Musik im Schleudergang

Was Tango und Autofahren gemeinsam haben, demonstriert Dietrich „Piano“ Paul hier auf der Bühne. Foto: Schmid

Gleich mit mehreren Musikkabarett-Veranstaltungen warten die Herzogsägmühler Kulturtage in diesem Jahr auf. Den Anfang machte Dietrich „Piano“ Paul, der mit musikalischen Zaubereien am Klavier begeisterte.

Der Pianist erntete reichlich Beifall von dem kulturliebenden Publikum im Rainer-Endisch-Saal der Herzogsäg-mühle. Besonders Musikliebhaber kamen bei der Vorstellung voll auf ihre Kosten. Denn Piano Paul brachte ein Musikkabarett der ganz besonderen Art auf die Bühne: Ein Kabarett, in dem es nicht um Politik oder Gesellschaft geht, sondern in dem stattdessen die Musik als solches die Hauptrolle spielt. In seiner humorvollen Betrachtungsweise widmet sich der Pianist der Werke verschiedenster klassischer Komponisten und macht dann wieder einen spontanen Ausflug zum Tango, zum Musical oder zum einfachen Geburtstagsständchen. Bei seinen kabarettistischen Jonglagen kombiniert er am Klavier kreuz und quer verschiedene Interpreten und Musikstile miteinander – und das noch dazu mit gekonnt nahtlosem Übergang. Und das Publikum staunt, wie schnell der Pianist im Schleuderdurchgang von Richard Clayderman zu Dschinghis Khan kommt – und zwischendrin noch bei Tschaikowsky und dem Geburtstagslied „Happy Birthday“ verweilt. Die Geburtstagsglückwünsche hat er gleich in sämtlichen musikalischen Ausführungen parat: à la Musikantenstadel, als Romantik- und als Hochromantikversion, à la Richard Strauss oder sogar als Rhapsodie à la Franz Liszt. Alles ist möglich, wie es der Piano Paul eindrucksvoll am Flügel demonstriert. Mit einer großen Portion Humor analysiert Piano Paul die Kompositionen klassischer Größen wie Mozart und nimmt die Musik Stück für Stück auseinander – Akkord für Akkord. Und im nächsten Moment demonstriert er dem Publikum, wie in der „West Side Story“ plötzlich „Tristan und Isolde“ auftaucht. Dass auch in einer Oper und in einem deutschen Schlager die ein und dieselbe Melodie erscheinen können, zeigt der Kabarettist mit seiner Vorstellung der „berühmtesten Plagiate aus der Musikgeschichte“ auf. Damit legt er dem Zuhörer nahe, dass im Endeffekt jeder Künstler gewissermaßen von jedem kopiert. Was wäre gewesen, wenn Bach den Tango kennen gelernt hätte? Auch darauf hat Piano Paul mit einem „barocken Tango“ eine musikalische Antwort parat. Dass sogar Tango und Autofahren etwas gemeinsam haben und der Tango ja eigentlich die Musik der Autofahrer ist, demonstriert er mit Tanzschritten auf der Bühne. Recht kreativ ist seine Euro-Hymne: „Die habe ich zum dreijährigen Jubiläum des Euros für die Raiffeisenbank komponiert – damals hat man den Euro noch gefeiert“, erklärt er dem Publikum vorab, bevor er dann die Melodie von „Freude schöner Götterfunken“ mit „Happy Birthday“ kombiniert und darauf obendrein noch „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, es war so schön mit dir“ singt. Zur Melodie von „La donna è mobile“ aus Verdis Oper Rigoletto dürfen dann schließlich noch die Zuhörer mitsingen und durch den Saal trällern, dass auf der Straße viel zu viele Auto-„mobile“ unterwegs seien.

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