Kein Konzept für die Schublade

Ein Meilenstein: Schongauer Stadtrat verabschiedet das ISEK

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Wie und wo soll sich Schongau entwickeln? Dafür gibt das frisch verabschiedete ISEK Handlungsempfehlungen.

Schongau – 139 Seiten umfasst der Abschlussbericht des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) für Schongau, welches der Stadtrat am Dienstag nun einstimmig verabschiedet hat. Es beinhaltet nicht nur ein neues Sanierungsgebiet, sondern auch zwölf weitere Maßnahmen, die zeitnah umgesetzt werden sollen.

Bereits 2014 wurde der erste Antrag zur Erstellung eines ISEKs gestellt. Der Startschuss war dann schließlich im Oktober 2017 gefallen: Das beauftragte Fachbüro „Dragomir Stadtplanung“ aus München stellte erste Planungen im Stadtrat vor. Es folgte ein Mobiler Stand auf dem Marienplatz, bei dem sich jeder melden und mitmachen konnte. Gebildet wurde außerdem ein Steuerkreis, der aus Verwaltung, Stadtrat und Bürgern sowie Vertretern verschiedener sozialer Bereiche bestand und künftig das Konzept begleiten sollte.

Nach intensiver Bestandsaufnahme und eingehender Analyse wurden sogenannte Handlungsfelder und Ziele formuliert. Sie stellen den Rahmen für die eigentliche Entwicklungsplanung dar und bilden die Grundlage für alle weiteren Planungsschritte, heißt es im Abschlussbericht. Im Wesentlich umfasst es fünf Handlungsfelder: Stadtentwicklung und Siedlungsräume, Vernetzung und Mobilität, Kultur, Naherholung und Urlaub, Landschafts- und Flussraum sowie Lernen und Vorsorge. Wesentliche Fragen, die es hier zu klären galt, sind: Wo kann sich Schongau entwickeln?, Welche Defizite und Konflikte sowie Qualitäten und Potenziale hat die Stadt aufzuweisen?

Sanierungsgebiet

Eine Maßnahme aus dem Katalog könnte ein Sanierungsgebiet sein, welches „die Lücke zwischen den bereits bestehenden Sanierungsgebieten Altstadt und Lechvorstadt schließen soll“, wie Sigrid Hacker und Constanze Bock vom Planungsbüro dem Stadtrat am Dienstag erläuterten. Dies befinde sich derzeit noch in Abstimmung mit der Regierung. Der Vorteil: In einem solchen Gebiet sind bauliche Maßnahmen förderfähig. Die Aufstellung einer entsprechenden Sanierungssatzung ist für die kommenden Stadtratssitzungen geplant.

Zwölf Maßnahmen

Der Stadtrat hat in der Steuerkreissitzung im April 2019 Maßnahmen ausgewählt, die aus Sicht des Gremiums relativ zeitnah realisiert werden können und damit als wesentliche nächste Schritte für das ISEK angesehen werden können. Zum Teil befinden sich die Projekte auch schon in der Umsetzung. So auch der Erhalt und die bedarfsgerechte Sanierung der historischen Stadtmauer und des Stadtmauerumgangs. Hier gab es ja bereits einen Wettbewerb, die Ergebnisse liegen vor.

Des Weiteren will man zeitnah einen Verfügungsfonds einrichten, mit dem man verschiedene Projekte fördern kann, wie Stadtbaumeister Sebastian Dietrich im Vorfeld erläuterte. Es soll außerdem wieder ein City Management geben, das, seitdem die Stelle des Wirtschaftsförderers vakant ist, brachliegt.

Weitere kurzfristige Maßnahme soll die Neuordnung des Bahnhofs und Bahnhofsumfeldes mit Sanierung des Bahnhofsgebäudes sein. Eine Feinuntersuchung von Schongau West ist ebenfalls vorgesehen und erwünscht. Das sei auch Voraussetzung, um in das Städtebauprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen zu werden, so Bürgermeister Falk Sluyterman.

Bestandsaufnahme und Potenziale: Der Rahmenplan berücksichtigt alle wichtigen Handlunsgfelder.

Die Lechuferstraße, der Volksfestplatz beziehungsweise auch der Wohnmobilstellplatz sollen eine Aufwertung erfahren. Auch ein Konzept für den Ausbau des Lido steht auf dem Plan. Die Altlechschleife will man jedoch von weiterer Bebauung frei halten.

Der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen und dem Bahnhofsumfeld steht ebenso auf dieser Liste wie die Erarbeitung eines kommunalen Radroutenkonzeptes für das Freizeit- und Alltagsnetz, welches ebenfalls schon in Arbeit ist. Außerdem sollen auch die Sportflächen eine Aufwertung erfahren. Hier nennt Stadtbaumeister Dietrich vor allem die neue Rutsche am Plantsch, die noch dieses Jahr kommen soll, sowie das Eisstadion. Zu guter Letzt will man eine externe Stelle mit einem Kulturbeauftragten für die Stadt besetzen.

Diese zwölf Maßnahmen sind jedoch nur ein kleiner Teil eines ganzen Kataloges. Deren Umsetzung bewegt sich jedoch eher in einem Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren, wie die beiden Stadtplanerinnen verdeutlichten. Jede Maßnahme muss außerdem im Stadtrat einzeln beschlossen werden.

Wer sich über das ISEK weiter informieren möchte, wird voraussichtlich bei einer Ausstellung dazu Gelegenheit bekommen. Diese wird aber erst nach den Kommunalwahlen im März in die Wege geleitet werden. Zudem soll der Abschlussbericht in wenigen Tagen auf der Homepage der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Kein "Papiertiger"

Stephan Hild (UWV) bezeichnete das ISEK als „Gewinn in jeglicher Hinsicht“. Er äußerte den Wunsch, dass man das Konzept künftig auch immer wieder als Handlungsempfehlung heranzieht. So äußerten sich auch einige weitere Stadträte. Kornelia Funke (CSU) war „guter Hoffnung, dass es nicht in der Schublade verschwindet".

Zwei Hoffnungen äußerte Bettina Buresch (ALS/Grüne): Dass es der Bürgerschaft gut kommuniziert wird und sie sich weiterhin daran beteiligt und dass der Stadtrat die Ergebnisse als Richtlinie anwendet. „Es bleibt hoffentlich kein Papiertiger, sondern etwas Lebendiges“, so Buresch. Für die Weiterentwicklung Schongaus wäre das sicherlich wünschenswert.

Astrid Neumann

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