Schulweg gefährlich oder nicht?

Nach Eltern-Ärger über Landratsamt: Gemeinde Altenstadt beteiligt sich an Schülerfahrkarten

Netto Altenstadt Schulweg
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In ihrem offenen Brief an Landrätin Andrea Jochner-Weiß hatten die um die Sicherheit ihrer Kinder besorgten Altenstadter Eltern unter anderem die entlang des Schulwegs befindlichen „extrem breiten kreuzenden Straßen“, wie auf dem Bild die Einfahrt zum Netto, beanstandet.
  • Manfred Ellenberger
    VonManfred Ellenberger
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Altenstadt – „Ich hab nicht gewusst, dass ihr an die Landrätin geschrieben habt“, musste Bürgermeister Andreas Kögl bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gegenüber den anwesenden Müttern und Vätern eingestehen, als der Tagesordnungspunkt zu einer möglichen Kostenbeteiligung der Gemeinde an den Schülermonatskarten für die Fahrschüler nach Schongau zur Befassung anstand. 

Kögl hatte erst einen Tag zuvor davon erfahren, dass Eltern aus Altenstadt in einem offenen Brief an Landrätin Andrea Jochner-Weiß ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht hatten, dass „die Kosten für die Schülerbeförderung durch den Landkreis auf uns abgewälzt werden“. Ferner heißt es darin, dass sich den betroffenen Eltern nicht erschließt, welche Verbesserungen sich ergeben haben sollen, die zu mehr Sicherheit für die Kinder auf dem Schulweg führen. Ganz im Gegenteil bemängeln sie, dass die Wegstrecke zur Schule aufgrund des merklich gestiegenen Verkehrsaufkommens noch gefährlicher als in den letzten Jahren geworden sei. Ferner könnten die Kinder auf den teilweise unbesiedelten Streckenabschnitten bei Gefahr und möglicherweise bei körperlichen Übergriffen nicht auf sich aufmerksam machen. Alles in allem müsse also davon ausgegangen werden, dass die Gefahr auf dem Schulweg sich potenziert habe.

Ehemals war der Schulweg von Altenstadt nach Schongau als „besonders beschwerlich und gefährlich“ eingestuft worden. Nach der Begutachtung im Sommerhalbjahr 2020 und ein weiteres Mal bei winterlichen Bedingungen Anfang Dezember 2020 morgens um 7 Uhr war er in beiden Fällen für die Kinder als zumutbar eingestuft worden. Diese Einstufung hat für die betroffenen Eltern und deren Kinder, sofern diese die 5. oder 6. Klasse der Mittelschule, der Realschule oder des Gymnasiums in Schongau besuchen und zudem weniger als drei Kilometer von diesen entfernt wohnen, sehr weitreichende Folgen. Für all diese Kinder in den genannten Klassen fällt nämlich aufgrund der geänderten Einstufung des Schulwegs die zuvor gültige Kostenfreiheit für die Busbeförderung weg. Ab der 7. Klasse wiederum gilt Bestandsschutz, diese Schüler fahren also weiterhin kostenlos.

Bei den betroffenen beiden Jahrgängen wurde eine hausgenaue Berechnung im Hinblick auf die Entfernung zu den Schulen durchgeführt. Damit wurde Andreas Kögl zufolge auch eine Grenze mitten durch den Ort erzeugt, was er als „keine gute Sache“ empfindet.

Insgesamt besuchen derzeit 135 Altenstadter Schüler der Klassen 5 bis 10 die besagten drei Schulen in Schongau. Von diesen gehören 107 Schüler den Klassen 7 bis 10 (Bestandsschutz) sowie den Klassen 5 und 6 (Entfernung zur Schule drei Kilometer und mehr) an. Die verbleibenden 28 Schüler der Klassen 5 und 6, die weniger als drei Kilometer entfernt wohnen, sind von der neuen Regelung betroffen.

Andreas Kögl hatte bereits vor der Sitzung durch Aufnahme des Punktes Kostenbeteiligung in die Tagesordnung keine Zweifel daran aufkommen lassen, die Betroffenen finanziell unterstützen zu wollen. Er wies aber auch darauf hin, dass die Kosten grundsätzlich „nicht Sache der Gemeinde“ seien. Als Voraussetzung für die Kostenbeteiligung hob er als für ihn wichtig hervor, dass diese einfach abgerechnet werden kann und er das Ganze zunächst für ein Jahr testen möchte.

Während Michael Dulisch sich mit seiner Frage „Ist das Gutachten eigentlich tragfähig?“ für eine neuerliche Befassung stark machte, sprachen sich die Mitglieder des Gremiums mehrheitlich für eine anteilige, teilweise aber auch vollständige Übernahme der Kosten durch die Gemeinde aus. „Wir geben so viel Geld aus für Sachen, die auch wichtig sind“, aber die Kinder sollten es auch wert sein, sagte Bernhard Schöner. Konstantin Papamichail sprach sich einerseits dafür aus, nochmals beim Landratsamt oder Kreistag „nachzuhaken“ als auch dafür, die Kosten durch die Gemeinde „komplett zu übernehmen“.

Der Bürgermeister nutzte den Hinweis aufs Landratsamt für seine Mitteilung, dass man bei den Ortsterminen „viele Argumente geltend gemacht“ habe und räumte einem neuerlichen Antrag zunächst einmal wenig Aussichten auf Erfolg ein. Vielmehr verwies er darauf, man habe damit „das Ganze um ein Jahr verzögern können“. Die Regelung hätte nämlich bereits im letzten Schuljahr gelten sollen.

Andreas Kögl konnte letztlich alle Gemeinderatsmitglieder dafür gewinnen, die Kostenbeteiligung zunächst auf das laufende Schuljahr zu begrenzen und mittels einer „einfachen Abwicklung“ am Ende des Schuljahres abzurechnen. Weiterhin stimmten ebenfalls alle dafür, ein weiteres Mal hinsichtlich einer Überprüfung des Gutachtens an das Landratsamt heranzutreten.

Zur Höhe der Kostenbeteiligung konnte sich das Gremium jedoch nicht auf eine einheitliche Linie verständigen. Letztlich aber konnte Andreas Kögl neun der insgesamt 14 anwesenden Gemeinderatsmitglieder für seinen Vorschlag „Wir zahlen die Hälfte der Schülermonatskarte“ gewinnen. Rein rechnerisch bedeutet das, dass für den Fall, dass für alle 28 betroffenen Schüler je elf Monatskarten zum jeweiligen Preis von 46,90 Euro von den Eltern am Schuljahresende geltend gemacht werden, sich hierfür Gesamtkosten in Höhe von 14.445,20 Euro ergeben. Für die Gemeinde bedeutet dies einen Eigenanteil in Höhe von 7.222,60 Euro.

Eltern kommen zu Wort

Matthias Leckel, einer der Mitverfasser des offenen Briefs, hatte bei der Sitzung Gelegenheit, sich zu äußern. Interessant war dessen Hinweis, dass die Schüler insgesamt etwa 9,5 Kilogramm Gewicht in ihrem Schulranzen mit sich tragen. Er meinte, sich angesichts des inzwischen ergangenen ablehnenden Antwortbriefs der Landrätin lieber an eine andere Stelle, wie möglicherweise ein Schiedsgericht, wenden zu wollen. Der Bürgermeister konnte ihm hierzu keine Hoffnungen machen, da die Zuständigkeit des Landratsamts unbenommen bestehen bleibt. Vielmehr wolle man ja das Thema Gutachten nochmals aufrollen. Alexandra Geretshuber, eine ebenfalls betroffene Mutter, sprach nochmals auf das hohe Gewicht der beladenen Ranzen von „9 bis 10 Kilo“ an, das die Kinder jeden Tag zu tragen hätten. „So was den Hollberg hochtragen“ schaffe nicht unbedingt jeder.

Letztlich zeigten sich alle bei der Sitzung anwesenden Eltern sehr zufrieden darüber, dass die Gemeinde sich für das laufende Schuljahr freiwillig an den Kosten für die weitere Busbeförderung ihrer Kinder beteiligt. Auch wenn es „nur“ die Hälfte ist.

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