Das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg

Moderne Forschung mit Geschichte

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Das Observatorium in Hohenpeißenberg.

Hohenpeißenberg – Der Hohe Peißenberg ist nicht nur wegen seiner schönen Aussicht berühmt. Die Wetterstation, die auf dem westlichen Rücken des Wallfahrtsbergs liegt, ist bekanntlich das älteste Bergobservatorium der Welt. Angefangen von den Augustiner-Chorherren werden seit 1781 ununterbrochen Wetteraufzeichnungen dokumentiert.

Doch die malerisch gelegene Einrichtung mit ihren derzeit 54 Mitarbeitern hat nicht nur wegen ihrer Historie ein Alleinstellungsmerkmal. Auf dem Hohen Peißenberg wird nämlich nicht nur „einfache“ Wetterbeobachtung, sondern vor allem wissenschaftliche Forschungsarbeit betrieben.

Das meteorologische Observatorium Hohenpeißenberg ist neben dem Richard Aßmann-Observatorium in Lindenberg der zweite Forschungsstandort des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und national sowie international an mehreren Kooperationsprojekten beteiligt. Seit 1967 liefert man zum Beispiel eine lückenlose Ozonmessreihe, wirkt im DWD-Radarverbund zur Wetterbeobachtung mit - und ganz wichtig: Seit 1995 ist man in das weltweite Klimaüberwachungsprogramm „Global Atmosphere Watch“ (GAW) integriert.

Das Observatorium auf dem Hohen Peißenberg ist damit eine von rund 30 Globalstationen, in denen die Auswirkungen von anthropogen erzeugten Spurengasen auf den Klimawandel untersucht werden. „Wir verfolgen sehr hohe Qualitätsstandards“, betont Dr. Christian Plass-Dülmer, der neue Stationsleiter: „Wir sind stolz darauf, dass wir das älteste Bergobservatorium der Welt sind. Aber das ist für uns auch eine Verpflichtung.“ Ein besonderes Markenzeichen der Hohenpeißenberger Wetterforscher: Sie verfügen über den weltweit detailliertesten Messreihenfundus und damit über die Grundlagen, Prozesse in der Erdatmosphäre verstehen und charakterisieren zu können. Eine der Erkenntnisse: In Europa wird die Luft zwar sauberer, allerdings nur separat betrachtet. Weltweit geht die Emission von Treibhausgasen indes ungebremst weiter.

„Länderkontinentgrenzen sind keine Grenzen für Spurengase“, erklärt Plass-Dülmer. Der Luftchemiker ist „sehr sicher“, dass der Trend zum globalen Temperaturanstieg nicht allein durch natürliche Faktoren verursacht wird. Man müsse zwar „vorsichtig sein“ mit Aussagen über die klimatischen Folgen, allerdings sei in der Region mit einer Verschiebung der Vegetationszonen und Jahreszyklen zu rechnen.

In puncto niederschlagsstarker Ereignisse sei bislang „noch kein Wahnsinnseffekt für eine Zunahme feststellbar“, allerdings müsse man derartige Szenarien von der Logik her einplanen: „Es werden bezüglich der Temperaturen immer mehr Maximalrekorde geknackt, im Minimalbereich hingegen nicht.“ Die Trendumkehr bei der Spurengasemission, so bedauert Plass-Dülmer, sei noch nicht gelungen: „Momentan gibt es dafür noch keine Signale. Das ist sehr bedenklich.“

Die spannende Forschungsarbeit ist für den Wissenschaftler ein wesentlicher Aspekt, der den Reiz des Observatoriums ausmacht – aber es ist nur einer unter vielen: „Die Kombination von Historie und moderner Forschung – das ist einzigartig. Dieses besondere Flair bekommen wir auch regelmäßig von unseren internationalen Besuchern widergespiegelt“, schwärmt Plass-Dülmer.

Hinzu kommt die traumhafte Lage: Plass-Dülmer, der in Peiting wohnt, kommt oft mit dem Fahrrad zur Arbeit. „Das ist jeden Tag wieder faszinierend, wenn man über das Schwarzlaich-Moor und den Hetten den Berg hochfährt. Das ist genial und verbraucht sich nicht.“ Seit 1995 ist Plass-Dülmer nun schon auf dem Hohen Peißenberg tätig. Auf die Frage, ob er sich noch einmal einen anderen Arbeitsort vorstellen könne, antwortet der gebürtige Aachener kurz und trocken: „Nö!“

Von Bernhard Jepsen

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