Mehr Verständnis füreinander – Auftakt zur Veranstaltungsreihe "Auf dem Weg zum Wir" gibt Denkanstöße

Sie ist selbst sehbehindert. Dennoch setzt sich Irmgard Badura ehrenamtlich für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Foto: Jungwirth

„Auf dem Weg zum Wir“ lautet das Motto einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe unter Federführung des Beirats für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Weilheim-Schongau. Im Beisein zahlreicher Gäste sowie der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Irmgard Badura, wurde die Veranstaltungsreihe im Sparkassenforum eröffnet.

„Wer behindert wen?“ lautete die Frage, die im Raum stand und rasch wurde klar, dass dies nicht die Behinderungen an sich sind, die manche Menschen haben, sondern die Barrieren, auf die sie tagtäglich stoßen. Und diese Barrieren können sowohl zu hohe Bordsteine, Treppenstufen aber auch das Verhalten der Mitmenschen und deren Einstellungen zu Menschen mit Behinderungen sein. Kernpunkt für ein gutes Miteinander von Behinderten und solchen ohne Einschränkung sei die Inklusion, wie der vom Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste der Uni Siegen angereiste Professor Albrecht Rohrmann in seinem Fachvortrag darlegte. Darunter versteht man soviel wie Zugehörigkeit oder Miteinbezogenheit. „Ziel ist, dass Menschen mit Behinderungen sich ihr Leben selbstbestimmt gestalten können ohne ständig auf Hilfe angewiesen zu sein“, so Rohrmann. Anhand zahlreicher Beispiele stellte der Referent die Probleme dar, mit denen Menschen mit Behinderungen täglich zu kämpfen haben. Er betonte aber gleichzeitig, dass vor allem durch die Gesellschaft ein Ruck gehen müsse, damit Behinderungen nicht als unnormal abgetan werden. Ins gleiche Horn stieß Irmgard Badura, die meinte: „Behindert werden die Menschen nicht aufgrund ihrer Behinderungen, sondern aufgrund ihrer Lebensumstände.“ Mehrere Behinderte konnten den Anwesenden darlegen, wie es ihnen ergeht. So beispielsweise Jutta Weyland aus Weilheim, die bis zu ihrer Erkrankung mit 48 Jahren an Multipler Sklerose selbst als Ärztin gearbeitet hatte. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl. „Sie glauben gar nicht, wie wichtig die Barrierefreiheit ist“, betonte sie und legte dar, wo überall Stufen und Treppen sind, die für einen nicht Behinderten kein Problem darstellten, für einen Rollstuhlfahrer aber sehr wohl. Seit einem Unfall vor zehn Jahren ist auch Josef Leicht aus Kempten auf einen Rollstuhl angewiesen. Mit drastischen Worten schilderte der Vater von drei Kindern, wie sehr sich sein Leben seit damals geändert hatte. „Ich erfahre jeden Tag, wer wen behindert“, sagte Leicht und legte anschließend dar, wie beschwerlich es für ihn war, sich in seinem „neuen“ Leben zurechtzufinden: Der Verlust der Arbeit, finanzielle Probleme, ein nicht behindertengerechtes Zuhause und so weiter. „Man sollte nur mal jeden für einen Tag in einen Rollstuhl setzen, dann würde er schon sehen, welche Schwierigkeiten sich da ergeben“, sagte Leicht. Am Sonntag, 24. März, findet am „Ort zu Reden“ , Poststraße 10 in Peiting, der nächste Gesprächskreis für Angehörige und Menschen mit Behinderungen statt. Nähere Infos unter Tel. 08803/6333132.

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
7. Tag der Helfer in Peiting - die Bilder
Messerstecherei in Schongau
Messerstecherei in Schongau
Tag der Helfer lockt nach Peiting
Tag der Helfer lockt nach Peiting

Kommentare