Reiniger, Lüfter, beides, nix?

Luftreinigungsgeräte für die Grundschule: Schongau will sich an Kreistag halten

Zu diesem Modell, dem Wolf Airpurifier, hat die Verwaltung bereits Erkundigungen eingeholt.
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Zu diesem Modell, dem Wolf Airpurifier, hat die Verwaltung bereits Erkundigungen eingeholt.
  • VonRasso Schorer
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Schongau – Würden Sie einen Kauf tätigen, bei dem Sie weder überzeugt sind, dass er etwas bringt, noch den Preis kennen? Geschweige denn wissen, ob er pünktlich ankommt? Am Dienstag hatte sich der Bauausschuss dieser unguten Situation zu stellen. Es ging um die Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte für die Staufer Grundschule und die Kindertageseinrichtungen der Stadt.

Bürgermeister Falk Sluyterman, der sich des Themas auch schon zuvor, unter anderem im Kreis­ausschuss, und am heutigen Freitag im Kreistag anzunehmen hatte, benannte das Dilemma klar: Es sei fraglich, was die Geräte bringen, welche Kosten sie verursachen, wie ihr Betrieb technisch umzusetzen ist, wie sich die Anschaffung ins Vergaberecht einfügt und ob sie überhaupt angesichts vermutlich sprunghaft ansteigender Nachfrage verfügbar sind. Klar sei nur: Ministerpräsident Markus Söder sehe die Geräte als wichtigen Baustein zur Pandemiebekämpfung. Das aufgelegte Förderprogramm schießt maximal 50 Prozent pro Gerät zu, maximal aber 1.750 Euro. Bis Ende der Ferien soll alles parat sein. Kurz: Unklare Informationslage trifft auf Zeit- und Erwartungsdruck.

Wie also nun auf kommunaler Ebene reagieren? Für Gymnasium und Realschule ist der Landkreis Sachaufwandsträger, für Mittel- sowie Grundschule und ihre eigenen Kindertageseinrichtungen die Stadt. Die Verbandsversammlung der Mittelschule hatte sich bereits unter Vorbehalt einen Automatismus zurechtgelegt: Kommen die Geräte für Gymnasium und Realschule, so will man selbst nachziehen. Sinnvoll, befand Sluyterman. Schließlich sollten am Schulzentrum in allen Häusern gleiche Bedingungen herrschen. Sein Vorschlag, so auch für die Grundschule zu verfahren, fiel im Bauausschuss aber zunächst durch.

Baumeister Sebastian Dietrich eröffnete zunächst, an der Grundschule statt oder neben Luftreinigern Luftaustauschgeräte anzuschaffen. Im Neubau sind diese bereits vorhanden und ersetzen die alte Luft bis zu dreimal pro Stunde durch frische. Für den Altbau könnte hier nachgezogen werden (ca. 30.000 Euro Investitionskosten für die Stadt) – dies sei aber ein größeres und zeitlich längeres Projekt, allerdings mit attraktiven Bundesfördermöglichkeiten (80 Prozent). Je nach Votum gelte es dann zu entscheiden, ob zusätzlich zum Luftaustausch mittels Luftreinigern – diese säubern dieselbe Luft fünf bis sechs Mal pro Stunde – im Altbau (zehn Geräte, 26.000 Euro) und im Neubau (16; 41.000) draufgesattelt werden sollte. Zu berücksichtigen sei die Zug- und Lautstärkeentwicklung der jeweiligen Modelle. Um eine Bejahung der Anschaffung von mobilen Luftreinigern komme die Stadt wohl nicht herum, schätzte Dietrich ein. „Das ist politisch gewollt.“

Von einer Entscheidung ins Blaue sprach Stephan Hild (UWV). „Es ist gut, dass was gemacht wird“, bescheinigte er in Richtung Staatsregierung. „Das Wie ist ungut.“ Normalerweise tue jedes Gremiumsmitglied alles für das Wohl der Kinder, stimmte Ilona Böse (SPD) zu. Doch auch sie ärgere sich über das Vorgehen aus München. Klar sei: Die Geräte seien nur ein Baustein unter mehreren, um das Infektionsrisiko zu senken. Das sah auch Kornelia Funke (CSU) so, allerdings mit anderer Schlussfolgerung: „Für mich ist klar, dass wir nicht drumrumkommen.“

Kein Königsweg

So oder so setze man sich einem Vorwurf aus, bedauerte Bettina Buresch (Grüne): dem der mangelnden Fürsorge oder dem der Steuergelderverschwendung. „Es kann sehr teuer werden und wenn die Geräte dastehen und die Pandemie hoffentlich vorbei ist, werden sie nicht mehr genutzt“, fand Nina Konstantin (ALS). „Es gibt auch bei einer Anschaffung keine Garantie für Präsenzunterricht“ – genauso wenig wie es Infos gebe, was passiert, falls die Entscheidung gegen die Luftreiniger fällt. Eine Lüftungsanlage für den Altbau befürwortete indes Martin Schwarz (SPD) uneingeschränkt. „Ich würde das auf jeden Fall machen, auch ohne Pandemie.“

Am Ende zog sich das Gremium auf den Eingangsvorschlag des Bürgermeisters zurück: Befürwortet der Kreistag die Anschaffung von Luftreinigern, kann Sluyterman ebenfalls ordern – vorausgesetzt, die Einsatzbereitschaft bis 30. Oktober ist sicher. Im Falle einer Preisexplosion wird erneut Rücksprache gehalten. Die Luftaustauschgeräte für den Altbau kommen nochmals eigens auf die Agenda.

Von der Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte für Kindertageseinrichtungen sah der Bauausschuss ab – aufgrund der Nähe der Kleinen zueinander spiele die Raumluft wohl eine untergeordnete Rolle. Am Dienstag widmet sich der Stadtrat aber nochmals dieser Frage.

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