Schongauer Pflegeheim wird doppelt so groß neu gebaut

Privatinvestor erwirbt Marie-Eberth-Heim

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Wird verkauft: das Marie-Eberth-Altenheim am Schongauer Krankenhaus.

Weilheim/Schongau – Das 59 Betten-Altenheim am Schongauer Krankenhaus ist baulich und einrichtungsmäßig überholt. Zehn Mio. Euro wären für eine Sanierung nötig, damit das Haus den heutigen Bauvorschriften entspricht. Unter diesen Voraussetzungen beschloss der Kreistag den Verkauf der Einrichtung.

Landrätin Andrea Jochner-Weiß gab die Entscheidung am Freitag nach der nichtöffentlichen Sitzung in Weilheim bekannt. Sechs Kreisräte (vier ödp/Unabhängige, zwei Grüne) stimmten gegen die Privatisierung. „Die Führung eines Altenheimes gehört nicht zu den Pflichtaufgaben eines Landkreises“, sagte die Landrätin beim Pressegespräch, an dem auch Herbert Schiessl, Geschäftsführer des Investors „wob Immobilien GmbH“ mit Sitz in Grünwald, und Kreiskämmerer Norbert Merk teilnahmen. Die geringe Bettenzahl mache einen wirtschaftlichen Betrieb des Heimes unmöglich. „Wir hätten die Sanierung nicht stemmen können und das Haus schließen müssen“, begründete Jochner-Weiß den Verkauf.

Im Sommer 2014 erfuhr der Landkreis von den Plänen der Firma „wob“, in Schongau ein Altenheim zu bauen. Der Investor hat bereits in Steingaden ein Seniorenheim errichtet. War ursprünglich ein anderer Standort im Gespräch, so führten die Verhandlungen mit dem Landkreis zum Erfolg. Von den Synergieeffekten, die sich durch den Standort des neuen Heimes an der Klinik ergeben, können beide profitieren, gab sich die Landrätin überzeugt.

Das 120 Betten-Heim wird in zwei Abschnitten errichtet. Der Altbau wird abgerissen, wenn der erste Trakt des neuen Pflegeheimes bezugsfertig ist. Danach werden Teil zwei und eine Verbindung zur Klinik geschaffen. Jedes Appartement wird laut „wob“-Geschäftsführer mit einer kleinen Küche ausgestattet. Die hohen Investitionskosten haben einen Anstieg der Heimgebühren von „150 bis 200 Euro monatlich“ zur Folge. Für das neue Pflegeheim wird eine Betreibergesellschaft gegründet. Muttergesellschaft ist die „Inter Pares GmbH“ mit Sitz in Berlin, die bereits mehrere Pflegeheime in Deutschland führt.

Das Marie-Eberth-Heim ist zu 97 Prozent ausgelastet und hat 32 Planstellen. Für die Mitarbeiter, betonte die Landrätin, wurde eine achtjährige Arbeitsplatzsicherheit ausgehandelt. Sie bleiben bis zur Fertigstellung des ersten Neubauabschnittes in circa drei Jahren fest angestellt, für weitere fünf Jahre wurde eine Übergangsfrist vereinbart. Dieser „volle Bestandsschutz“ sei außergewöhnlich, hob Kreiskämmerer Merk hervor.

Aufgrund des zukunftsfähigen Konzeptes, so Kreistagssprecher Max Martin, konnte die SPD dem Verkauf „ohne Bauchgrimmen zustimmen“. Vizelandrat Karl-Heinz Grehl (Grüne) sieht die Zukunft des Pflegeheimes ebenfalls „sehr positiv“. Der Landkreis habe mit dem Marie-Ebert-Altenheim – ohne Betrieb – jährlich 200 000 Euro Defizit eingefahren. Nun müsse der Schongauer Stadtrat die baurechtlichen Voraussetzungen schaffen.

Die Belegschaft wurde am Freitag über die neue Situation aufgeklärt; die Bewohner werden schriftlich informiert.

Maria Hofstetter

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