Mühlentag in Schwabsoien

Mit zwei PS in die Technikgeschichte

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Alte Handwerkskunst gab es beim 25. Mühlentag in Schwabsoien zu sehen.
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Alte Handwerkskunst gab es beim 25. Mühlentag in Schwabsoien zu sehen.

Schwabsoien – Immer wieder ein bisschen anders, immer wieder interessant und vor allem immer wieder informativ, das ist der Mühlentag in Schwabsoien – heuer zum 25. Mal. Bei bestem Pfingstwetter strömten hunderte Besucher in das kleine Dorf mit den vielen Mühlen und ließen sich von der Geschichte, vor allem der Technikgeschichte, mitreißen.

Schwarzer Rauch steigt aus dem Schornstein über der alten Hammerschmiede. Drinnen stehen die Männer an der Esse und warten bis das Metall rot glüht, dann knallen die Hämmer im Takt auf das Eisen und formen es. Wer sich gedulden kann, der erfährt auch, warum diese Schmiede ein Wasserrad hat. Das dreht sich draußen unablässig und treibt die große Welle an, die, wenn man in der Schmiede einen Hebel umlegt, die mächtigen Schmiedehämmer anhebt und fallen lässt, im Takt.

Schon immer wusste sich der Mensch zu helfen, nutzte Wind- oder wie in Schwabsoien die Wasserkraft, um sich die Arbeit zu erleichtern. Korn zu Mehl mahlen, die Spreu vom Weizen trennen oder mittels Welle Drehmaschinen, Schmiedehämmer oder auch eine Pumpe antreiben, das alles entwickelte sich lange bevor es Diesel- oder Elektromotoren gab – ein Stück Technikgeschichte. Und die lässt sich alljährlich in Schwabsoien erleben, jenem Dorf mit den vielen Mühlen. Die älteste darunter ist die Hammerschmiede mit ihren 600 Jahren.

Als abgasfreie Alternative zum Öffentlichen Nahverkehr konnte man in den Pferdeomnibus einsteigen und sich, gezogen von zwei PS, durch den Ort fahren lassen, hin zu den schönsten Mühlen. Oder selbst zu Fuß jene Orte erkunden, wo jahrzehntelang Mehl gemahlen wurde, Äxte, Sensen oder anderes Handwerkszeug gefertigt wurde oder die Kraft der Schönach vorteilhaft genutzt wurde. Daneben gab es wie immer auch ein Oldtimertreffen, vor allem alte Porsche-, Mercedes- oder Lanz- und Fendtschlepper stellten sich den kritischen und enthusiastischen Blicken des Publikums. Deutschland war schon immer ein Land, in dem Schlepper und Traktoren gebaut wurden. Eicher, Schlüter, auch die Rennwagenbauer aus Zuffenhausen oder jenes universelle motorisierte Gerät, kurz Unimog, mit Stoffverdeck und dem markanten Stern am Kühlergrill gehörten dazu.

Während die Jugend ein Stück Geschichte entdeckte, lebte beim einen oder anderen Betrachter diese wieder auf: „Auf dem, damals als kloaner Bua, mitfahre dürfen, des war scho was.“ Und wenn man sich dann das Baujahr jenes Boliden anschaut, der mit seinem Schwungrad die alte Dreschmaschine antreibt, steigt die Ehrfurcht noch ein bisschen mehr. 1939 und kein bisschen leise oder müde, leistet der graue Eicher noch immer treue Dienste.

Und während die „Bauern“ die Spreu wegkarren, die die alte Dreschmaschine auswirft, erzählt ein ebensolches Original, wie er damals das Geheimnis des Deichelbaus gelernt hat. Dass heutzutage kaum noch jemand etwas mit dem Begriff anzufangen weiß, ist der Tatsache geschuldet, dass wir irgendwann anfingen, Rohre aus Blei oder Metall zu fertigen und heute unser Trinkwasser aus Plastikrohren kommt. Dabei sind Holzrohre antibakteriell, können nicht rosten und setzen keinen Kalk an – aber Deicheln bohren, so heißen die hölzernen Rohre, oder besser das Wissen um diese alte Kunst, ist am Aussterben. Glücklicherweise gibt es aber den Mühlentag, sodass das eine oder andere Handwerk nicht ganz in Vergessenheit gerät.

Oliver Sommer

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