Musikalischer Abschied für Höldrich:

Abschied vom "All-Inclusive-Mann"

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Blumen für Gertrud Höldrich. Von links die neue Musikschulleiterin Kristina Kuzminskaite, Gertrud und Karl Höldrich sowie Marcus Graf, der ebenfalls zur neuen Leitung der Musikschule gehört.

Schongau – Einen rührenden und berührenden Abschied bereiteten die Lehrer der Musikschule Pfaffenwinkel am vergangenen Freitagabend dem scheidenden Schulleiter Karl Höldrich. Zum Schluss gab es stehende Ovationen.

„Danke Karl!“, hieß schlicht und ergreifend das Motto des Abends, das nicht nur einmal zu vernehmen war. 13 Jahre hatte Karl Höldrich, der zum Fest­abend mit Ehefrau Gertrud und Sohn Manuel gekommen war, die Musikschule Pfaffenwinkel geleitet. Jetzt verließ er sie in Richtung Augsburg, wo er die Leitung der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg übernehmen wird. In der Musikschule Pfaffenwinkel, die mit seinem Eintritt von einem Verein geführt wurde, hat Karl Höldrich Akzente gesetzt. „Die Musikschule bietet nicht nur Musik­unterricht, sondern ist zum Zentrum für Musikvermittlung geworden“, bekundete Vorstand Erwin Krauthauf. 

Auch die Vernetzung zu Welfen-Gymnasium und Stadtkapelle, sowie musikalische Förderung in Kindergärten und Grundschule oder aber die Erweiterung des Angebots um Mini-Musik und Arbeit mit Demenzkranken im Altenheim der Heilig-Geist-Spital-Stiftung gehen auf das Konto des musikalischen „Überzeugungstäters“ Karl Höldrich. Als „All-Inclusive-Mann“ (Erwin Krauthauf) leitete Karl Höldrich nicht nur die Musikschule, sondern übernahm auch Hausmeisterarbeiten, entwarf und verteilte Plakate und Programme. Nebenbei absolvierte er auch noch ein Studium im Fach Musikvermittlung in Linz. „Autofahren ist Teil seines Lebens“, so Erwin Krauthauf über Karl Höldrich, der seinen Lebensmittelpunkt in Oberammergau hat. Dass Höldrich in der Musikschule fehlen wird, wurden auch die Musiker des Abends nicht müde zu betonen. „Das hat immer der Karl gemacht!“, hieß es an verschiedenen Stellen. 

Auf die Frage, wer die Harfe transportiert oder die Notenpulte aufstellt, gab es nur eine Antwort. Und auch in der kleinen Spielszene, die Katja Brandl, Angela Gilgenreiner und Reinhild Häcker vorbereitet hatten, konnte Brandl, die die Rolle Höldrichs am Cello übernommen hatte, dem Vorgänger nicht gerecht werden. „Der Karl hat doch immer zur Abwechslung gezupft“ oder „beim Karl hat das immer irgendwie echt geklungen“, musste sie sich anhören. Marcus Graf ging der Frage nach: Welchen Karl kennen wir? Temperamentsbolzen, eloquenter Moderator, Mann, der immer den richtigen Ton findet, Verantwortlicher für die himmlische Atmosphäre in der Musikschule, Zirkusdirektor, Märchenopa oder Zauberer? Oder doch alles zusammen? Legendär auch die Erinnerung daran, wie er „ohne doppelten Boden an einer Leiter hing, um Musikanfängern die Tonleiter zu erklären“.

Dass es zu den ganzen Lobreden und Respektbekundungen auch noch hochklassige Musik gab, war angesichts des Lehrpersonals und einzelner Musikschüler selbstverständlich. Leicht und beschwingt bewegte sich der Abend zwischen Walzer und Tango, zwischen jüdischem Lied und vertontem Rilke-Gedicht. Und als der ganze Saal das gemeinsame Lied „Möge die Straße uns zusammenführen“ anstimmte, war es um die mühsam bewahrte Beherrschung bei Karl Höldrich geschehen und es flossen ein paar Tränen der Rührung. „Ich war nie eines Wortes verlegen, aber jetzt bin ich’s. Ich bin bewegt über die persönlichen Worte und kleinen Anspielungen und gehe mit tränendem Auge. Mein Herz bleibt aber in Schongau!“, so Karl Höldrich.

Ursula Fröhlich

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