kindertageseinrichtungen hatte der Bauausschuss abgesehen.

Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Freitag vergangener Woche heiß über das Thema diskutiert. Mit einem Ergebnis, das nicht so recht zum Beschluss des Bauausschusses passt, wie Sluyterman es im Stadtrat formulierte, der sich daher erneut mit der Anschaffung der Geräte auseinandersetzen musste. Denn das Kreisgremium hat sich nach fast zweistündiger Debatte auf einen Kompromiss geeinigt: Eine Fachfirma soll nun alle Räume untersuchen und gegebenenfalls werden dann mobile Lüfter beschafft.

„Wenn wir dem Kreistag folgen, würden wir für die Grundschule wohl keine anschaffen“, so Sluytermans Fazit. Denn die Klassenzimmer seien gut zu lüften und liegen nicht direkt an einer Straße, wodurch kein Lärm den Unterricht störe. Zudem verfügt der Neubau über eine Lüftungsanlage. Dem pflichtete auch Stadtbaumeister Sebastian Dietrich bei. Denn die Luftreinigungsgeräte seien keine Alternative zu einem Außenluftwechsel. Dietrich erkannte lediglich einen „Zusatznutzen hinsichtlich der Virenlast“.

Marianne Porsche-Rohrer (CSU), die auch Mitglied des Kreistages ist, hatte dort die Gelegenheit die verschiedenen Geräte zu begutachten. Ihr Fazit fällt alles andere als positiv aus: „Die Geräte sind laut und es bläst ein kalter Wind. Das hält auf Dauer keiner aus.“ Sie sei zwar durchaus dafür, alles zu tun, um die Kinder zu schützen, aber die Geräte seien „fürchterlich“.

Auch Gregor Schuppe (ALS), selbst Grundschullehrer, erkannte in den Geräten nur eine „minimal erhöhte Verbesserung“. Sie würden allerdings eine erneute Schließung der Schulen und den daraus resultierenden Distanzunterricht bei Nicht-Einhalten der Abstände verhindern. „Impfen und vernünftiges Verhalten würden mehr bringen“, so Schuppes Aussage, für die er im Stadtrat Zustimmung erfuhr.

„Wir sitzen hier auch wie Schüler in einem Raum“, hob Stefan Konrad (SPD) hervor. Hier stecke man sich aber nicht an, sondern „draußen, dort, wo die Abstände nicht eingehalten werden“, vertrat er seine Meinung.

Auch die Kitas

Die Anschaffung für die städtischen Kindertageseinrichtungen stand erneut zur Debatte. Eine Beschaffung wurde für die Kindergärten vom Bauausschuss grundsätzlich abgelehnt. Das wollte Sluyterman so jedoch nicht stehen lassen. „Die Kitas würden leer ausgehen, das ist schwer zu vermitteln“, so der Rathauschef nun im Stadtrat. Er befürwortete daher ein gemeinsames Vorgehen für Grundschule und Kindertageseinrichtungen. Dass solche Geräte in den Kitas keinen Sinn machen, diese Meinung vertrat Nina Konstantin (ALS). Die Kinder würden sich in diesem Alter einfach zu nah kommen, das sei gar nicht zu verhindern.

Dafür, dass pauschal Geräte für Grundschule und Kitas angeschafft werden, fand sich unter den Stadträten keine Mehrheit, mit 3:19 Stimmen lehnte das Gremium dies ab. Für den Vorschlag, ebenso wie der Beschluss des Kreistags vorsieht, einen Gutachter zu beauftragen, sprach sich der Stadtrat mit knapper Mehrheit (12:10 Stimmen) aus. Voraussetzung muss sein, dass die Geräte bis zum 30. Oktober einsatzbereit wären. „Die Fachfirma ist aber schon in den Schulen unterwegs“, wusste Dietrich zu berichten.

Der Mittelschulverband hatte sich ebenfalls der Entscheidung des Kreistags unterworfen. Er kam zu einer Extrasitzung am Donnerstag noch einmal zusammen. Dort wurde bereits im vergangenen Herbst ein Luftreinigungsgerät für den ansonsten schlecht zu belüftenden PCB-Raum angeschafft. Damit habe man gute Erfahrungen gemacht, wie Schulleiter Frank Pfaffenberger in der Sitzung bestätigte.

Allerdings sei bei der Mittelschule – ebenso wie auch bei der Grundschule und den Kitas – gut zu lüften, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich erklärte. Man rechne daher bei einer Prüfung durch eine Fachfirma mit einem „sehr überschaubaren Ergebnis“.

Auch der Schulverband schloss sich nach kurzer Diskussion den Entscheidungen des Kreistags und des Stadtrates an, die Räume durch einen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Voraussetzung soll auch hier sein, dass die Geräte, die dann angeschafft werden sollen, bis zum 30. Oktober einsatzbereit wären.

Saubere Luft für Peiting

Das Thema der Luftreinigung an Schulen und in Tagesstätten ist in Zeiten von Corona aktuell in aller Munde. Was Peiting angeht, so ist entschieden worden, dass in allen Klassenzimmern der beiden Grundschulen, aber auch in den Kindergärten eine dezentrale Lüftungsanlage eingebaut wird.

Kämmerer Christian Hollrieder schilderte am Donnerstag, dass bereits eine Begehung mit einem Fachmann stattgefunden habe. Eines der Geräte koste 33.000 Euro. In der Vorlage an die Gemeinderäte zur letzten Sitzung war der Betrag noch auf 25.000 Euro geschätzt worden.

Der Einbau wird, so blickt Hollrieder voraus, in den Ferienwochen bzw. an Wochenenden erfolgen. Das Ziel ist es, auch in Corona-Zeiten möglichst viel Präsenzunterricht zu ermöglichen.

Vier Fünftel der Kosten werden vom Staat bezuschusst. Der Kämmerer muss beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – kurz BAFA – einen Zuschuss im Programm zur Förderung Corona-gerechter stationärer raumlufttechnischer Anlagen beantragen. An der Mittelschule in Peiting waren solche dezentralen Geräte, die einen hohen Luftdurchsatz bewirken, ohne dass Fenster geöffnet werden, bereits bei der Generalsanierung installiert worden.

Die zweite Variante, die vorgeschlagen wurde, nämlich mobile Luftreinigungsgeräte zur Verringerung der Aerosolkonzentration zu kaufen, kommt nicht zum Tragen. Dabei sind die Kosten pro Raum mit 4.000 Euro deutlich günstiger. Doch die Technik sei bei Weitem nicht so effektiv, hieß es.

Der Beschluss zugunsten dezentraler Lüftungsanlagen mit stationären Geräten ist mit großer Mehrheit gefasst worden. Eine der Gegenstimmen kam von Gemeinderat Norbert Merk (CSU). „Wenn’s nach mir geht, würden wir gar nix machen“, bekräftigte er seinen Standpunkt. „Wir geben dem Druck nach“, bedauerte Merk. Er hat auch in seinem Beruf als Kreiskämmerer von Weilheim-Schongau klar Position gegen das Vorgehen der Bayerischen Staatsregierung bezogen, die eine Entscheidung auf Landkreise, Städte und Gemeinden verlagert hat. Merk stellt sich hinter die kommunalen Spitzenverbände, die – allerdings vergeblich – auf eine 100-prozentige Kostenübernahme durch den Freistaat Bayern gedrängt hatten. Der Markt Peiting hatte im Herbst 2020 schon 90 CO2-Ampeln angeschafft.

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