Von der SPD zur CSU

Nach Bruch: Ehemaliger SPD-Ortsvorsitzender Blum wechselt politisches Lager

Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Schongau Dr. Oliver Kellermann (links) seinem ehemaligen SPD-Konterpart Daniel Blum (Mitte) und Fraktionsvorsitzende Kornelia Funke (rechts)
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Vor dem Porträt von Franz-Josef Strauß überreichte beim letztwöchigen Pressegespräch der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Schongau Dr. Oliver Kellermann (links) seinem ehemaligen SPD-Konterpart Daniel Blum (Mitte) den CSU-Mitgliedsordner. Dass Blum der Partei bereits seit dem 1. Juni angehört, wusste selbst die Fraktionsvorsitzende Kornelia Funke (rechts) bis Anfang September nicht.

Schongau – „Entweder ganz oder gar nicht“. Auf die von dem Vorsitzenden des CSU-Ortsverbands Schongau Dr. Oliver Kellermann bereits Ende vergangenen Jahres angebotene Schnuppermitgliedschaft in dessen Partei wollte sich die Hauptfigur, um die es am vergangenen Donnerstagabend bei einem Pressegespräch im Fraktionsbüro ging, erst gar nicht einlassen. Und aufgrund der Entscheidung für eine „ganze“ Mitgliedschaft in der CSU hatte diese Hauptfigur mit Namen Daniel Blum zu einem Pressegespräch in das CSU-Büro im Obergeschoss der Bücherei am Münztor eingeladen. Bei dem Gespräch waren neben ihm selbst Dr. Oliver Kellermann und die CSU-Fraktionsvorsitzende Kornelia Funke dabei. 

Parteienwechsel sind an sich in der politischen Landschaft nicht so ungewöhnlich. Obgleich ein Wechsel von der SPD in die CSU (oder umgekehrt) nach wie vor zumindest nicht unbedingt alltäglich ist. Handelt es sich um den Wechsel des ehemaligen Vorsitzenden des SPD-Ortsverbands zur CSU, kann man das aber durchaus als beachtenswert bezeichnen.

Sein politisches Engagement verdanke er eigentlich dem trostlosen Erscheinungsbild eines Schongauer Spielplatzes, erläuterte Daniel Blum bei dem Pressegespräch. Er habe damals (2014) Bilder gemacht und mit anderen bei dem seinerzeit gerade frisch gewählten Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) vorgesprochen. Sehr schnell habe er festgestellt, mit Engagement auch etwas bewirken zu können. Als er nach seinem Parteieintritt 2014 in die SPD bereits im Juni 2016 zum Vorsitzenden des Ortsverbands gewählt und 2018 in diesem Amt bestätigt wurde, schien sein weiterer Werdegang in dieser Partei geebnet zu sein.

Im Herbst letzten Jahres, konkret kurz nach der am 11. Oktober federführend von Daniel Blum vorbereiteten und durchgeführten Wein-Nacht, kam es zum parteiinternen Bruch. Denn nur wenige Tage später sah er sich mit einem an ihn gerichteten Vorwurf konfrontiert: „Mit dir kann man nicht arbeiten.“ Dass seinerzeit niemand für ihn Partei ergriffen habe, sei entscheidend dafür gewesen einen Strich zu ziehen, so Blum.

Dennoch war er auch bei der nur einen Monat später durchgeführten Veranstaltung zum 100-jährigen Bestehen der SPD Schongau in deren Vorbereitung involviert. Oliver Kellermann, der an diesem Abend mit Kornelia Funke zu den Gästen gehörte, merkte an, dass er da schon bemerkt habe, dass in der SPD-Führung etwas nicht stimmt. Nachfolgend habe er Daniel Blum signalisiert, dass man bei Pro­blemen in der Vorstandschaft einen freien Platz für ihn habe. Das alles sei Ende November beziehungsweise Anfang Dezember vergangenen Jahres geschehen. Aufgrund des damals laufenden Wahlkampfs zu den Kommunalwahlen im März 2020 habe man sich aber bedeckt gehalten, um in dieser Zeit mögliche Schlammschlachten zu vermeiden. All das, was damals zu den innerparteilichen Querelen in der Zeitung gestanden habe, wollte Daniel Blum seinen Worten zufolge auch „nicht mehr aufwühlen“. Vielmehr sei sein zuvor eingeleiteter Parteiaustritt aus der SPD nach Ende der Kommunalwahl mit Ablauf des 31. März 2020 endgültig vollzogen gewesen.

Genau zwei Monate später, am 1. Juni, sei er Mitglied der CSU geworden. „Es war der Wunsch von Daniel, dass das unter uns bleibt“, hob Kellermann hervor. Und so kam es, dass noch nicht einmal sie als die Fraktionsvorsitzende davon gewusst habe, gab Kornelia Funke zu. Erst bei der ersten Vorstandssitzung nach der Sommerpause sei die Bekanntgabe erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt im September war Daniel Blum bereits über drei Monate Mitglied in der CSU. „Die haben alle dichtgehalten“, stellte dieser anerkennend fest. Und das, obwohl man von anderer Seite des Öfteren versucht habe, etwas heraus zu bekommen.

Was auch immer ihn zu Beginn seines politischen Engagements zur SPD geführt hatte, an seinem familiären Umfeld kann man es nicht festmachen. Im Gegenteil, sein Großvater sei seit vielen Jahren Mitglied in der Seniorenunion und seine fünf Jahre jüngere Schwester Mitglied in der Jungen Union (JU), so Blum.

Auch das seiner Auffassung nach um sich greifende Lagerdenken bei vielen Angehörigen der SPD habe zum Aufhören beigetragen. Teilweise habe es funktioniert, diese Krusten aufzubrechen. Aber genauso habe er sich nach der Veranstaltung zum 100-jährigen Bestehen der SPD Schongau auch anhören müssen, dass es „ein bisschen weniger Drücken mit der Landrätin“ auch getan hätte. Während seiner kurzen parteilosen Zeit nach dem SPD-Austritt habe er sich zudem einem wahren Spießrutenlauf ausgesetzt gefühlt. Worte wie „Verräter“ seien auf offener Straße gefallen. Umso wohler fühle er sich jetzt mit der Entscheidung, Mitglied bei der CSU geworden zu sein und damit einen Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen zu haben. „Es war von uns kein Sinn und keine Absicht dahinter, jetzt der SPD böse nachzutreten“, wusste der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands zu ergänzen. Kellermann machte kein Geheimnis daraus, dass er große Stücke auf Blum hält und diesen bereits jetzt als jemanden sehe, der die Partei auf der nächsten Stadtratsliste unterstützt. Blum selbst sagte dazu, er wolle sich zwar nirgendwo vordrängen, aber er könne sich das durchaus vorstellen. Kellermann führte weiter aus, dass zuvor aber Blums Wahl in den Vorstand des Ortsvereins Priorität haben müsse, damit dieser von erster Stelle mit den nötigen Informationen versorgt werde. Dort brauche man zudem junge Leute.

Zunächst möchte Blum sich in der JU engagieren und die Aktivitäten der etwa 30 Mitglieder (insgesamt hat die CSU Schongau etwa 120 Mitglieder) im Alter von 35 Jahren und jünger mitgestalten. Dafür bleiben ihm noch drei Jahre. Wann man aber dort wieder umfänglich aktiv werden kann, steht aufgrund Corona noch nicht fest.

Manfred Ellenberger

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