WGS-Leiter Bernhard O'Connor im Interview

"Details werden entscheiden"

+
Dunkle Wolken über dem WGS? Nein, die Schule wird das neue G9 gut meistern, ist ihr Leiter überzeugt.

Schongau – Die bayerischen Gymnasien vollziehen die Rolle rückwärts, das G9 gibt sein Comeback. Klar war das schon lange, doch erst am Donnerstag vergangener Woche sprach der Landtag sein entsprechendes Votum aus. Der Kreisbote unterhielt sich aus diesem Anlass mit Bernhard O‘Connor. Der Schulleiter des Schongauer Welfen-Gymnasiums (WGS) befürwortet die Abkehr vom G8, stellt aber auch klar: Das neue G9 wird deutliche Unterschiede zu seinem Vorgänger aufweisen.

Herr O‘Connor, wie sind die Reaktionen am WGS nach der Landtags-Entscheidung ausgefallen?

O‘Connor: „Ehrlich gesagt – es gab gar keine. Der Termin im Landtag war reine Formsache. Ein Weg, den das Gesetz eben beschreiten muss. Uns ist schon Anfang April mitgeteilt worden, dass die Rückkehr zum G9 fix ist, das haben wir auch so an Lehrer, Eltern und Schüler kommuniziert.“

Zwischenzeitlich stand im Raum, jede Schule könne selbst entscheiden, ob sie das G8 bei­behalten oder zum G9 umschwenken wolle. Das ist vom Tisch.

O‘Connor: „Gott sei Dank. Das hätte ein Durcheinander gegeben. Wobei ich nicht glaube, dass die Diskussion am WGS sehr kontrovers ausgefallen wäre. Ich spüre hier eine klare Stimmung pro G9, wenngleich man sagen muss, dass das G8 in Schongau sehr gut umgesetzt worden ist.“

Fällt auch Ihre eigene Haltung pro G9 aus?

O‘Connor: „Das G8 ist 2004/05 übereilt und mit zu wenigen Erfahrungswerten eingeführt worden. Ich befürworte die Rückkehr zum G9.“

Also Rolle rückwärts, der Status aus der Vor-G8-Zeit wird wiederhergestellt?

O‘Connor: „Das sicher nicht. Man kann und sollte diesen Geist, der ja noch aus den Neunzigern stammte, nicht neu beleben. Es wird auf jeden Fall ein ‚neues G9‘ werden. Man muss modern denken.“

Worin wird sich das niederschlagen?

O‘Connor: „Die alte Oberstufe mit Grund- und Leistungskursen kehrt sicher nicht zurück. Es werden neue Bereiche stärker hinzukommen, wie zum Beispiel der Umgang mit digitalen Medien. Die Stundentafel wird den heutigen Erfordernissen weiter angepasst.“

Was heißt das konkret? Im Juli wurden erste Stundentafel-Entwürfe bekannt, seitdem gibt es befürwortende und ablehnende Stimmen.

O‘Connor: „Die gibt es immer. Einen genauen Einblick haben aber auch wir noch nicht erhalten. Informatik und politische Bildung werden sicher ausgeweitet. Das ist gut. Diese zusätzlichen modernen Inhalte hätten wir im G8 gar nicht mehr untergebracht, die Tage wären noch voller geworden.“

Sie sprechen es an, die große zeitliche Belastung war stets einer der großen Kritikpunkte am G8.

O‘Connor: „Ja, zumal diese in ländlichen Regionen wie unserer teils noch durch lange Schulwege verschärft wurde. Der verpflichtende Nachmittagsunterricht in Unter- und Mittelstufe wird wieder deutlich reduziert, der Unterricht wieder zum ‚Halbtagsgeschäft‘. Es bleibt Zeit, abends zum Fußball zu gehen, die Lernzeit nimmt zu; alles wird ruhiger. Das finde ich gut.“

Gibt es denn auch ein positives Erbe des G8, das überdauert?

O‘Connor: „Natürlich. Wir haben jetzt beispielsweise eine Mensa, die möglicherweise weniger genutzt, aber sicher nicht abgeschafft wird. Wir werden weiter eine offene Ganztagsschule anbieten. Den Bedarf hieran wird es immer geben. Auch Intensivierungsstunden sieht der Lehrplan weiter vor.“

Eine spannende Neuerung wird indes die sogenannte Überhol­spur sein, die es einzelnen Schülern erlaubt, ihr Abi weiterhin binnen zwölf Jahren anzustreben. Quasi ein individuelles G8. Was hat es damit auf sich?

O‘Connor: „Die Überholspur wird kommen und ermöglicht es, ein Jahr zu überspringen. Das wird vermutlich die 11. Klasse sein. Wir als Schule müssen die entsprechenden Förder- und Begleitmodule, die wohl parallel zur Mittelstufe ablaufen werden, einrichten. Ich kann nicht abschätzen, wie viele Schüler davon Gebrauch machen werden. Mein Gefühl sagt mir, dass es eine eher kleine Anzahl sein wird. Interessant könnte die Möglichkeit aber auch für jene sein, die die 11. Klasse im Ausland verbringen. Sie verlassen das WGS vorübergehend nach der 10. Klasse und kommen dann gut vorbereitet zur 12. Klasse zurück.“

Dadurch, dass wieder eine Jahrgangsstufe mehr das Gymnasium besuchen wird, steigt sicher auch der Bedarf an Räumlichkeiten und Lehrern am WGS?

O‘Connor: „Klar, aber erst zeitversetzt. Die jetzigen 6. bis 12. Klassen absolvieren ja weiter das G8, das G9 kommt schrittweise. Der größte Lehrkräftebedarf wird sich wohl erst 2024/25 – um den Dreh – einstellen. In Hinblick auf die Räumlichkeiten sind wir durch unseren Neubau gut aufgestellt, da sehe ich kein Problem. Übrigens glaube ich, dass die Schülerzahl nicht nur durch das Mehr an Jahrgangsstufen zunehmen wird.“

Sondern?

O‘Connor: „Aufgrund der Belastung des G8 haben sich in der Vergangenheit immer wieder eigentlich gymnasial geeignete Viertklässler dazu entschlossen, die Realschule zu bevorzugen. Das war schade und könnte sich nun wieder ändern.“

Ab wann läuft das neue G9 an?

O‘Connor: „Schon ab dem kommenden Schuljahr. Dann sind auch die jetzigen Fünft­klässler offiziell G9-Schüler, die ihr Abi planmäßig in der 13. Klasse machen. In Hinblick auf den Lernstoff ist diese reibungslose Überführung für sie sehr gut möglich. Entscheidend werden aber auch Detailfragen sein: Was passiert zum Beispiel, wenn ein jetziger Sechstklässler während seiner Schullaufbahn durchfällt und damit vom G8 ins G9 rutscht? Wir sind neugierig, müssen abwarten und werden alle Neuerungen bestmöglich umsetzen.“ 

Interview: Rasso Schorer

Auch interessant

Meistgelesen

Café-Betreiber darf seine Schilder nicht aufhängen
Café-Betreiber darf seine Schilder nicht aufhängen
Per U-Bahn nach Schongau
Per U-Bahn nach Schongau
Absage an Lebensmittel- und Getränkemarkt
Absage an Lebensmittel- und Getränkemarkt

Kommentare