Einjähriges Bestehen der Fußgängerzone

Ansichten und Aufgaben bei "Architektouren"

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Ein Fingerzeig des Planers: Jochen Baur bei der Ortsbesichtigung. Sitzend im orangen Shirt Stadtbaumeister Ulrich Knecht, rechts zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer.

Schongau – Einschätzungen zur bisherigen Entwicklung waren zu hören sowie Aussichten darauf, mit welchen kleinen Schritten eine Aufwertung möglich ist: Die bayernweiten „Architektouren“ waren Anlass, genau ein Jahr nach der Eröffnung der Fußgängerzone in Schongau am Marienplatz eine Betrachtung anzustellen, zu der ein Rückblick ebenso gehörte wie das Benennen weiterer (Haus-)Aufgaben.

Noch bevor zweiter Bürgermeister Tobias Kalbitzer die Zusammenkunft eröffnete und die Einführung der Fußgängerzone verteidigte („der richtige Schritt“), bekundete der ehemalige Stadtrat Peter Blüml einmal mehr seinen Unmut darüber, dass in Schongaus guter Stube seit der kompletten Sperrung für den Verkehr kaum noch Kundenfrequenz wahrzunehmen sei. „Eine Außenstelle des Friedhofs“, so das deftige Vokabular.

Dürftige Frequenz

Einer in der überschaubaren Runde der „Architektouren“-Teilnehmer war Manfred Wildegger, der nahe dem Ballenhaus wohnt. Er, der auch bei der Schongauer Sicherheitswacht tätig ist, berichtete von mangelnder Frequenz. Nur wenn wenige größere Veranstaltungen auf dem Marienplatz stattfinden, kämen hunderte oder tausende Besucher in die obere Altstadt. An normalen Werktagen schaue es dagegen „echt traurig aus“.

Heike Dietrich aus Peiting, die sich ebenfalls zu „Architektouren 2017“ eingefunden hatte, fand die Ansätze gut. Da sei ein klares Konzept erkennbar. Sie sei in Schongau zur Schule gegangen und habe schon viele Versuchsphasen und Diskussionen zum Marienplatz mitbekommen, schilderte die junge Ärztin.

Yvonne Voigt, Standortförderin im Schongauer Rathaus, erwähnte die kleinen Schritte. So seien auf dem großen Platz mit viel Pflaster und wenig Pflanzen dank der Gruppe „Schongau belebt“ zahlreiche Blumenkübel aufgestellt worden. Zehn Geschäfte beteiligen sich daran. Auch verwies Voigt auf den Aktionskreis Altstadt. Der habe sich inzwischen sechsmal getroffen und überlege sich z.B., was für ein gepflegtes Erscheinungsbild getan werden könne.

Stadtbaumeister Ulrich Knecht merkte an, dass für den Einzelhandel in Schongau, obwohl es mit Peiting und Altenstadt ein Mittelzentrum bildet, wegen eines überschaubaren Einzugsgebietes und Entwicklungen, wie zunehmender Bestellungen im Internet, die Ausgangslage schwierig sei. Nach Einführung der Fußgängerzone und nach Änderungen bei der Park­raum-Bewirtschaftung mangele es innerhalb der Mauern aber keineswegs an Stellplätzen; immerhin sind zirka 600 vorhanden. Eine Entfernung von 200 bis 300 Meter zum Geschäft sei darstellbar und werde Kunden in anderen Städten erst recht zugemutet.

Jochen Baur vom Büro SEP (StadtEntwicklungPlanung) – er war der Architekt für die Fußgängerzone – äußerte sich zur Kritik, dass es zu wenige nahe liegende Parkplätze gebe. „Den Glauben, dass vor jedem Laden ein Parkplatz sein muss, kann ich nicht teilen.“ Er rief zudem in Erinnerung, dass für die gut 300 000

Euro teure Gestaltung der Fußgängerzone der vorhandene Bodenbelag beim Marienplatz-Pflaster die Ausgangslage war. Als zentrales Element sei der Brunnen zu sehen, der nun von vier zierlichen Ahornbäumen umsäumt sei. So käme die Maria auf der Säule mehr zur Geltung; auch nachts, weil ein Strahler auf sie gerichtet sei.

Weniger gut habe der Bücherschrank in der gelben Telefonzelle vor die weiße Fassade am Finanzamt gepasst. Dieses Gebäude stünde noch dazu unter Denkmalschutz. Es sei positiv, dass die Telefonzelle weiter nach Norden an die Kanzleistraße „transferiert“ worden sei.

Zur zeitgemäßen Gestaltung seien auch der Wasserlauf südlich des Brunnens, Bänke und Schirme aufgestellt worden, die bei jedem Wetter Schutz böten. Damit sei die Aufenthaltsqualität erhöht worden. Architekt Baur schloss mit dieser Kommentierung: Am besten sei es, wenn Planer bei einer Neugestaltung sofort private Investoren mitbrächten – und den Betreiber der Eisdiele gleich mit dazu. Dies könne aber nicht die Aufgabe der Architekten sein.

jj

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