"Des loss mer ean spuin"

Gar witzige "Opern auf Bayrisch"

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Eingespieltes Team bei den „Opern auf Bayrisch“ im Jakob-Pfeiffer-Haus: Die Schauspieler Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg (v. links).

Schongau – Es war ein heiterer Abend, bei dem das Publikum viel zu lachen hatte an den Darbietungen der Profis: „Opern auf Bayrisch“ machte in Schongau Station. 370 Besucher kamen ins Jakob-Pfeiffer-Haus und erlebten ein anspruchsvolles, aber dennoch kurzweiliges und witziges Programm. Für die drei Schauspieler und für die zwölf Musiker war es – bei aller Routine – ein ganz besonderer Abend: Denn es war der erste Auftritt nach dem Tod von Werner Hofmeister, der als Perkussionist an vielen Instrumenten das Ensemble gut ein Jahrzehnt mitgeprägt hat.

Sonntagnachmitttag um zwei. Schon fünf Stunden, bevor die Aufführung beginnt, kommt Philipp Jungk nach Schongau. Der 40-jährige Musiker, der an der Hochschule für Musik in München studiert hat und freiberuflich in mehreren Orchestern oder Gruppen wie z.B. beim Perkussion-Duo „Double Drums“ mitwirkt, füllt den Part des Perkussionisten aus. Für ihn ist der Abend in Schongau zwischen dem raumfüllenden Instrumentarium (von der Triangel bis zu leeren Weinflaschen und von der Trillerpfeife über die Wärmflasche bis zur Pfanne und zur Kuhglocke) eine Premiere. Zuvor ist speziell fürs Orchester eine sehr intensive Probe auf der Bühne im Pfeiffer-Haus angesagt.

Der Tod von Werner Hofmeister vor wenigen Wochen sei „tragisch“, befindet Philipp Jungk. Das Orchester sei „emotional berührt“, sagt er in der Pause. Aber es sei gewiss im Sinn des erfahrenen Musikers, dass „Opern auf Bayrisch“ keine Pause einlege und mit dem lange feststehenden Tourneeplan fortfahre, ergänzt Philipp Jungk, der nachrückende Perkussionist. An diesem Abend in Schongau lobt er übrigens „die Nähe zum Publikum“.

Es spricht für die Profis von „Opern auf Bayrisch“, dass sie nicht nur in Münchner Theatern und Stadthallen wie in Weilheim oder Marktoberdorf gastieren, sondern auch in mittelgroßen Sälen auftreten. Es spricht aber auch für den Schongauer Theaterstadl mit dem rührigen Vorsitzenden Peter Mahl; nach Januar 2016 hatte der Verein die Akteure ein zweites Mal nach Schongau geholt. Mahl heißt bei der Begrüßung „viele Wiederholungstäter“ im Publikum willkommen und ergänzt, dass so ein Abend trotz der Eintrittsgelder ohne die Unterstützung der fünf Sponsoren nicht zustande käme.

Deftige Texte

In den Stücken verschmelzen die Klassiker der Opernliteratur und originell-bayerische Mundart-Verse zu einem äußerst kurzweiligen Vergnügen. Die Sprechrollen für die drei Schauspieler am viereckigen Tisch vorne rechts sind deftig, aber nicht ausfallend. Michael Lerchenberg singt in der Oper eins („Aida“ – oder „Das Liebesdrama am Nil“) in der Rolle des Radamès ein schmachtendes Liebeslied. In der Oper zwei „Die Meistersinger von Miesbach“ oder „Wia da Oberförster Stolz den Stadtschreiber Beck ausgstocha hat“ darf Lerchenberg zu feinen Zitherklängen die Gstanzl von Gerd Anthoff erwidern. Conny Glogger beschreibt die Szenerie, die Autor Paul Schallweg zum Pfingstfest des Jahres 1910 nach Miesbach verlegt hat. „Die Burschen vom Feuerwehrhaus holen die Spritzen raus,“ führt sie spannungsgeladen auf den Moment hin, wie der Stadtschreiber Sixtus, als er mit der Leiter beim Everl fensterln möchte, einen derart gewaltigen Strahl abbekommt, dass es ihn gleich in die Kammer hineinnimmt.

„Der Lohengrin von Wolfratshausen“ oder „Weil d‘ Weiber oiwei ois wissen müassn“ ist der dritte Opern-Stoff, den die Musik- und Theaterfreunde nach der Pause zu hören bekommen. „I hob an Rausch – des gib i zua; aber i loss di trotzdem net in Ruah“, gibt Gerd Anthoff, mit seiner dunklen Bassstimme den Angetrunkenen. Herrlich zudem, wie Anthoff ein Zithersolo im „Lohengrin“ nicht abwartet und mit seinem Text schon loslegen wollte. Nach dem (zu) frühen Einsatz, auf den ihn der Dirigent dezent aufmerksam macht, bringt er mit den spontanen Worten „Ja, des loss mer ean spuin“ und nachher mit der schelmischen Frage „Scho fertig?“ nicht nur das Publikum, sondern auch die Akteure auf der Bühne zum Lachen.

Mit bayerischen Liedern

Der akkurate Dirigent Andreas Kowalewitz führt das kleine Orchester unaufgeregt. Es macht einfach Freude, dieser Musik aus der Feder von Friedrich Meyer und Rolf Wilhelm zuzuhören. Vor allem, wenn sie von solchen ausgebufften Profis, allesamt in Münchner Orchestern aktiv, dargeboten wird. Die Paradestücke der jeweiligen Oper sind immer wieder mit bayerischen Liedern durchsetzt.

Beispielsweise steckt im Triumphmarsch der Aida eine Sequenz mit Takten aus „Ja, mir san mit‘m Radl da“; zudem erklingen einige Takt aus dem „Prosit der Gemütlichkeit“. Alle Instrumentalisten gehen hochkonzentriert zur Sache, geben bei den „Opern auf Bayrisch“, wo die Musik eine tragende Rolle hat, ihr Bestes. Besonders zu nennen ist der Senior im Ensemble, der „Peppe“, wie die Kollegen den versierten Flötisten nennen.

Am Ende folgt eine kurze Zugabe aus „Madame Butterfly“. Nach zweieinhalb Stunden ist dann Schluss. „Opern auf Bayrisch“ – der Abend im Pfeiffer-Haus ist ein Highlight. Und eine Bereicherung des ohnehin vielfältigen Kulturlebens im Schongauer Land. 

Johannes Jais

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