"Menschenwürde ein Fremdwort?" – "Arbeitnehmer in Not" – Kirchenvertreter prangern Stellenabbau bei Zarges an

Die Geistlichkeit beider Kirchen in der „Zarges“-Halle in Peiting. V. li.: Der evangelische Pfarrer Dirk Wollenweber, Dekan Axel Piper vom evangelischen Dekanat Weilheim, Andreas Kohl (Betriebsseelsorge Weilheim), Christian Bindl (Betriebsseel­sorge München-Oberland), Weihbischof Wolfgang Bischof, Pfarrer Helmut Kraus aus Peiting und Pfarrer Peter Lederer aus Oberammergau von der Betriebsseelsorge Werdenfels. Foto: Schmid

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MANUELA SCHMIED, Peiting – „21 Tage vor Weihnachten – Arbeitnehmer in Not“ lautete der Titel einer Veranstaltung, die am Freitag im Zarges-Werk in Peiting stattfand: Geistliche begegneten dabei den Arbeit- nehmern, die bei den Peitinger Firmen „Zarges“ und „Getinge“ und der Schongauer Firma „Hoerbiger“ ihre Jobs verlieren (wir berichteten). Die Seelsorger luden zusammen mit den Betriebsräten und mit Bürgermeister Michael Asam zum Gespräch ein. Wie betroffen die Arbeitsplatzverluste selbst die Kirchen machen, zeigte sich daran, dass der Weihbischof des Erzbistums München und Freising, Wolfgang Bischof, nach Peiting gekommen war, um mit Dekan Axel Piper vom evangelischen Dekanat Weilheim sowie mehreren Pfarrern und Betriebsseelsorgern mit den leidtragenden Arbeitnehmern das Gespräch zu suchen und im Anschluss daran eine gemeinsame Andacht zu feiern. Die Präsenz der Geistlichkeit machte aber auch deutlich, dass es hier nicht „nur“ um Arbeitsplatzverluste geht, sondern gleichzeitig um die Frage, ob Menschenwürde für viele Konzerne heutzutage ein Fremdwort ist. Peiting – Deutliche Kritik äußerte der Weihbischof an Unternehmern, die erst staatliche Förderungen kassieren und anschließend ihre Firmen verlagern, um anderorts möglicherweise sogar erneut Gelder einzustreichen: „Leute, das kann’s nicht sein“, fand der Weihbischof unmissverständliche Worte. Auch Dekan Axel Piper zeigte sich sehr betroffen: Erst würde von den Beschäftigten gute Arbeit geleistet und dann müssten diese zusehen, wie die Maschinen an ihrem Arbeitsplatz plötzlich alle abgebaut würden. Angesichts solcher Zustände stellte sich den Kirchenvertretern die Frage, welchen Wert ein Mensch heutzutage überhaupt noch habe. Die Stimmung in der Zarges-Halle, in der sich rund 100 Betroffenene eingefunden hatten, war bedrückend: Unter den Beschäftigten, die ihre Arbeitsplätze jetzt begraben müssen, herrschte fast schon Beerdigungsstimmung. So schien es auch makaber, dass sogar noch während dieser Veranstaltung in der Halle weiter abgebaut wurde und draußen vor der Tür noch weiterhin das ausrangierte Firmeninventar in den Lkw geladen wurde. Dass die Begegnung aber – trotz der unabwendbaren Entlassungen – einen positiven Effekt hatte, dessen ist sich Manfred Neupfleger vom DGB-Büro in Weilheim sicher: „Es ist wichtig, in die breite Öffentlichkeit zu bringen, was da mit den Arbeitnehmern eigentlich passiert“, erklärte er. Denn schließlich könne so etwas schon morgen auch jedem anderen passieren. Auch wenn man sage, der Markt würde alles regeln, so „kann es nicht sein, dass die Arbeitnehmer so im Regen stehen gelassen werden“, meinte Neupfleger. mas

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