139 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs – "Zarges" prüft Verlagerung der Peitinger Produktion nach Ungarn – Betriebsrat gesprächsbereit

Bei der „Zarges“-Belegschaft in Peiting geht die Angst um. Vergangene Woche unterrichtete die Geschäftsführung die 139 Mitarbeiter über ein vorliegendes Gutachten, welches das Zusammenführen der Steigtechnik-Produktionsstätten von Peiting und Kecskemét (Ungarn) in dem ungarischen Werk vorschlägt. Setzt die Leitung der „Zarges Tubesca Gruppe“ diese Empfehlung um, bedeutet dies, dass in dem Peitinger Werk unweigerlich die Lichter ausgehen werden. Am Gruppensitz in Weilheim, an dem keine Steig- technik produziert wird, ist keiner der 453 Arbeitsplätze betroffen, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns.

„Zarges“-Sprecher Michael Bauermeister begründete gegenüber dem KREISBOTEN die Notwendigkeit einer „strategischen Neuausrichtung“. Von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise eingeholt, habe die Unternehmensgruppe 2009 im Vergleich zum Vorjahr einen 18-prozentigen Umsatzrückgang verkraften müssen, auch für 2010 zeichne sich eine schleppende Entwicklung ab. Zur „Optimierung der Produktionsstrategie“ im stagnierenden Steigtechnikbereich von „Zarges“ seien Einsparungen nötig, die durch das Zusammenführen beider Werke erreicht werden können. Die Steigtechnik soll dadurch wieder in die Lage versetzt werden, „notwendige Investitionen in Maschinen und Anlagen aus eigenen Mitteln finanzieren zu können“. Neben den Gutachterempfehlungen werden zurzeit mögliche Handlungsalternativen zur Werkschließung in Peiting überprüft. Die Aussage des Konzerns, dass der Betriebsrat nach dem Vorstellen der Gutachterergebnisse einen ersten Austauschtermin mit der Geschäftsführung abgelehnt habe, versetzte Betriebsrat Werner Bäumler in Rage. „Diese Pressemeldung ist unwahr. Wir verweigern uns nicht und sind jederzeit gesprächsbereit“, wies er vergangene Woche die Vorwürfe zurück und stellte aus seiner Sicht klar: „Die Präsentation des Gutachtens erfolgte gegenüber dem Wirtschaftsausschuss (dem Bäumler ebenfalls angehört, Anm. d. Red.) bei einer Sitzung in Weilheim und nicht gegenüber dem Betriebsrat.“ Die Ausschussmitglieder hätten mangels Zeit gar nicht die Möglichkeit gehabt, den Betriebsrat über den Inhalt der Sitzung zu unterrichten, da die Geschäftsleitung kurz darauf in Peiting eine Belegschaftsversammlung einberufen hatte. Ein über 30-seitiges Gutachten könne nicht „zwischen Tür und Angel“ analysiert werden. „Der Betriebsrat ist bisher von der Geschäftsführung nicht gesetzeskonform informiert worden, trotz mehrmaligen Nachfragens“, echauffierte sich Bäumler. Am 10. Mai habe Geschäftsführer Frank Haberstroh noch verkündet, dass für Peiting keine Betriebsänderung vorliege. Bäumler wertet dies als „Strategie der Geschäftsführung, den Betriebsrat als den bösen, sturen Verhinderer in der Öffentlichkeit darzustellen und unter Zeitdruck zu setzen“. Inzwischen hat der „Zarges“-Betriebsrat am Standort Peiting gegenüber der Geschäftsführung Gesprächsbereitschaft signalisiert. Am gestrigen Dienstag wurden die Empfehlungen des Gutachtens erstmals gemeinsam diskutiert. Vier Geschäftsfelder Die „Zarges Tubesca Gruppe“ mit Hauptsitz in Weilheim ist als führendes aluminiumverarbeitendes Unternehmen in den Geschäftsfeldern Steigtechnik, Logistik, Wind und Air tätig. Der Konzern produziert und vertreibt Leitern, Gerüste, Lifte, Bauaufzüge, Spezialkonstruktionen sowie Transport- und Aufbewahrungslösungen aus Aluminium und Stahl. Produziert wird in Deutschland, Frankreich und Ungarn. 2009 beschäftigte die Gruppe 1800 Mitarbeiter.

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