"Wir konnten etwas bewegen"

Nach 24 Jahren als Steingadens Bürgermeisters: Xaver Wörles Blick zurück

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Neben Wehmut schwingt bei seinem Abschied für Xaver Wörle auch Erleichterung mit.

Steingaden – Nach 24 Jahren ist für Xaver Wörle Ende April als Steingadens Bürgermeister Schluss gewesen. Ein bisschen Wehmut den Mitarbeitern gegenüber habe er schon. Allerdings sei die Erleichterung größer, weil die kommunale Selbstverwaltung tot und die von oben verordnete Bürokratie nicht mehr auszuhalten sei.

In 54 Jahren hatte Steingaden gerade mal zwei Bürgermeister: Ernst-Otto Weber und zuletzt Wörle waren Oberhaupt der heute 2.850 Einwohner zählenden Gemeinde mit ihren 53 Ortsteilen. Startschwierigkeiten hatte Wörle 1996 nicht. Zumal er bereits sechs Jahre Gemeinderat gewesen war und es damals „noch keine riesigen Baumaßnahmen gegeben hat“. Das änderte sich 1999.

Da erwarb die Gemeinde von der örtlichen Kirchenverwaltung den Süd- und Teile des Westflügels des Fohlenhofes für den symbolischen Preis von 5.000 Mark. Teurer war 2003 bis 2005 der Umbau des Süd- und Westflügels mit 8,7 Millionen Euro. Allein die Grundschule im Südflügel kostete die Gemeinde fünf Millionen Euro. Alles in allem lagen die Kosten trotzdem noch fünf Prozent unter ihrer Schätzung.

„Darauf bin ich wahnsinnig stolz“, erinnert sich Wörle. „Sehr am Herzen“ lag ihm der Fortbestand des Altenheimes. „Ich wollte Steingaden als Standort für ein Alten- und Pflegeheim erhalten“. Kein leichtes Unterfangen. Denn der damalige Landrat habe von ihm bereits den Hausschlüssel des Altenheims verlangt. „Nur über meine Leiche“, habe er gesagt und sich danach für den Neubau für 56 Bewohner nebenan „nei ghängt“. Es gab indes noch weitere große Projekte in der Wörle- Zeit: die flächendeckende Wasserversorgung mit dem Bau des Hochbehälters, der Hochwasserschutz am Viehweidsee und der Neubau des Feuerwehrhauses im Jahr 2000 sowie der Bau der Kinderkrippe 2014, die Gestaltung des Dorf- und Parkplatzes in Wies und natürlich der Breitbandausbau. Stolz ist Wörle auf die Renovierung der Kreuzberg­kirche.

Für Nachfolger Max Bertl hat Wörle noch etliches angeschoben. So die Abwasserentsorgung nach Lechbruck für 3,5 Millionen Euro und die Sanierung des Ost- und Nordflügels des Fohlenhofes für rund zehn Millionen Euro sowie die Sanierung der Turnhalle für weitere 2,5 Millionen Euro. Woran sich Xaver Wörle gerne erinnert ist, dass er über all die 24 Jahre mit einem loyalen Gemeinderat zusammenarbeiten durfte. „Wir konnten für unser Heimatdorf in Sachen Soziales, Energie und Nachhaltigkeit etwas bewegen“. Der Umweltgedanke sie dabei nie zu kurz gekommen.

Seinem Nachfolger dreinreden wolle er nicht. Der könne sich auf die Unterstützung einer „super tollen Verwaltung verlassen“. Diese werde Bertl loyal zur Seite stehen.

Ja und was macht der Bürgermeister jetzt mit der vielen Freizeit? Jedenfalls Langeweile wird er nicht haben. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins am Lech, Vorsitzender der Steingadener Bürgerstiftung und derzeit ist er dabei, die zwanzigste Gemeindechronik zu erstellen. Vor zwei Jahren hat der jetzt 64-Jährige mit dem Golfen angefangen, das ihm mächtig Spaß mache.

wk

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